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Baumaßnahmen sollen helfen : Kritik an Psychiatrien reißt nicht ab

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Nach kritischen Berichten über die Zustände der Psychiatrie in Höchst weitet sich Kritik auf andere Kliniken aus. Bild: Lukas Kreibig

Die Arbeit in der Akutpsychiatrie bringt Mitarbeiter an ihre Grenzen. Sind überfüllte Stationen und Zwangsmaßnahmen zeitweise unvermeidlich oder sind ein Zeichen von Fehlplanung? Damit muss sich jetzt auch die Politik befassen.

          Nach Berichten über Missstände auch in der Akutpsychiatrie des Frankfurter Universitätsklinikums haben Sozial- und Wissenschaftsministerium Abhilfe versprochen. Es sei „unstrittig“, dass das Gebäude nicht mehr zeitgemäß und dadurch auch schwer instand zu halten sei, sagte Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) am Montag in Wiesbaden. Die Psychiatrie soll „so bald wie möglich saniert und erweitert werden“.

          „Nicht bestätigen“ wollte Sozialminister Kai Klose (Grüne), dass Patienten dort „nicht ordnungsgemäß untergebracht und behandelt werden“. Ausgelöst durch einen Bericht des Hessischen Rundfunks habe man ein „fachaufsichtliches Gespräch“ mit der Klinikleitung geführt, in dem die meisten Punkte ausgeräumt worden seien. Klose warnte davor zu unterstellen, dass es in allen psychiatrischen Kliniken Missstände gebe.

          Am Montag beschäftigte sich der Sozialausschuss des Landtags auf Antrag der Linken mit den Vorwürfen. Auch die Psychiatrie des Klinikums Frankfurt-Höchst war nach einem TV-Beitrag in die Kritik geraten. Für die Linke sind beide Fälle „symptomatisch für die immer wiederkehrende Kritik an Arbeitsbedingungen und Behandlungssituationen in vielen stationären Einrichtungen.“

          Marode Gebäude

          Der hr hatte unter Berufung auf Mitarbeiter über Überbelegung und marode Gebäude berichtet. Überlastungsanzeigen und Beschwerdebriefen werde nicht nachgegangen, Patienten würden fixiert, zum Teil durch nicht ausreichend ausgebildete Leiharbeiter.

          „Erste Überprüfungen“ hätten das nicht bestätigt, sagte Klose. Zeitweise Überbelegungen seien in Akutstationen nicht zu vermeiden, „und das ist auch gut so, denn die Alternative wäre, Patienten abzuweisen.“ Die Frankfurter Psychiatrie sei Anfang 2019 überbelegt gewesen, aktuell sei sie es nicht und auch hessenweit gebe es keine dauerhafte Überbelegung. Fixierungen würden „fast ausschließlich von examinierten Pflegepersonen wahrgenommen“.

          „Psychiatriecampus“ geplant

          Auf dem Gelände der Uniklinik ist ein „Psychiatriecampus“ geplant, der laut Dorn „bei der Projektierung neuer Maßnahmen die höchste Priorität genießt“. Es geht um die Sanierung der alten Gebäude und einen Erweiterungs-Neubau für insgesamt 140 Millionen Euro. Frühester Baubeginn des ersten Bauabschnitts ist 2022. Zum Abfedern von Belegungsspitzen sollen bis dahin Räume eines anderen Gebäudes auf dem Campus mitgenutzt werden.

          Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge steigt die Zahl der Menschen, die sich in Hessen in stationäre psychiatrische Behandlung begeben, kontinuierlich an. Zwischen 2000 und 2017 sei die Zahl laut Hessen Agentur von gut 47.000 auf knapp 58.000 gestiegen, private Kliniken nicht eingerechnet.

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