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Der Wolf in der Großstadt : Frankfurt sehen und sterben

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Toter Wolf in Frankfurt: Eine Straßenüberquerung wurde dem Tier zum Verhängnis. Bild: dpa

Im Frankfurter Stadtwald ist ein Wolf von einem Auto überfahren worden. Für die ansässigen Spaziergänger ist das eine traurige Botschaft.

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          Abdu hat sein Klappfahrrad auf der Fuchsplattschneise im Stadtwald abgestellt. Der Regen hat den Boden aufgeweicht. Von der Babenhäuser Landstraße, die parallel zu dem Weg verläuft, sind vorbeifahrende Autos zu hören. Am Dienstag ist dort ein Tier von einem Wagen erfasst und getötet worden. Inzwischen steht fest: Es handelte sich um einen Wolf.

          Abdu hält seinen Hund, einen American Staffordshire Terrier, mit der linken Hand am Geschirr fest, in der rechten hält er eine Getränkedose und eine brennende Zigarette. Schon lange führe er sein eineinhalb Jahre altes Tier hier radelnd Gassi, sagt er. Die Nachricht, dass ein Wolf hier im Wald gewesen sei, überrascht den Achtundzwanzigjährigen. Er sei jedoch nicht besorgt, gibt er zu verstehen. Ein Wolf im Stadtwald? „Wäre doch super hier“, sagt er. Angst mache ihm so ein Tier nicht, auch habe er keine um seinen Vierbeiner. Schließlich seien Wölfe ja sehr scheu. „Die ganzen Giftköder hier machen mir viel mehr Angst als so ein Wolf.“

          Gemischte Gefühle

          Etwas tiefer im Wald führt Christine ihre beiden Hunde aus, einen großen Mischling und eine wesentlich kleinere Chihuahua-Terrier-Mischung. Die Tiere laufen frei herum. Schon seit langem führe sie ihre Hunde hier aus, sagt sie. Eine Freundin, die ebenfalls einen Hund hat, sei am Vortag Zeugin des Unfalls mit dem Wolf geworden. Sie habe sie dann per Whatsapp informiert. Das Bild des toten Wolfs im Internet hat die 60 Jahre alte Frau traurig gemacht. „Ich konnte da gar nicht hinsehen“, sagt sie und senkt den Blick.

          Die Vorstellung, dass es hier Wölfe gibt, weckt in ihr gemischte Gefühle. Einerseits freue sie sich, andererseits wäre es auch ein Eingriff in die eigene Komfortzone, wenn der Wolf zurückkäme. „Der Wolf gehört zur Natur wie der Fuchs“, sagt sie. Ihre Gewohnheiten würde sie aber niemals ändern, auch nicht – oder gerade nicht – wegen ihrer beiden Hunde. Schließlich könne immer etwas passieren. Ehe sie ihren Hunden die Bewegung in der freien Natur nehme, die die Tiere so ausgeglichen mache, werde sie das Risiko eingehen. „Ein Wolf macht noch kein Rudel.“

          Es beginnt zu regnen, der Regen wird zu Graupeln. Das schreckt die Freundinnen Marion Bestling und Andrea Beyer jedoch nicht ab. Beide sind mit ihren Hunden in den Stadtwald gekommen. Bestling, 70 Jahre alt, hat Mitleid mit dem toten Wolf. „Es ist traurig für das Tier“, sagt sie. Beide Frauen denken nicht daran, ihre Gewohnheiten zu ändern. Ihre Hunde wollen sie weiterhin hier ausführen. Angst mache ihr der Gedanke an einen Wolf nicht, lässt Beyer wissen. „Außerdem habe ich Spray“, sagt die Vierundfünzigjährige und zieht eine Dose Pfefferspray aus der Tasche. „Es gibt hier ja auch gefährliche Zweibeiner. Da muss man gewappnet sein.“

          Sie könne allerdings nicht verstehen, wie der Wolf in den Stadtwald habe kommen können, fügt Beyer hinzu. Dann erzählt sie von dem Gerücht, er sei aus Offenbach hergekommen. „Der wollte nicht in Offenbach leben, sondern in Frankfurt sterben.“

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