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Desinfektionsmittel-Ausverkauf : „Sie brauchen sich nicht mehr anstellen!“

Andrang: Am Montagmorgen warteten ungezählte Menschen in ganz Deutschland vor Aldi-Filialen, um Desinfektionsmittel zu kaufen – hier eine Filiale in Bremen. Bild: dpa

Aus Sorge vor dem Coronavirus wollen sich am Montagmorgen tausende Menschen beim Discounter mit günstigem Desinfektionsmittel eindecken. Das große Chaos bleibt zum Glück aus – doch viele Kunden werden trotzdem enttäuscht.

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          Nach nicht einmal fünf Minuten ist der Spuk schon wieder vorbei: „Meine Kisten sind leer! Für die Desinfektionsprodukte brauchen Sie sich nicht mehr anstellen!“, ruft die Kassiererin in der Aldi-Filiale am Mainzer Hauptbahnhof in Richtung der artig in der Schlange wartenden Kunden. Von ihren beiden Kolleginnen erntet sie zustimmendes Kopfnicken: „Unsere auch!“ Einige Menschen drehen resigniert ab, andere versuchen noch mit dem Personal zu diskutieren. Doch das ist aussichtslos.

          Aus Sorge vor der Ausbreitung des Coronavirus haben am Montagmorgen tausende Männer und Frauen in ganz Deutschland versucht, sich bei einer der zahlreichen Filialen von Aldi Nord und Aldi Süd mit Desinfektionssprays, -gels und -tüchern einzudecken. Am Wochenende hatte der Discounter angekündigt, die Produkte, die schon vor Monaten als Aktionsware in „regulären“ Mengen geordert wurden, rationiert an seine Kunden auszugeben. Aus Gründen der „gegenseitigen Rücksichtnahme“ dürfe jeder Kunde dabei maximal drei Produkte aus besagtem Sortiment kaufen.

          „So viel Heckmeck für so wenig Zeug“

          In den sozialen Netzwerken hatte die Aldi-Ankündigung dabei teilweise für große Aufregung gesorgt: Während sich manche beschwerten, dass der Discounter nicht dazu verpflichtet wurde, seine Produkte an Krankenhäuser und Arztpraxen abzugeben, freuten sich andere auf etwaige chaotische Szenen und fühlten sich an den Anfang der 2000er Jahre erinnert, als Aldi Computer zu Ramschpreisen verscherbelte und Kunden damals teilweise vor den Filialen nächtigten, um morgens noch einen der PCs zu ergattern.

          In Mainz haben sich an diesem Montagmorgen etwa 25 vornehmlich ältere Menschen und jüngere Mütter um kurz vor acht Uhr vor dem Eingang versammelt. Wirklich viel über seinen kleinen morgendlichen Einkauf sprechen mag allerdings niemand. Man wolle natürlich nicht in Panik ausbrechen, aber die vielen Berichte über hunderte neue Infektionsfälle, bundesweite Hamsterkäufe und die immer neuen Warnungen des Gesundheitsministers trieben einen dann doch dazu, sich auf was auch immer vorzubereiten, raunt eine Kundin.

          Ein junges Pärchen wartet etwas verschämt zwanzig Meter weiter auf die Ladenöffnung und schiebt sich mit jeder weiteren Minute näher an die Übrigen heran, die sich um Punkt acht Uhr durch die sich öffnenden Schiebetüren schieben und schnurstracks Richtung Kassierbereich aufmachen, wo die in weißen Packungen und Fläschchen aufbewahrten Sprays, Gels und Tücher sicher in Kisten unter den Kassen versteckt sind und nur auf Nachfrage von den Mitarbeitern hervorgeholt werden. Jedem zweiten Kunden müssen sie dabei dann abermals erklären, dass die Ausgabe wirklich nur auf drei Produkte pro Person beschränkt ist.

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          Das junge Pärchen geht leer aus. Gerade einmal sechs Kisten mit insgesamt etwa 100 Produkten hatte die Mainzer Bahnhofsfiliale zur Verfügung. „So viel Heckmeck für so wenig Zeug“, schimpft eine Kundin, die an diesem Morgen leer ausgegangen ist. „Die Ware wurde schon vor einem Jahr geordert. Da hat Corona noch niemand gekannt“, versucht sich der Filialleiter zu rechtfertigen. Er hatte sich vorsichtshalber als eine Art Securitydienst zwischen seinen drei Kassiererinnen postiert, um bei möglichen Kundenprotesten gegen die strenge Rationierung entschieden dazwischenzugehen. Dass seine Muskelkraft an diesem Morgen noch nicht benötigt wurde, ist bei aller aufkeimenden Hysterie wohl noch ein gutes Zeichen.

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