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SPD in Hessen : Der Traum von der Rückkehr

  • -Aktualisiert am

Er soll es richten in Hessen: der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel wird auf dem Landesparteitag von Peer Steinbrück und Kurt Beck beklatscht. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Gut vier Jahre nach dem Ypsilanti-Debakel: Die SPD hat wieder Hoffnung auf die Macht. Thorsten Schäfer-Gümbel soll den Wechsel schaffen, mit Hilfe der Grünen.

          Die Situation der hessischen SPD ist vergleichbar mit der eines Fußball-Bundesligisten, der in der vergangenen Saison noch gegen den Abstieg zu kämpfen hatte und zur allgemeinen und zur eigenen Verblüffung nur ein Jahr später um die Meisterschaft mitspielt. Mit 23,7 Prozent musste die Hessen-SPD bei der Landtagswahl im Januar 2009 einen historischen Tiefschlag hinnehmen, inzwischen darf sie sich Hoffnungen auf eine Regierungsübernahme mit Unterstützung der Grünen machen. Vorbei die Zeit der Selbstzweifel und der Mutlosigkeit. In einer Mischung aus innerer Überzeugung und Autosuggestion träumen die hessischen Sozialdemokraten von der Rückkehr an die Macht. Zu verdanken ist das dem Mann, der die darniederliegende Partei aufgerichtet hat und sich jetzt anschickt, Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nach der Landtagswahl im September als Regierungschef abzulösen: Thorsten Schäfer-Gümbel.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Kapitän des wiedererstarkten SPD-Teams hatte den abstiegsbedrohten Verein unmittelbar nach dem dramatischen Scheitern Andrea Ypsilantis übernommen. Ein damals weithin unbekannter, parteiintern als „links“ eingeordneter Genosse aus Mittelhessen, der nicht zuletzt deshalb zum Zug kam, weil sich andere damals nicht zutrauten, den Wagen aus dem Dreck ziehen zu können. „Soll der sich doch erst einmal in die Riemen legen“, formulierten Skeptiker und Besserwisser, die bezweifelten, ob der Neue über das nötige Stehvermögen verfüge, um bis zur nächsten Wahl durchzuhalten. Schäfer-Gümbel indes ging als Parteivorsitzender und Fraktionschef im Landtag mit Ruhe und Entschlossenheit ans Werk, führte die verfeindeten linken und rechten Flügel in der Landtagsfraktion wieder zusammen, arbeitete kontinuierlich an seinem Image vor allem bei jenen Gesellschaftsgruppen, die der Sozialdemokratie traditionell eher fern stehen und gewann so zunehmend an Bekanntheit und an Statur.

          Aus dem tiefen Tal der Tränen

          Dem 43 Jahre alten Bayern-München-Fan ist es so gelungen, seine Partei aus dem tiefen Tal der Tränen herauszuholen. Schäfer-Gümbel schöpft innere Stärke aus dem Wissen, dass die SPD diesmal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich besser als beim vorangegangenen Mal abschneiden wird. Von Lethargie keine Spur mehr, im Gegenteil, die Hoffnung auf die Regierungsübernahme nach der Landtagswahl im Herbst wird nur leicht getrübt durch den weiterhin schwachen Auftritt der SPD auf Bundesebene. Sollte das Ergebnis am 22. September nicht ganz so gut ausfallen wie erträumt, müssten eben die Grünen als erklärter Koalitionspartner die fehlenden Stimmen beisteuern.

          Schäfer-Gümbel schließt in Sachen Mehrheitsbildung zwar nichts aus, nicht einmal eine Regierungsbeteiligung der Linkspartei unter seiner Führung, die jüngste verfügbare Umfrage zur Hessen-Wahl aus dem vergangenen Dezember stimmt ihn jedoch optimistisch, dass es für Rot-Grün allein reichen könnte: Damals kamen SPD (31 Prozent) und Grüne (18 Prozent) zusammen auf eine absolute Mehrheit der Sitze, die CDU lag bei 36 Prozent, die Linkspartei bei fünf und die Liberalen hätten den Wiedereinzug in den Landtag mit nur vier Prozent verpasst. „Ich will Rot-Grün und bin sicher, dass wir das erreichen.“ So macht sich der SPD-Chef selbst Mut.

          „Auf den Wechsel, fertig, los“

          TSG, wie er innerparteilich, teils aus Hochachtung, teils aus Verbundenheit genannt wird, strotzt vor Selbstbewusstsein. Das Jahr 2013, in dem die SPD hundertfünfzigjähriges Bestehen feiert, wird seiner Ansicht nach zum „Jahr der Sozialdemokratie“, mit Erfolgen sowohl bei der Bundestagswahl wie auch in Hessen. Schwarz-Gelb habe in Berlin und Wiesbaden abgewirtschaftet. Hessen brauche nicht nur einen Regierungs-, sondern einen Politikwechsel, und deshalb sei es so wichtig, dass ein rot-grünes Bündnis zustande komme.

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