https://www.faz.net/-gzg-ow4o

Sparkasse 1822 : Bankaufsicht zielt auf Stüve und Wächter

  • Aktualisiert am

Die Krise der Frankfurter Sparkasse von 1822 hält an. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht Jürgen Stüve in einem Schreiben aufgefordert, sein Amt als Vorsitzender des Verwaltungsrats des Kreditinstituts niederzulegen.

          2 Min.

          Die Krise der Frankfurter Sparkasse von 1822 hält an. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht Jürgen Stüve in einem Schreiben aufgefordert, sein Amt als Vorsitzender des Verwaltungsrats des Kreditinstituts niederzulegen. Außerdem wurde Klaus Wächter von der Bankenaufsicht aufgefordert, sich aus dem Verwaltungsrat zurückzuziehen. Wächter hatte die Frankfurter Sparkasse seit 1989 geleitet und war zum Jahresende 2003 in den Ruhestand getreten. Dem Verwaltungsrat gehört er erst seit Jahresbeginn an.

          Offenbar macht die Bankenaufsicht neben Wächter auch Stüve für die beträchtlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich, in denen das Kreditinstitut steckt. Der Frankfurter Rechtsanwalt ist seit März 2002 Vorsitzender des Verwaltungsrats, also des Aufsichtsgremiums der Sparkasse. Zuvor war er schon stellvertretender Vorsitzender gewesen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verfügt über beträchtliche Kompetenzen, doch zählt dazu nicht das Recht, Verwaltungsratsmitglieder abzuberufen. Dies kann sie lediglich bei den Vorständen von Kreditinstituten erzwingen. Mithin vermag sie an Mitglieder von Verwaltungsräten lediglich Appelle zu richten. Wächter wollte sich am Donnerstag nicht zur Aufforderung des Bundesamts äußern; Stüve war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

          Wie berichtet, unterzieht das Bundesamt die Frankfurter Sparkasse zur Zeit einer Sonderprüfung; aus dem Geldinstitut war am Donnerstag zu hören, diese Prüfung dauere noch an. Mitarbeiter der Bankenaufsicht haben aber schon mehrfach an Sitzungen des Verwaltungsrats teilgenommen, wobei der Umgangston als eisig beschrieben wird.

          Dazu könnte auch dazu beigetragen haben, daß die erst im Dezember von Wächter genannten vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2003 schon wenige Wochen später als überholt galten. Nach dem überraschenden Abgang von Alexander Kolb, der am 1.Februar das Amt als Vorstandssprecher angetreten und schon vier Wochen später aufgegeben hatte, mußte der stellvertretende Vorstandssprecher Andreas Goßmann im März bekanntgeben, daß sich die tatsächlichen Zahlen für das vergangene Jahr von denen, die Wächter kurz vor Weihnachten genannt hatte, erheblich unterscheiden werden.

          Die Bilanz der Frankfurter Sparkasse wird erheblich schlechter ausfallen. Zwar steht das Haus beim Betriebsergebnis vor Bewertung etwas besser da als im Dezember mitgeteilt, doch entscheidend ist das Bewertungsergebnis selbst, das nach Goßmanns Worten "deutlich ungünstiger" sein wird. Goßmann, der das Haus derzeit führt, begründete dies mit neuen Risiken im Kreditgeschäft, neuen Informationen über bestehende Engagements, neuen Richtlinien zur Bewertungsbeteiligung und mit dem Preisverfall bei Immobilien, der zu einer Neubewertung der Sicherheiten im Kreditgeschäft zwinge. Die Vorlage der Bilanz wird für die nächsten Wochen erwartet.

          Die Kritik der Bankenaufseher an Stüve und Wächter trifft die Frankfurter Sparkasse in einem für sie ausgesprochen heiklen Moment. Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten kommt noch die Diskussion um die Neuordnung der Sparkassenlandschaft im Ballungsraum Frankfurt. Die hessische Landesregierung will die Frankfurter Sparkasse und die Landesbank Hessen-Thüringen unter einer Holding zusammenfassen. Dabei stellt sich die Frage, ob die beiden Träger der Sparkasse, die Polytechnische Gesellschaft und die Stadt Frankfurt, bereit wären, sich zurückzuziehen, und welches Maß an Selbständigkeit das Kreditinstitut innerhalb einer solchen Holding bewahren könnte. (mak.)

          Weitere Themen

          Börsenglocke zum Geburtstag Video-Seite öffnen

          F.A.Z. wird 70 : Börsenglocke zum Geburtstag

          Nein, die F.A.Z. geht nicht an die Börse. Dass Werner D'Inka, seine Mit-Herausgeber und die Geschäftsführer die Eröffnungsglocke auf dem Frankfurter Parkett läuten durften, war ein Geschenk der Deutschen Börse zum 70. Geburtstag.

          Topmeldungen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.