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„Es wird in alle Richtungen gedacht“ : Spekulationen über Abriss der Zeilgalerie

Regelmäßg im Blickpunkt: die Zeilgalerie Bild: Irl, Maria

Mieter rätseln über Pläne des neuen Eigentümers der Zeil-Galerie. Ein Makler sagt: „Es wird in alle Richtungen gedacht.“

          3 Min.

          Die Frankfurter Zeilgalerie steht nach dem Verkauf durch die IFM Immobilien AG an den Investor RFR Holding vermutlich vor einem grundlegenden Umbruch. Das berichten Mieter des Einkaufszentrums und Makler übereinstimmend. Vier Optionen stehen danach in der Diskussion: ein neues Konzept für das bestehende Haus, ein Komplettabriss mit anschließendem Neubau, eine Übernahme eines Teils der Fläche durch den direkten Nachbarn Kaufhof, und sogar vom Abriss beider Häuser, Kaufhof und Zeilgalerie, ist die Rede, mit anschließendem Neubau eines großen Konsumtempels. „Es wird in alle Richtungen gedacht“, heißt es in Maklerkreisen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf Anfrage wollte sich RFR nicht zu seinen Plänen äußern. Aus Maklersicht hat ein Abriss mit der Möglichkeit, anschließend größer zu bauen und Fläche besser vermarkten zu können, wirtschaftlich Sinn. „Es ist davon auszugehen, dass sich RFR den Kauf der Zeilgalerie vorher gut durchgerechnet hat“, sagt ein Makler. Das Unternehmen, dem in Frankfurt unter anderem der Eurotower gehört, genießt in der Branche einen Ruf als erfolgreicher und weitsichtiger Investor. Die Lage an der Hauptwache ist eine der besten in Deutschland.

          Recht still war im vergangenen Herbst der Verkauf der Ladenzeile über die Bühne gegangen - es war immerhin der vierte Eigentümerwechsel innerhalb von 21 Jahren. 1992 war das Prestigeobjekt des einstigen Immobilieninvestors Jürgen Schneider, der sich mit falschen Angaben zu Flächen Kredite in Millionenhöhe erschwindelt hatte, in Betrieb gegangen. Von Anfang an galt die schmale Immobilie, in der rund 11 200 Quadratmeter Handelsfläche auf acht Etagen verteilt sind, als schwierig. Ein Laden in der achten Etage - wer sollte den weiten Weg auf sich nehmen, um dort zu kaufen?

          Ankermieter Benetton und H & M

          So richtig erfolgreich ist die Zeilgalerie denn auch nie geworden. Der letzte Eigentümer, die IFM Immobilien AG, hatte es noch einmal mit einem vielfältigeren und hochwertigeren Angebot versucht. Unten das gewöhnliche Programm mit den Ankermietern Benetton und H & M, nach oben hin sollte es kreativer und exotischer werden. Unter anderem wurden Zwischenmieter für recht große Flächen zu Sonderkonditionen hereingenommen, so etwa der Andenkenladen Souvenir Frankfurt, ein Minigolf-Projekt sowie diverse Designer- und Konzeptläden.

          Zusätzlich zu der Kaufsumme von 50 Millionen Euro nahm IFM noch einmal elf Millionen Euro in die Hand, um das Haus von Grund auf zu sanieren. Wände wurden weiß gestrichen, Trennwände eingerissen, Schaufenster freigelegt, und es wurde eine spektakuläre Außenfassade installiert. Neue und bessere Geschäftsnamen sollten her, Billigläden wie „Sexy Queen“ dagegen verschwinden. „Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen“, sagte der damalige IFM-Vorstandsvorsitzende Georg Glatzel Anfang 2012, „aber wir sind auf dem richtigen Weg.“ Die IFM hat dann doch lieber verkauft, über den Kaufpreis, den die RFR Holding an die IFM gezahlt hat, wurde Stillschweigen vereinbart.

          Eine Linie lässt die Zeilgalerie gleichwohl bis heute vermissen. Hello Kitty, Essence, Fashion Hub, Leonid Matthias, Sankthorst - diese Geschäfte, die unter IFM-Regie eingezogen sind, brachten es nur auf ein kurzes Intermezzo. Ein Großteil der Räume in den beiden oberen Etagen steht leer, und auch auf anderen Etagen gibt es etliche Leerstände.

          Seit dem Eigentümerwechsel hat sich die Situation offenbar weiter verschärft. Mieter, die kürzlich erst innerhalb des Hauses umgezogen sind, wie etwa die Boutique Dressingroom, sind einen Monat später verschwunden, andere sollen auf dem Absprung sein. Weil er eine Mieterhöhung nicht akzeptieren wollte, schließt Mitte August nach fünf Jahren auch der Andenkenladen Souvenir Frankfurt.

          „Es gibt keine Zucht und Ordnung mehr“

          Auch deshalb wird derzeit viel spekuliert. Von Kündigungen langjähriger Mieter ist die Rede. Neuverträge würden nur noch für ein Jahr abgeschlossen. Die meisten liefen nur bis Ende Dezember 2015. Entgegen dem IFM-Konzept ist wieder ein Billiganbieter für Mode eingezogen. Der Neuzugang Jeans Inn - erst vor kurzem von der Konstablerwache gekommen - ist schon wieder geschlossen, wegen Insolvenz, wie es heißt. Im Treppenhaus wird aber noch groß für das Geschäft geworben. Mit Samsung und der Astor Film Lounge hat die Zeilgalerie immerhin ein Zugpferd und eine Attraktion auf dem Dach. Auch die vegane Rag Bar im Keller scheint zu laufen.

          Gleichwohl haben nicht nur Mieter, sondern auch Kunden den Eindruck, dass der neue Eigentümer für die Immobilie - zumindest in ihrem jetzigen Zustand - kein klares Konzept hat. Einheitliche Öffnungszeiten am Morgen gibt es nicht, und so kann es passieren, dass man vor geschlossenen Türen steht. Sich im Internet zu informieren ist schwierig: Die Homepage ist auf dem Stand von 2012.

          Das ärgert auch viele Mieter, die sich wegen laufender Mietverträge und Sorge vor rechtlichen Auseinandersetzungen öffentlich nicht äußern möchten. „Jeder macht auf und zu, wann er will. Es gibt keine Zucht und Ordnung mehr“, sagt einer. Auch das Center-Management - es liegt bis Ende September noch in der Regie des Vorbesitzers IFM - zeige keine Präsenz. Das sei früher anders gewesen. „Da ging der Manager morgens mit seiner Sekretärin durchs Haus und begrüßte alle.“

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