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Sonderausstellung in Wiesbaden : Alter Falter

Pelzig: Johann Brandstetters „Schmetterlinge aus der Familie der Bärenfalter (Arctiidae)“, 1997, Aquarell Bild: Johann Brandstetter

Die Naturhistorischen Sammlungen des Museums Wiesbaden sind in einer großen Sonderausstellung „Schmetterlingen auf der Spur“ zu sehen und präsentieren Aquarelle des Illustrators Johann Brandstetter.

          2 Min.

          Es war einmal ein buntes Ding, ein sogenannter Schmetterling, hebt ein Gedicht von Heinz Erhardt an, das auch von der scheinbaren Unbekümmertheit handelt, mit der die Schuppenflügler, wie sie in der Wissenschaft genannt werden, mit zartem Schlag von Blüte zu Blüte flattern und dabei den Beobachter mit ihren auffälligen Mustern und prächtigen Farben entzücken. In der Vielfalt der Schmetterlinge, die mit rund 160.000 bekannten Arten die zweitgrößte Ordnung innerhalb der Insekten sind, spielen die „bunten Dinger“ allerdings keineswegs die Hauptrolle, sind doch etwa 90 Prozent der Schmetterlinge Nachtfalter, die keine auffällige, oft dem Schutz vor Fressfeinden dienende Färbung wie die Tagfalter benötigen.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tief in die faszinierende Welt der flatternden Wesen lässt sich nun im Museum Wiesbaden eintauchen, wo die große, von Fritz Geller-Grimm kuratierte Sonderausstellung „Schmetterlingen auf der Spur“ sich unter verschiedenen Aspekten mit den Insekten beschäftigt, deren Bedeutung für den Menschen nicht nur eine ökologische, sondern wegen des Zyklus aus Verpuppen und Schlüpfen auch eine mythologische ist, ein Sinnbild für Wiedergeburt und Unsterblichkeit.

          Eindrucksvolle Falter in der Rhein-Main-Region

          Die Naturhistorischen Sammlungen des Museums Wiesbaden präsentieren mit der Ausstellung einige ihrer großen Schätze. So besitzt das Museum Schmetterlingsexemplare, die mehr als 400 Jahre alt sind und die von der berühmten Frankfurter Naturforscherin Maria Sibylla Merian (1647 bis 1717) in ihren Büchern abgebildet wurden. Außerdem gehören die umfangreiche Sammlung des Frankfurter Bankiers Johann Christian Gerning (1745 bis 1802), in der sich wiederum Exemplare aus Merians Sammlungen befinden, sowie die wissenschaftlich sehr bedeutsame Kollektion des Wiesbadener Arztes Arnold Pagenstecher (1837 bis 1913) zu den Beständen des Hauses. Insgesamt zählt die Schmetterlingssammlung des Museums mehr als 800.000 Exemplare.

          Weitgereist: Johann Brandstetter „Monarchfalter (Danaus plexippus)“, 2017, Aquarell und Bleistift

          Einige besonders eindrucksvolle Falter werden zwar nach alter Sitte in Schaukästen aufgespießt gezeigt, doch geht es in der lehrreichen Schau sonst vor allem um eine anschauliche Vermittlung der Lebenswelt der Schmetterlinge. Der preisgekrönte Präparator Detlev Gregorczyk hat mehrere mehrfach vergrößerte Modelle gebaut, um die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling darzustellen, und eine Regenwaldinszenierung zeigt anhand von Präparaten die Vielfalt prachtvoll bunter Schmetterlinge im Dschungel, darunter mit der Weißen Hexe auch den größten Falter der Welt. An Schauwerten stehen einheimische Schmetterlinge ihren exotischen Verwandten allerdings kaum nach, wie der Ausstellungsbereich über Arten aus der Rhein-Main-Region zeigt. Alfred Westenberger, Experte aus Hofheim, hat aus Fotografien und Sammlungen 60 Lebensbilder einheimischer Schmetterlinge wie C-Falter und Schillerfalter zusammengestellt, die sich mit etwas Glück beim Spaziergang um Wiesbaden oder im Taunus entdecken lassen.

          Die zarte Schönheit vieler Schmetterlinge fasziniert auch den vielfach ausgezeichneten Naturillustrator Johann Brandstetter. Der Künstler aus Oberbayern, der kürzlich gemeinsam mit Elke Zippel den reichillustrierten Band „Wie Schmetterlinge leben“ vorgelegt hat, ist mit 50 Aquarellen und Schmetterlingsstudien in der Ausstellung vertreten. Die führen mit feinem Strich die ästhetischen Reize der „bunten Dinger“ vor Augen, deren Lebensraum ohne entsprechende Naturschutzmaßnahmen in Gefahr ist.

          Schmetterlingen auf der Spur

          Die Ausstellung „Schmetterlingen auf der Spur“ ist bis 31. Januar 2021 im Museum Wiesbaden zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Do 10 bis 20 Uhr, Mi, Fr 10 bis 17 Uhr, Sa, So und Feiertage 10 bis 18 Uhr

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