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Frankfurter Wohnungsbau : Für eine durchmischte Stadt

Die Mischung in der Stadt ist entscheidet, nicht nur bei der Balkonfarbe: Wohnblöcke in Frankfurt. Bild: dpa

In Frankfurt gibt es zu wenig Sozialwohnungen. Doch wer die städtische Wohnungsgesellschaft ABG auf deren Bau reduziert, schafft die Brennpunkte von morgen. Ein Kommentar.

          Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man mit den Themen Miete und soziale Gerechtigkeit in Frankfurt zumindest Oberbürgermeisterwahlen gewinnen kann. Das ist auch der Linken nicht entgangen. Die Partei will vor der Landtagswahl deshalb Unterschriften sammeln, um einen Bürgerentscheid über das Mietniveau der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG zu erwirken. Wahltaktisch nennt man das wohl einen klugen Schachzug.

          Den Wählern wird dabei suggeriert, die Welt sei sehr einfach. Die Hälfte der Frankfurter habe vom Gehalt her ein Anrecht auf eine Sozialwohnung, heißt es in dem Aufruf. Jeder Fünfte dürfe überdies in eine Wohnung ziehen, die mit dem Frankfurter Mittelschichtprogramm gefördert wird. Andererseits hätten aber nur sieben Prozent aller Wohnungen in Frankfurt eine soziale Bindung. Ergo sei es dringend nötig, mehr Sozialwohnungen zu schaffen.

          Zu wenig Sozialwohnungen vorhanden

          So weit, so richtig. Dass es in Frankfurt zu wenig Sozialwohnungen gibt, ist eine Tatsache. Allein die Zahl der Haushalte, die im Wohnungsamt gemeldet sind, um eine geförderte Wohnung zugewiesen zu bekommen, liegt bei rund zehntausend. Die Initiative will deshalb – im Neubau und durch Mietsenkungen – perspektivisch alle 52.000 Wohneinheiten der ABG zu geförderten Wohnungen erklären.

          Die Frage ist nur: Ist es wirklich klug, wenn die Wohnungsgesellschaft sich auf dieses Segment beschränkt? Mit den Einkommensschichten ballt man auch ihre sozialen Probleme. Die Folgen der sozialen Segregation lassen sich in Hochhaussiedlungen beobachten. Sie gelten bis heute als „soziale Brennpunkte“ und sind nicht im Sinne einer durchmischten Stadt. Wenn subventionsberechtigte Mieter keine geförderte Wohnung finden, gibt es andere, administrative Wege, soziale Härten auszugleichen.

          Hinzu kommt das unternehmerische Risiko: Die Stadt kann sich glücklich schätzen, dass ihre Wohnungsgesellschaft auf gesunden Füßen steht und zahlreiche Wohnungen baut. Sie sollte dem „Mietentscheid“ eine Informationskampagne und eine kluge Wohnungspolitik entgegensetzen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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