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Social Business Women : Chance für Frauen, den eigenen Weg zu gehen

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Entwicklungshelferin: Gabriele Möhlke unterstützt andere Frauen. Bild: Helmut Fricke

Nach einer Indien-Reise gründet Gabriele Möhlke den Verein „Social Business Women“ in Königstein. Seit fünf Jahren hilft sie Frauen mit Mikrokrediten bei beruflichem Neustart und Umorientierung.

          Mikrokredite kennt man eigentlich aus der Entwicklungshilfe. Oft hilft schon ein kleiner Geldbetrag Menschen in Afrika oder Asien beim Aufbau einer eigenen Existenz, die mangels Sicherheiten niemals gewöhnliche Kredite von Geldinstituten bekämen. So kann ein Kollektiv, meist von Frauen, handwerkliche Produktion und Handel verbinden und langfristig auf eigenen Füßen stehen, ohne auf Almosen angewiesen zu sein. Der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus hatte mit einem solchem „Social Business“ in seiner Heimat Bangladesch großen Erfolg. Gabriele Möhlke traf ihn vor acht Jahren auf einer Indien-Reise persönlich und griff seine Idee auf, Frauenarmut durch soziales Wirtschaften zu vermeiden.

          Sie gründete mitten im wohlhabenden Königstein den Verein „Social Business Women“, der nun seit fünf Jahren Frauen unterstützt, die nach Familienpausen oder persönlichen Krisen Schritte in die berufliche Selbständigkeit oder in eine neue Anstellung unternehmen wollen oder müssen. Sie erhalten einen Kredit von bis zu 10 000 Euro, die sie zum Teil für vom Verein angebotene berufliche Beratungs- und Bildungsprogramme verwenden oder aber direkt in den Aufbau eines Unternehmens stecken können. Die Rückzahlung ist sehr flexibel. Mehr als 2000 Frauen haben dieses Angebot bereits genutzt, fast die Hälfte von ihnen habe bereits eine neue berufliche Zukunft gefunden.

          Effektives Coaching

          „Die wenigsten Frauen, die zu uns kommen, könnten sich sonst ein effektives Coaching leisten“, erläutert Möhlke. Sie steht dem Verein vor und ist im Mai 2017 mit dem Elisabeth-Selbert-Preis der Hessischen Landesregierung für mehr als 30 Jahre Engagement in der Mädchen- und Frauenförderung ausgezeichnet worden. In Wiesbaden, Mainz, Offenbach, Groß-Umstadt und Rostock arbeiten unter dem Dach des Vereins verschiedene Berufsbildungseinrichtungen speziell für Frauen, die Fäden laufen im Büro in Königstein zusammen. Möhlke und ihr Team werden bei der Vergabe ihrer Mikrokredite bislang unter anderem von der Accenture Stiftung in Kronberg, der KfW-Stiftung und der Sparkassenfinanzgruppe finanziell unterstützt. Gegenwärtig sind die Frauen auf der Suche nach weiteren Geldgebern, die sie Initiativpartner nennen.

          Nicht nur Kinder, Krankheiten, Scheidungen oder Pflege von Familienangehörigen wirbeln die Berufsbiographien von Frauen nach der Erfahrung Möhlkes wesentlich stärker durcheinander als die von Männern. „Frauen bewerben sich auf eine ausgeschriebene Stelle in der Regel erst, wenn sie mindestens neun von zehn verlangten Qualifikationen sicher erfüllen, Männer tun das bereits, wenn sie auch nur zwei davon annähernd beherrschen“, erläutert sie. Mehr als die Hälfte aller berufstätigen Frauen in Deutschland habe einen Teilzeitjob, sie trügen im Schnitt nur zu einem knappen Viertel des Familieneinkommens bei und endeten oft in Altersarmut, weil ihre Rente im Durchschnitt um 40 Prozent geringer ausfalle als die von Männern. Nur jede dritte Existenzgründung sei die einer Frau, fast ein Drittel scheitere ohne ausreichende Beratung schon in den ersten drei Jahren. Kreditinstitute, so die Erfahrung Möhlkes, vergäben an Frauen wegen ihrer oft unterbrochenen Erwerbsbiographien und geringen Vermögenswerte auch seltener Gründungskapital, „das ist eine strukturelle Benachteiligung“.

          Gleiche Teilhabe

          Ihr gehe es nicht um Gleichheit von Männern und Frauen, sondern um gleiche Teilhabe, betont sie. Frauen gründen ihrer Erfahrung nach ganz andere Unternehmen als Männer, die meisten könnten damit gerade so ihre Lebenshaltungskosten decken. Trotzdem verwirklichen viele mit dem eigenen Unternehmen auch einen langgehegten Traum oder erhalten eine neue Perspektive: Eine Tänzerin, die aus Mexiko stammt, hier aber keine Engagements mehr bekam, weil sie mit Mitte 30 bereits zu alt dafür war, eröffnete mit Unterstützung des Vereins eine Tanzschule für Kinder. Eine Architektin, rundum unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen, ist heute Beraterin für die gute Gestaltung von Arbeitsplätzen. Eine Friseurmeisterin, die wegen Rückenschmerzen nicht mehr täglich im Salon stehen kann, hat nun eine Anstellung als Trainerin für junge Friseure gefunden. Eine andere Frau entfaltete durch die Unterstützung des Vereins ihre kreative Seite und entwirft nun Kinderkleidung mit individuell zu bestückenden Fenster-Taschen, die sie bereits als Patent angemeldet hat. Eine arbeitslose Künstlerin eröffnete ein Kunstcafé.

          Ob der eigene Hundesalon oder das Delikatessengeschäft für besondere Aufstriche, die Erfolgsgeschichten, die die Vereinsvorsitzende erzählen kann, sind lang. Nun arbeitet sie bereits zwei junge Geschäftsführerinnen als Nachfolgerinnen ein, die ihr ein wenig Entlastung bringen sollen. Denn auch sie hat einen Traum: ein Jahr Auszeit, um wieder mehr zu reisen und vielleicht mit völlig neuen Ideen wieder zurückzukommen.

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