https://www.faz.net/-gzg-9hetd

Spätfolgen des Sommers : Waldsterben im Wohnzimmer?

Tannen im hessischen Niedernhausen-Oberseelbach Bild: Rainer Wohlfahrt

Der trockene Sommer verheißt nichts Gutes für die Christbaumkulturen: Drohen dürre Gerippe an der Krippe? Fachleute plädieren für heimische Bäume – und verraten, wie sich frische Exemplare erkennen lassen.

          4 Min.

          Liebe Kinder, Weihnachten fällt diesmal aus. Also wenigstens in der bekannten Form. Mit Baum und so. Wir könnten vielleicht eine Kugel an die Stehlampe hängen, sieht doch auch schön aus. Ein derartiges Horrorszenario hat sich womöglich bei manchem vor Monaten diffus im Hinterkopf breitgemacht. „Dürre setzt Weihnachtsbäumen zu“, hießen die Schlagzeilen im heißen und viel zu trockenen August. Aber da war das Drama ja noch lange nicht vorbei. Dem August folgte ein heißer und viel zu trockener September und ein Oktober fast ohne Regen. Selbst der November fiel wie fast alle Vormonate zu trocken aus. So viel Sonne versprach triste Aussichten für das Fest: Erna, der Baum nadelt! Doch wie Friedrich Hölderlin einst dem Homburger Landgrafen dichtete: Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Im Fall der Nordmanntanne in Gestalt einer Pfahlwurzel.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Der Mann, der glaubhaft Entwarnung geben kann, heißt Hubertus Behler-Sander und ist beim Forstamt Königstein für Dienstleistungen zuständig. Zu diesen gehört das Angebot, Weihnachtsbäume in den Wäldern des Taunus selbst zu schlagen (auch wenn man dafür besser zur Säge greift). Das ist in vielen Familien schöne Tradition, aber lohnt sich das nach dem Extremsommer überhaupt? Oder hat man ein dürres Gerippe in der Hand, bis man den Baum von der Schonung zum Auto getragen hat? Nein, sagt der Forstoberamtsrat, und er kann dafür nicht nur Lehrbuchweisheiten wie die Eigenart der Nordmanntanne anführen, tief reichende Pfahlwurzeln auszubilden. Diese verästeln sich bei einem zwei Meter hohen Baum fast genauso tief in den Boden. Und weil es im vorigen Winter viel geregnet hat, kamen die jetzt erntereifen acht bis zehn Jahre alten Bäume, wenn sie nicht an ungünstigen Standorten wuchsen, ausreichend an Wasser.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Besuch in Malvern Link : Morgandämmerung

          Er sieht aus wie vor mehr als 80 Jahren, doch steht der jüngst vorgestellte Morgan Plus Six für den Beginn einer neuen Zeit. Aber keine Sorge: Moderne Autos werden die Kerle in Malvern Link auch künftig nicht bauen.