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Sperrung der Salzbachtalbrücke : Große Stunde eines kleinen Bahnhofs

  • -Aktualisiert am

Neuer Knotenpunkt: Biebrich muss derzeit den Wiesbadener Hauptbahnhof ersetzen. Bild: Samira Schulz

Die Station in Biebrich wird stärker genutzt, solange der Wiesbadener Hauptbahnhof gesperrt ist. Dafür wird sie nun hergerichtet und im Umfeld entstehen Parkplätze.

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          Seit die Bahnstrecke unter der einsturzgefährdeten Salzbachtalbrücke gesperrt ist, fährt kaum noch ein Zug im Wiesbadener Hauptbahnhof ab. In ihrer Not nutzen etwa zehn Mal so viele Berufspendler wie üblich den Bahnhof im Stadtteil Biebrich, um zur Arbeit zu kommen. Zu viele Menschen und zu viele Autos haben nach Auskunft der Stadt dazu geführt, dass die Verkehrssituation dort zeitweise unübersichtlich ist. „Wir wollen gefährliche Situationen vermeiden und da Ordnung reinbekommen“, sagte Daniel Sidiani, Referent für Mobilität beim Wiesbadener Verkehrsdezernat, am Mittwoch. Zuvor hatte Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) sogenannte Notmaßnahmen vorgestellt, mit denen der Bahnhof in Wiesbadens größtem Stadtteil fit gemacht werden soll.

          Das ist nötig, denn die kleine Station wurde in den vergangenen Jahren eher vernachlässigt. „Biebrich hat eine hervorragende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Man ist in einer halben Stunde in Frankfurt“, sagte Sidiani, „aber die Infrastruktur um den Bahnhof herum ist nicht mitgewachsen.“ So gibt es nur wenige Möglichkeiten, ein Auto abzustellen. Daher soll ein Park & Ride-Platz direkt neben dem Bahnhofsgebäude entstehen. „Das ist ein zugewachsenes Grundstück, das einem privaten Investor gehört“, erläuterte Sidiani. Man habe schon eine Vereinbarung mit dem Eigentümer getroffen. In der nächsten Woche soll das Grundstück eingezäunt, und Pflanzen sollen zurückgeschnitten werden. Dort können dann etwa 25 Autos parken. Im gesamten Viertel rund um den Bahnhof soll Tempo 30 eingeführt werden, zudem werden die Fahrbahnmarkierungen erneuert.

          Zugeparkte Gehwege und verstopfte Straßen

          Das reicht aber nicht aus. „Die Gehwege wurden zum Teil so zugeparkt, dass die Sicherheit nicht gewährleistet war“, erläuterte der Referent. Aufgrund der doppelten Kurve handele es sich um eine komplizierte Verkehrssituation, die durch die „Massen von Menschen“, die jetzt den Bahnhof nutzten, noch schwieriger werde. „Wir mussten einfach handeln und ausreichend breite Gehwege herstellen“, sagte er. Die Stadt hat einen neuen Zugang von der Erich-Ollenhauer-Straße aus geschaffen, die Pflanzen zurückgeschnitten, einen barrierefreien Zugang zu Gleis 1 gebaut. Dort wurden zudem Abstellplätze für Fahrräder geschaffen. Direkt vor dem Bahnhof wurden Poller errichtet, damit der Zugang nicht zugeparkt wird.

          Weitere Umgestaltungen sind in Vorbereitung. Neben dem genannten Park & Ride-Platz werden zwei Taxi-Plätze an der Gibber Straße eingerichtet. Die Busse für den Schienenersatzverkehr können auf dem Platz vor dem Bahnhof halten. Dort, wo der Seligmann-Baer-Platz in die Äppelallee mündet, soll verhindert werden, dass parkende Autos Fußgänger gefährden und den Verkehr behindern. In der Vergangenheit wurde laut Sidiani die zweite Spur, die auf die Äppelallee führt, immer wieder zugeparkt. Das habe zu erheblichen Rückstaus bis zum Bahnübergang geführt. „Das ist natürlich unangenehm, wenn ich im Auto auf dem Bahnübergang stehe, und dann geht die Schranke zu“, sagte Sidiani.

          Bahn beteiligt sich an Kosten

          An den Zugängen zu Bahnsteig 2 und an der Erich-Ollenhauer-Straße sollen weitere Fahrradbügel und eine Rad-Verleihstation installiert werden. Die Stadt hofft, dass viele Pendler den Biebricher Bahnhof auch noch nutzen, wenn der Hauptbahnhof wieder geöffnet ist. „Ich habe von Leuten gehört, die notgedrungen auf den Bahnhof ausgewichen sind, jetzt aber überlegen, dabei zu bleiben, weil er aus Dotzheim und Biebrich mit dem Fahrrad gut zu erreichen ist“, sagte er.

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          Noch stellt sich die Frage nicht, denn der Hauptbahnhof bleibt erst einmal gesperrt, und es steht nicht fest, wann er wieder geöffnet wird. „Wir gehen davon aus und hoffen, dass das im Dezember der Fall sein wird“, meinte Sidiani. Die 60.000 Euro für die Ertüchtigung des Bahnhofs muss die Stadt nicht allein zahlen. „Für die Zugänge von Süden her hat uns die Bahn eine Beteiligung an den Kosten in Aussicht gestellt.“

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