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Christ und Muslim im Interview : „So treibt man verdienstvolle Muslime ins innere Exil“

  • -Aktualisiert am

Als Gefängnis-Imam suspendiert: Abdassamad El Yazidi Bild: Cornelia Sick

Vor kurzem wurde der Darmstädter Gefängnis-Imam Abdassamad El Yazidi suspendiert. Im Doppelinterview mit dem Islambeauftragten des Bistums Limburg wundert er sich über die Umstände.

          Herr El Yazidi, wie haben Sie davon erfahren, dass das hessische Justizministerium mit Ihnen als muslimischem Seelsorger im Gefängnis die Zusammenarbeit beendet?

          Abdassamad El Yazidi: Mich hat vor etwa zwei Wochen ein Ministeriumsmitarbeiter angerufen und mitgeteilt, dass ich meine Arbeit in der Vollzugsanstalt Darmstadt vorerst ruhen lassen müsse. In der vergangenen Woche erhielt ich erneut einen Anruf, mit dem ich darüber informiert wurde, dass die Zusammenarbeit gänzlich aufgekündigt werde. Dass ich mit islamistischem Extremismus in Verbindung gebracht werde, das nimmt mich sehr mit. Das ist eine sehr große Belastung auch für meine Familie. Wenn man einmal in Verruf geraten ist, dann ist es sehr schwer, einen schlechten Ruf loszuwerden.

          Sind Ihnen in diesem Telefonat die genauen Gründe fürs Aufkündigen der Zusammenarbeit genannt worden?

          El Yazidi: Nein. Mir ist lediglich mitgeteilt worden, dass es mit der Neubewertung des Deutsch-Islamischen Vereinsverbands (DIV) durch den hessischen Verfassungsschutz zusammenhängt.

          Was hat es damit auf sich?

          El Yazidi: Der Verfassungsschutz stuft den DIV als extremistisch beeinflusst ein; das wiederum hängt damit zusammen, dass nach Erkenntnissen der Behörde eines der 46 DIV-Mitglieder, das im Frankfurter Ostend ansässige Europäische Institut für Humanwissenschaften, dem islamistischen Netzwerk der Muslimbrüder angehören soll. Bis vor drei Jahren war ich Vorsitzender des DIV. Nunmehr bin ich Vorsitzender des hessischen Landesverbands des Zentralrats der Muslime (ZMD). Der DIV ist ein Mitglied des ZMD-Landesverbands - insofern habe ich weiterhin Kontakte zum DIV.

          Joachim Valentin: Herr El Yazidi, es hat mit Ihnen niemand vom Justizministerium zuvor ein Gespräch geführt und Ihnen nicht die Möglichkeit gegeben, sich zu dem Vorgang zu äußern?

          El Yazidi: Nein, ich bin lediglich telefonisch über den Abbruch der Kooperation in Kenntnis gesetzt worden.

          Herr Valentin, wie bewerten Sie die Vorgehensweise des Justizministeriums?

          Valentin: Ich bedauere es sehr, dass die Brücken zwischen Staat und muslimischen Verbänden immer mehr abgebrochen werden. Wenn die Landesregierung den Honorarvertrag mit einem als Dialogpartner geschätzten Verbandsvertreter kündigt, ohne mit ihm zuvor ein Gespräch über die Anschuldigungen zu führen, dann ist das schwer nachvollziehbar.

          Islambeauftragter des Bistums Limburg: Joachim Valentin, Direktor vom Haus am Dom

          Der Vertrag ist ja nicht aus heiterem Himmel aufgekündigt worden...

          Valentin: Dass der hessische Verfassungsschutz Sorge für die Sicherheit im Rhein-Main-Gebiet trägt, das ist das eine. Gerade nach dem Vorfall in Chemnitz ist das einmal mehr nachvollziehbar, und dieser Sorge kann gar nicht widersprochen werden. Aber es gibt auch noch eine andere Realität, der man gerecht werden muss: nämlich, wie man Muslime in Deutschland generell einschätzt und als Teil unserer Gesellschaft respektvoll behandelt. Es wird leider nicht hinreichend differenziert zwischen orthodoxem Islam, Radikalismus, Extremismus und Terrorgefahr. Wenn der Staat fließende Übergänge wahrnimmt zwischen konservativen Muslimen und denen, die Gewalt anwenden wollen oder gegen die freiheitlich-demokratische Ordnung agieren, dann erweist man meiner Ansicht nach auch der Sicherheitslage einen Bärendienst.

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