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Solarenergie aus Idstein : Pack die Sonne in den Tank

Sonnenhungrig: In Idstein könnte ein Solarpark entstehen. Aus der Stadt kommt nicht nur Zustimmung. Bild: dpa

Nahe der A3 will ein Aachener Investor einen Solarpark errichten. Doch aus der Fachwerkstadt Idstein ist nicht nur Begeisterung zu hören, die Bauern schimpfen.

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          Im Idsteiner Land werden sich auf absehbare Zeit keine Windräder drehen. Doch statt eines Windparks könnte es immerhin einen großen Solarpark geben. Das Aachener Unternehmen Trianel Energieprojekte möchte auf einem „Rosenkippel“ genannten, fast acht Hektar großen Areal neben der Autobahn 3 eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit einer Nennleistung von sechs bis acht Megawatt errichten. Das ausgewählte Gelände liegt in der Gemarkung der beiden Idsteiner Ortsteile Ober- und Niederauroff. „Es sind keine erheblichen Auswirkungen auf das Landschaftsbild zu erwarten“, heißt es einer Beschlussvorlage des kommunalen Bau- und Planungsamtes.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Ein Beschluss über die Aufstellung eines Bebauungsplanes ist die Voraussetzung, dass sich das Unternehmen an der Ausschreibung der Bundesnetzagentur um die öffentliche Förderung des Vorhabens bewerben kann.

          Weitere Informationen nötig

          Zwar hat der Magistrat schon Zustimmung signalisiert, doch die Stadtverordneten haben entschieden, dass bis zur anstehenden Sitzungsrunde Ende August und im September weitere Informationen vorgelegt werden müssen. Die Verwaltung hat unterdessen mit dem Unternehmen schon verabredet, dass die öffentlichen Wege durch das Gebiet erhalten bleiben müssen. Auch die visuelle Fernwirkung der Anlage soll noch einmal näher untersucht werden.

          Laut Trianel liegen die Verträge mit den jeweiligen Grundstückseigentümern schon vor. Das Unternehmen trägt zudem die Kosten des Bauleitplanverfahrens, mit dem Baurecht geschaffen würde. Bürgermeister Christian Herfurth (CDU) steht dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber und verweist auf die Ende 2019 beschlossene Aktualisierung des Idsteiner Klimaschutzkonzeptes. Darin ist auch die Erzeugung erneuerbarer Energie verankert. Neben einer Vielzahl kleinerer und dezentraler Vorhaben seien die gesteckten Ziele aber nicht ohne ein „zentrales größeres Projekt“ erreichbar, meint Herfurth.

          Bauern sind gegen den Solarpark

          Das bietet Trianel. Das Unternehmen wurde 1999 gegründet, betreibt zahlreiche Wind- und Solarparks und erzielte im Jahr 2017 mit 309 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro. Wiesen und Äcker entlang von Schienenwegen und Straßen wie bei Idstein sind als Solarstandorte förderfähig, sofern die Anlagen innerhalb eines 110 Meter breiten Korridors neben der jeweiligen Verkehrsachse gebaut werden und die Flächen zu den „benachteiligten Gebieten“ gerechnet werden. Mit dem Solarpark will Trianel jährlich sechs bis acht Millionen Kilowattstunden Strom ins Netz einspeisen. Rein rechnerisch genüge das für 2000 bis 3000 Haushalte. Zum Vergleich: Das ist weniger als ein Zehntel des Stromertrags, der vom Windpark auf der Hohen Wurzel erwartet wird.

          Idstein soll unter anderem durch Gewerbesteuereinnahmen profitieren. Der Solarpark soll zudem ökologische Vorteile bringen und vorzugsweise durch ortsansässige Schäfer mit ihren Herden oder durch regionale Dienstleister gepflegt werden. Gerade die Bauern bewerten jedoch jede Versiegelung von Ackerland als Verlust für die Landwirtschaft. Sie verweisen darauf, dass viele versiegelte Flächen wie beispielsweise Hausdächer noch nicht mit Photovoltaikanlagen bebaut seien. Von dem geplanten Solarpark seien drei bäuerliche Betriebe durch Flächenverluste betroffen. Das Argument einer „geringeren Bodengüte“ und die Lage in einem „benachteiligten Gebiet“ rechtfertigen aus Sicht des Kreisbauernverbandes keine Umwandlung von Äckern. Mit einer Bodengüte von hauptsächlich 30 bis 35 Bodenpunkten würden dort „noch immer gute Erträge“ erwirtschaftet. Trotz ungünstiger Witterung seien 2019 in Idstein bei Weizen, Roggen, Gerste und Hafer Erträge über dem Bundesdurchschnitt erzielt worden.

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