https://www.faz.net/-gzg-8sg4q

Gegen den Trend : Sparda-Bank steigert Zinsergebnis

Gut gerüstet: Die Sparda-Bank Hessen will künftig auch Geschäftskunden bedienen. Bild: Helmut Fricke

In einem schwierigen Markt meldet die Sparda-Bank gute Zahlen. An neuen Gebühren kommt sie aber nicht vorbei. Außerdem will sie das Geschäft mit einem Kundenstamm weiter ausbauen.

          Vom Konferenzraum der Sparda-Bank Hessen hat der Gast eine gute Sicht auf jenen Platz, auf dem derzeit der höchste Wohnturm Deutschlands gebaut wird – direkt neben der Zentrale des Instituts. 172 Meter hoch soll der „Grand Tower“ werden und Platz für 401 Eigentumswohnungen bieten. Das bombastische Gebäude ist nur ein Beispiel dafür, dass in Frankfurt viel investiert wird. Bombastisch findet Jürgen Weber, der Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank Hessen, auch das Zinsumfeld für Kreditnehmer, also ebenfalls für Privatkunden, auf die sich die Bank konzentriert.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Niedrigzinsen haben bei Hessens größtem Finanzierer von Häuslebauern im Geschäftsjahr 2016 für 490 Millionen Euro Neugeschäft gesorgt – der Kreditbestand stieg gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro. Doch gerade der Blick auf den Grand Tower zeigt Jürgen Weber, dass mit den niedrigen Zinsen auch die Kosten für ein Eigenheim gestiegen sind: Dort kostet eine Eigentumswohnung im Schnitt 6000 Euro pro Quadratmeter.

          Überschuss gesteigert

          Während der Bilanzpressekonferenz legte die Sparda-Bank gestern durchaus gute Zahlen vor (siehe Grafik), die vor allem mit Blick auf das Zinsumfeld auffallen. Natürlich, sagt Weber, setze auch seinem Haus die andauernde Niedrigzinsphase zu. Umso bemerkenswerter, dass der Zinsüberschuss, also die Spanne zwischen den Einnahmen aus dem Kreditgeschäft und den Vergütungen für die Kundeneinlagen, im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent auf 95,2 Millionen Euro gestiegen ist. Weber zeigte sich zwar zuversichtlich, dass sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, spätestens nach dem Ende der Amtszeit des derzeitigen EZB-Präsidenten Mario Draghi 2019, ändern könne.

          Doch auch wenn die Sparda-Bank weiterhin hervorhebt, in diesem „schwierigen Marktumfeld“ für Privatkunden keine Kontoführungsgebühren erheben zu wollen, und Strafzinsen derzeit ausschließt, so hat auch die Genossenschaftsbank an der Gebührenschraube gedreht. Sie nimmt für beleghafte Überweisungen mittlerweile 95 Cent. Zudem habe sie die Gebühren für Schließfächer erhöht, die zunehmend nachgefragt würden.

          Das gute Zinsergebnis führt Weber auf ein erfolgreiches Einlagengeschäft zurück. Dagegen ging das Provisionsergebnis gegenüber 2015 um acht Prozent auf 13,7 Millionen Euro zurück, was Weber im Wesentlichen mit der gesetzlichen Vorgabe begründete, wonach Gebühren bei EC- und Kreditkarten gedeckelt sind. Insgesamt steigerte die Sparda-Bank ihren Überschuss um 2,5 Prozent auf 12,4 Millionen Euro, das Teilbetriebsergebnis verbesserte sich um 10 Prozent auf 34 Millionen Euro. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 3,9 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.

          Bankgeschäfte von unterwegs erleichtern

          Weber hob hervor, dass Kunden mit Blick auf die Zinsen derzeit vor allem auf kurzfristige Einlagen setzten. „Die Kunden warten weiter auf steigende Zinsen und die passenden Produkte.“ Davon abgesehen sei wegen der politischen Rahmenbedingungen große Unsicherheit zu spüren. Weber will deshalb bei den Kunden weiter Vertrauen aufbauen, auch durch Beratung in den derzeit 38 Filialen in Hessen. Zwar werde die Dependance in Karben wegen ihrer Nähe zu jener in Bad Vilbel im Sommer aufgegeben und das Filialnetz geprüft – weitere Schließungen seien aber nicht geplant.

          Dennoch zieht auch die Sparda-Bank bei der Digitalisierung mit und arbeitet, teils mit Hilfe von Fintechs, an neuen Produkten, um von unterwegs getätigte Bankgeschäfte zu erleichtern. Zudem teilte Weber mit, die Bank wolle das Geschäft mit Gewerbekunden aufbauen. Es gebe erst zwei Handvoll kleinere Kunden – „das wollen wir behutsam weiterentwickeln“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.