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Sommerpause bei Theatern : Eine Zeit der Erholung - oder auch nicht

  • -Aktualisiert am

Aufgemöbelt: Das Schauspiel Frankfurt nutzt die Theaterpause auch für Renovierungsarbeiten im Zuschauersaal. Bild: Hoang Le, Kien

Während der Sommerferien gibt es in vielen Theatern der Stadt keine Aufführungen. Hinter den Kulissen und im Freien geht der Betrieb aber weiter.

          Die Sommerpause, das sei eine „heilige Zeit“: Oliver Reese, Intendant des Schauspiels Frankfurt, spricht von den Monaten zwischen alter und neuer Saison als einziger Auszeit für die Künstler. Sie hätten lediglich jetzt die Möglichkeit, sich vom ansonsten ohne Unterbrechung laufenden Betrieb zu erholen. Doch auch wenn die Zeit zwischen Juni und September spielfrei ist, herrscht nur in wenigen der Frankfurter Theater- und Opernhäuser derzeit Ruhe.

          Während die meisten festangestellten Künstler der großen Spielstätten Urlaub haben, ist diese Zeit für die technischen Abteilungen „unbedingt notwendig“, wie Rainer Münz sagt. Der Projektleiter der Abteilung Technik der Städtischen Bühnen kümmert sich zwischen Juni und August um „unverzichtbare technische Wartungen“ in den Häusern von Schauspiel und Oper. Außerdem würden eine Reihe von TÜV- und Sachverständigenprüfungen vorgenommen. Mindestens einmal im Jahr müssten alle Anlagen des mehr als 40Jahre alten Gebäudes kontrolliert werden: beispielsweise die Unter- und Obermaschinerie der Bühnen, elektrotechnische Geräte, Scheinwerfer, Kabel und Brandmelder. Andere Arbeiten wie die Sanierung der Trinkwasserleitungen im Gebäude würden über Jahre hinweg im Sommer jeweils abschnittweise erledigt.

          Einige sind in Bayreuth

          Darüber hinaus stehe die eigene Feuerwehr der Städtischen Bühnen den Häusern auch während der Ferienzeit zur Verfügung, sagt Münz. Regulär muss sie vor allem anwesend sein, wenn in Stücken Schusswaffen oder Nebelmaschinen zum Einsatz kommen. Während der spielfreien Zeit überwachen die Feuerwehrleute dagegen Schweißarbeiten oder die Funktion der Brandmelder. Und sie stehen den Mitarbeitern in Sicherheitsfragen beratend zur Seite.

          Wie es aus der Intendanz der Oper Frankfurt heißt, sind einige Orchestermitglieder des Hauses derzeit bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth engagiert, und einer der Kapellmeister leitet dort in diesem Sommer die Kinderoper. Im Grunde sei die Opernpause aber die „Kernzeit zur Erholung der Künstler“. Selbst Proben für die neue Spielzeit würden schon in der vorhergehenden Saison abgehalten, um die spielfreie Zeit nicht zu unterbrechen. Auf die Sommerferien folge eine weitere kurze Probenphase, dann beginne die neue Saison. Ebenso sei die September-Ausgabe des mehrfach im Jahr erscheinenden Opernmagazins schon vorproduziert worden.

          Improvisieren

          In manchen Frankfurter Theatern ist von Ferien derzeit keine Rede, denn für die kleineren Häuser sind Aufführungen in den warmen Monaten eine wichtige Einnahmequelle. „Für uns ist der Sommer eine ganz bedeutende Zeit: Wir könnten uns nicht leisten, fast drei Monate lang zuzumachen“, sagt die Geschäftsführerin des Stalburg-Theaters, Petra Gismann. In diesem Jahr veranstaltet das Haus zum neunten Mal das „Stalburg Theater Offen Luft“, ein Freilicht-Festival mit Theater- und Musikaufführungen im Günthersburgpark. Währenddessen wird laut Gismann die Spielstätte an der Glauburgstraße für die Proben der im September anlaufenden Neuinszenierung genutzt. In einigen Häusern wird der normale Betrieb auch während der Sommerferien nicht unterbrochen. Im Volkstheater Frankfurt etwa ist noch bis Mitte des Monats mehrmals wöchentlich eine Aufführung von „Ein Käfig voller Narren“ zu sehen. Seit den siebziger Jahren war das Traditionshaus in den Sommermonaten mit seinen Produktionen zwar immer wieder ins Freie gezogen. Die Inszenierung von „La Cage aux Folles“, für die ein großes Ensemble und eine Menge aufwendiger Kostüme gebraucht würden, sei wegen des wechselhaften Wetters in diesem Jahr jedoch als Aufführung im Saal angelegt, sagt Intendantin Gisela Dahlem-Christ. Von Mitte August an werde das Mundart-Theater, das für den nächsten Mai seine Schließung angekündigt hat, der turnusmäßigen Grundreinigung unterzogen. Das werde einige Wochen dauern.

          Die Saison auf seiner Bühne verhalte sich eher umgekehrt zu der in den großen Häusern der Stadt, sagt Willy Praml, Leiter des gleichnamigen Theaters, das in der Naxoshalle jährlich mehrere Produktionen vorstellt: „Wir spielen jedes Jahr im Sommer.“ Im Januar und Februar sei es wegen der Heizkosten dagegen unmöglich, den Betrieb in dem Gebäude im Ostend aufrechtzuerhalten. Während dieser theoretisch besucherstarken Zeit bleibe das Theater darum geschlossen, so Praml.

          In den warmen Monaten wiederum versteht sich die Naxos-Truppe aufs Improvisieren: Bei gutem Wetter wird die Halle dank der großen Fenster und Türen kurzerhand zur „Open-Air“-Spielstätte umfunktioniert.

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