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Christ und Muslim im Interview : „So treibt man verdienstvolle Muslime ins innere Exil“

  • -Aktualisiert am

Valentin: Weil man verdienstvolle, ehrenamtlich oder hauptamtlich arbeitende Muslime, wie eben auch Herrn Yazidi, ins innere Exil treibt. Diese Menschen sagen zu Recht, dass sie sich für den Dialog, in der Gefängnisseelsorge und Salafismus-Prävention engagieren und nicht verstehen, warum sie trotzdem des Extremismus verdächtigt werden. Wenn muslimische Verbände und einzelne Personen aus den Gemeinden von staatlicher Seite ohne Angabe von Gründen und klaren Verdachtsmomenten zurückgestoßen werden, und das Aufkündigen der Zusammenarbeit dann auch noch unprofessionell kommuniziert wird, dann treibt man die gut integrierten Muslime ins Getto und in eine Frustration hinein. Das ist kontraproduktiv und demotivierend.

Was wäre denn die sinnvollere Vorgehensweise?

Valentin: Wenn der Verfassungsschutz sein Wissen, das er über einzelne gewaltbereite und zu Gewalt aufrufende Prediger und Personen hat, so kommuniziert, dass sich die muslimischen Vereine und Verbände mit diesen Personen auseinandersetzen können. Ich habe immer wieder in Gesprächen die Bereitschaft der muslimischen Verbandsvertreter wahrgenommen, sich in einen intensiveren Austausch mit den Sicherheitsbehörden zu begeben. Es bedarf der soliden und belastbaren Informationen, damit einzelne Gemeinden, Vereine und Verbände sich auf die gefährlichen Prediger nicht einlassen.

El Yazidi: Über bestimmte Personen und Organisationen weiß der Verfassungsschutz mehr als wir. Und was viele nicht wissen: Der größte Teil von uns, wie ich auch, arbeiten ehrenamtlich in den Verbänden und verfügen nicht über die Kapazitäten und Kompetenzen. Es würde uns helfen, wenn es eine stärkere Zusammenarbeit mit den Verbänden gäbe. Abgesehen davon: Ich halte es aber auch nicht für die richtige Strategie, die Kontakte zu den Vereinen, die als extremistisch beeinflusst eingeschätzt werden, gänzlich abzubrechen. Wie wollen wir denn die Menschen, die diese Vereine frequentieren, auf unsere Seite bringen, wenn wir uns von ihnen abwenden?

Valentin: Dass der Verfassungsschutz keine Informationen über Einzeltäter gibt, die er beobachtet, das ist klar; dass aber aufgrund seiner öffentlich nicht belegbaren Informationen benachbarte Ministerien weitreichende Vertragskündigungen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren veranlassen - und dies ohne Gespräche mit den Betroffenen -, das widerspricht nicht nur gutem Stil, sondern zerstört Vertrauen. Die zuständigen Ministerien sollten enger mit ihren Partnern vor Ort zusammenarbeiten, dauerhaft mit den muslimischen Gemeinden kooperieren. Wir brauchen ein neues Verfahren, nach dem die Kooperation zwischen Staat und muslimischen Organisationen funktioniert.

Herr El Yazidi, Sie sind kaufmännischer Angestellter und arbeiten in Ihrem Beruf. Wie kamen Sie auf die Idee, als muslimischer Seelsorger im Gefängnis tätig zu werden? Das sind doch sehr voneinander abweichende Tätigkeiten.

El Yazidi: Ich wollte mich intensiver mit der Gefängnisseelsorge auseinandersetzen und Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln. Der Zentralrat der Muslime Deutschland (ZMD) möchte sich als Partner der Justizministerien in der Gefängnisseelsorge etablieren. Um als Religionsgemeinschaft ein nachhaltiges Angebot zu entwickeln, wollte ich als Verbandsfunktionär mehr Einblick bekommen. Wir möchten Imame, die gut Deutsch sprechen und der Situation in den Gefängnissen gerecht werden können, für die muslimische Seelsorge qualifizieren. Mit dem Ministerium war vereinbart, dass ich Erfahrungen sammele, damit der ZMD eine nachhaltige religiöse Betreuung muslimischer Gefangener etablieren kann. Meine Tätigkeit in der Haftanstalt hatte ich selbst zeitlich auf ein Jahr begrenzt.

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