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Umbau des Hauptbahnhofs : „Hier beginnt etwas Großes“

Offen und lichtdurchflutet: Der Frankfurter Hauptbahnhof soll einladender werden. Bild: Simulation Deutsche Bahn

„Die 500.000 Reisenden sollen sich hier wohlfühlen“: Ronald Pofalla verspricht als Vorstand der Deutschen Bahn ein neues Wohlfühlklima am Frankfurter Hauptbahnhof. Nach Leipziger Vorbild soll die Stadt ein neues Entrée erhalten.

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          Nicht nur die 500.000 Reisenden, die in Vor-Corona-Zeiten täglich den Hauptbahnhof passiert haben und von denen viele in die U- und S-Bahnen im Tiefgeschoss umgestiegen sind, wissen aus leidvoller Erfahrung, dass die 1978 eröffnete B-Ebene unter dem Hauptbahnhof und dessen Vorplatz gewaltig in die Jahre gekommen ist. „Sie lädt wahrlich nicht zum Verweilen ein“, gestand am Montag auch Ronald Pofalla ein, Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn und für die Infrastruktur und damit auch für einen der größten Bahnhöfe Deutschlands zuständig.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch jetzt soll alles anders werden: Der Bund, die Deutsche Bahn, die Stadt Frankfurt und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt stellen zusammen 375 Millionen Euro zu Verfügung – der größte Teil kommt dabei vom Bund –, um in den nächsten acht Jahren die B-Ebene und die Empfangshalle des Bahnhofs vollständig umzugestalten. „Da bleibt sprichwörtlich kein Stein auf dem anderen“, sagte Pofalla. Ziel sei es, den Hauptbahnhof, eine der „größten Mobilitätsdrehscheiben Deutschlands“, so zu gestalten, dass sich Reisende wohl fühlten, gerne in den Bahnhof und in die B-Ebene gingen. „Wir wollen den Hauptbahnhof, dieses internationale Drehkreuz, das zudem das Tor zur Metropole Frankfurt ist, zukunftsfähig machen.“

          Offener, heller und freundlicher soll alles werden. Deshalb gibt es zum Beispiel ein neues Beleuchtungskonzept, das aus Anlass des symbolischen Spatenstichs am Montag schon in einem Raum der B-Ebene präsentiert wurde. Außerdem soll die 18000 Quadratmeter große Fläche unter dem Bahnhofsvorplatz offener gestaltet werden, es soll mehr Orientierungshilfen für Passanten und vor allem mehr Gastronomie und Geschäfte geben, möglicherweise sogar einige Büros. Vor allem aber soll es künftig möglich sein, direkt von der Ebene des S-Bahnhofs in die B-Ebene zu gelangen. Bisher müssen die Fahrgäste den Tiefbahnhof über Treppen verlassen.

          „Wir wollen, dass dieser Ort seinen Schrecken verliert“

          Am Ende will die Deutsche Bahn auch 70neue Geschäfte im Hauptbahnhof präsentieren – denn in einem zweiten Schritt soll nach dem Umbau der B-Ebene das Tiefgeschoss bis in die Empfangshalle des Bahnhofs vorgezogen werden. Dazu soll der Boden der Halle geöffnet werden und eine Art „Lichthof“ entstehen. Der Zugang zur B-Ebene soll auf diese Weise erleichtert werden. „Wir orientieren uns an den Hauptbahnhöfen in Berlin, Leipzig oder Düsseldorf“, sagte Pofalla, der wegen der Pandemie per Video aus Berlin zugeschaltet war – wo das Einkaufen im Hauptbahnhof längst fester Bestandteil der Bahnhofskultur ist.

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          Mit dem Umbau „beginnt etwas Großes für Rhein-Main, Hessen und Deutschland“, sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) und nannte den mit dem symbolischen Spatenstich verbundenen Startschuss für die Umgestaltung der B-Ebene eine der für „Jahrzehnte wirksamsten Entscheidungen der Deutschen Bahn“. Der Hauptbahnhof spiele als Eisenbahnknotenpunkt eine zentrale Rolle für Deutschland. „Wir wissen, dass ein Teil der bundesweiten Verspätungen hier entsteht“, sagte der Minister. Der Bahnhof und der Schienenverkehr insgesamt seien auch „Rückgrat für den Nahverkehr“ und „existentiell für die Aufrechterhaltung der Mobilität in der Region“.

          Auch Al-Wazir machte deutlich, dass die B-Ebene bisher kein Ort sei, an dem man sich gerne aufhalte. Als Verteilerebene der Passantenströme sei sie jedoch unverzichtbar. „Wir wollen, dass dieser Ort seinen Schrecken verliert.“ Die bisherige „Unübersichtlichkeit“ und die „Angsträume“ müssten verschwinden, fügte Al-Wazir hinzu. Der 1888 eröffnete Hauptbahnhof und die B-Ebene sollten sich künftig so präsentieren, wie es diesem traditionsreichen Ort gebühre.

          Herausforderung für Pendler

          Die angekündigte Investition von 345 Millionen Euro – 30 Millionen Euro sind bereits in eine neue Sprinkler- und Belüftungsanlage sowie in ein neues IT-Zentrum geflossen – wertet Al-Wazir als ein „riesiges Konjunkturprogramm“, das auch helfe, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu lindern. Es sei gut, dass die Deutsche Bahn „genau jetzt investiert“. Der Minister verwies allerdings auch darauf, dass ein so großes Umbauvorhaben für Passanten, Pendler und Reisende eine Herausforderung darstelle. „Alle werden mehr Geduld brauchen, so ist das mit großen Baustellen.“

          „Auf diesen Startschuss zum Umbau der B-Ebene haben unsere Fahrgäste schon lange, lange gewartet“, sagte Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). In den vergangenen zehn Jahren sei viel darüber gesprochen worden, was man tun müsse, könne und wolle. Es werde sicher auch weiter geplant, doch bei der B-Ebene sei man jetzt endlich beim Bauen angelangt. „Das ist ein toller Tag für die Mobilität in Frankfurt und Rhein-Main.“ Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), ebenfalls nur per Videobotschaft beim symbolischen Spatenstich präsent, wertete den Umbau der B-Ebene als „starkes Zeichen für Frankfurt und für unsere Verkehrswende“.

          Mit dem Umbau der B-Ebene kommt nun möglicherweise auch Bewegung in die Pläne der Stadt, den Bahnhofsvorplatz selbst neu zu gestalten. 2008 hatte es dazu schon einen Architektenwettbewerb gegeben. Ob dessen Ergebnisse nach 2024, wenn die Deutsche Bahn ihre Arbeiten in den Bahnhof verlegt und damit der Vorplatz nicht länger für Material und Baustellenfahrzeuge genutzt wird, noch zum Tragen kommen, ist wegen der sich abzeichnenden Verkehrswende allerdings nicht klar: Die städtische Nahverkehrsgesellschaft Traffiq sucht seit September nach geeigneten Planern, die bei der Neugestaltung des Vorplatzes auch berücksichtigen, dass die Straßenbahnhaltestelle künftig vier statt zwei Gleise haben soll. Gleichzeitig sollen die Haltestellen für die Stadtbusse entfallen, die Fahrzeuge sollen künftig die der Straßenbahnen mitnutzen. Das Verkehrsdezernat hofft, rechtzeitig bis zum Jahr 2024 oder 2025, wenn die Bahn die B-Ebene unter dem Vorplatz modernisiert hat, mit dieser neuen Planung fertig zu sein und seinerseits mit dem Umbau des Vorplatzes zu beginnen.

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