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Sperrung der Salzbachtalbrücke : Nicht nur für Pendler ein Albtraum

Wartestand: Kraftfahrer vor der gesperrten Salzbachtalbrücke in Wiesbaden Bild: Frank Röth

Die Sperrung der Salzbachtalbrücke war unvermeidlich. Nun könnte eine Sprengung nötig werden. Betroffen ist auch die Hauptausfallstraße der Landeshauptstadt in Richtung Süden.

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          Anwohner wollen einen Knall gehört haben, als am Freitagnachmittag die Brückenlager des südlichen Bauwerks der Salzbachtalbrücke nachgaben und Stahlbeton auf Stahlbeton knallte. Drohnenaufnahmen zeigen zentimetergroße Risse in der Brücke und einem Pfeiler. Alexander Pilz von der Darmstädter Außenstelle der Autobahn GmbH, die seit Jahresbeginn für alle Autobahnen und somit auch für die 300 Meter lange Salzbachtalbrücke zuständig ist, will ein Versagen des Pfeilers und damit einen Teileinsturz der Brücke nicht ausschließen.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Nachdem schwere Betonbrocken auf die Fahrbahn der Mainzer Straße (B 263) gefallen waren, hatte die Polizei am Freitag beide Brückenbauwerke gesperrt: sowohl die ohnehin für den baldigen Abriss vorgesehene Südbrücke als auch die Nordbrücke, über die bis zum Freitag auf drei Fahrbahnen mit Wechselverkehrsführung der gesamte Verkehr zwischen Wiesbaden und Frankfurt abgewickelt wurde. Noch können die Pendler zumindest hoffen, dass die von Sensoren ständig überwachte Nordbrücke von der Havarie der parallel verlaufenden Südbrücke nicht betroffen ist. Bis Mitte oder Ende der Woche will die Autobahn GmbH Klarheit haben.

          Sprengung nicht mehr ausgeschlossen

          Die unter der Salzbachtalbrücke verlaufende Bundesstraße 263, die Hauptausfallstraße der Landeshauptstadt in Richtung Süden, wird allerdings wohl über Wochen oder Monate gesperrt bleiben müssen. Denn ihre Freigabe würde zuvor eine Sicherung der maroden Südbrückenhälfte erfordern – was technisch als schwierig bis unmöglich gilt – oder deren Abriss. Dieser Abriss hätte von September bis Juni nächsten Jahres ohnehin vollzogen werden sollen. Ob, wie und wann er nun unter den veränderten Bedingungen vonstattengehen kann, muss ebenfalls erst geprüft werden. Laut Autobahn-Gesellschaft ist die „vollständige Schadensermittlung“ angelaufen. Konzeptionelle Überlegungen für den Abriss des südlichen Brückenbauwerks hätten begonnen. Das kann ein Fall für Baggerführer werden, aber auch für Sprengmeister. Eine Sprengung wird jedenfalls nicht mehr ausgeschlossen. Doch das Konzept werde geraume Zeit in Anspruch nehmen, heißt es als Vorwarnung für die Autofahrer und Bahnreisenden. Mit einer schnellen Lösung ist nicht zu rechnen. Daher wolle man Lösungen finden, „einen möglichen Verkehrsinfarkt“ zu vermeiden.

          Doch dieser Infarkt droht nicht nur dem Autoverkehr. Unter der Autobahnbrücke verlaufen die wichtigsten Zubringergleise zum Wiesbadener Hauptbahnhof. Dieser ist seit dem Wochenende fast völlig vom Bahnverkehr abgehängt. Geprüft werden soll, ob absehbar zumindest ein eingleisiger Verkehr unter der Brücke ermöglicht werden kann, doch auch dazu gibt es erst in Tagen oder Wochen Klarheit.

          Die Ausweichoptionen sind überschaubar

          Die Ausweichoptionen sind für alle Pendler aus Wiesbaden und der Region sehr überschaubar. Das Bahnunternehmen Vias setzt für die Rheingaulinie zwischen Rüdesheim und Frankfurt im Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Biebrich Busse ein. Die Autofahrer werden sich nach den Erwartungen der Verkehrsfachleute in Massen über die Biebricher Allee, den Zweiten Ring und die Kasteler Straße durch die Stadt bewegen wollen. Eine deutlich erhöhte Verkehrslast wird zudem der Mainzer Ring mit der Weisenauer Brücke aufnehmen müssen, weil der Weg aus Rheinhessen in die Rhein-Main-Region zwar noch über die Schiersteiner Brücke (A 643) führt, aber dann an der Abfahrt Biebrich der A 66 Schluss ist. Daher werden viele Autofahrer den Mainzer Ring nehmen.

          Die Wiesbadener Stadtpolizei ist mittlerweile an den Kreuzungen präsent, damit der Verkehrsfluss nicht völlig zusammenbricht. Zumindest in den ersten Tagen nach der Sperrung wird aber mit langen Staus zu rechnen sein. Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) erwartet „sehr massive“ Folgen: „Die Stadt ist unverschuldet in einen verkehrlichen Notstand geraten.“

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