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Kredit für Studenten : 6000 Euro zum Zinssatz von null Prozent

Kostbare Ausbildung: Das Studentenleben kann viele junge Menschen an die finanzielle Grenzen bringen. Bild: Picture-Alliance

Ein Studium scheitert oft an einer fehlenden Finanzierung. Das Frankfurter Studentenwerk unterstützt bedürftige Hochschüler – notfalls auch mit Krediten.

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          Wenn die nahende Prüfung keine Zeit mehr fürs Jobben lässt oder eine schwere Krankheit der Mutter den Geldfluss aus dem Elternhaus versiegen lässt, kann sich ein Besuch beim Studentenwerk Frankfurt lohnen. Dort bekommt ein Hochschüler in schwieriger Lage nicht nur guten Rat, sondern unter Umständen auch einen günstigen Kredit: Bis zu 6000 Euro kann sich ein Bedürftiger zum Zinssatz von null Prozent leihen. Von der gewählten Darlehenssumme wird ein Verwaltungskosten-Abschlag von fünf Prozent einbehalten. Die Rückzahlung in Raten von monatlich mindestens 150 Euro beginnt regulär ein Jahr nach Überweisung des letzten Darlehensteils, sie kann aber auch zinslos bis zum Ablauf der Regelstudienzeit aufgeschoben werden.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Angebot gibt es schon länger, aber erst jetzt hat das Studentenwerk begonnen, dafür zu werben. Nach Worten seines stellvertretenden Geschäftsführers Johannes Tiebel liegt das daran, dass inzwischen eine Kooperation mit der nordrhein-westfälischen Darlehenskasse der Studierendenwerke (Daka) in Köln aufgebaut und von der Bankenaufsicht genehmigt wurde. Bis vor fünf Jahren habe es auch in Hessen eine solche Darlehenskasse gegeben; sie sei dann aber abgewickelt worden. Die Daka sehe die Zusammenarbeit mit Frankfurt als Pilotprojekt; eventuell könnten später weitere Studentenwerke solche Darlehen vermitteln.

          Die Kölner Darlehenskasse ist bundesweit die größte Einrichtung ihrer Art. Verglichen mit dem Marktführer bei Studienkrediten, der staatlichen KfW-Bankengruppe, ist ihr Anteil an den vergebenen Darlehen aber bescheiden. Wie aus dem jüngsten „Studienkredit-Test“ des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervorgeht, bekamen im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 84.000 Studenten Geld von der KfW; die Daka unterstützte hingegen nur 750. Dafür erhielt das Angebot aus Köln in vier von fünf Kategorien des CHE-Tests Bestnoten, der KfW-Kredit lediglich in zweien.

          Gibt es andere Förderungen?

          Im Auftrag des Frankfurter Studentenwerks, das auch für Hochschulen in Offenbach, Wiesbaden, Rüsselsheim und Geisenheim zuständig ist, werden nach Tiebels Angaben zurzeit etwa 80 Studenten von der Daka gefördert. Die meisten von ihnen leihen sich den höchstmöglichen Betrag von 6000 Euro. Von der KfW kann ein Hochschüler bis zu 54.600 Euro bekommen, allerdings zu einem effektiven Jahreszins von 4,21 Prozent. Tiebel findet das „relativ teuer“; das Studentenwerk empfehle dieses Angebot in seinen Beratungen deshalb nur ungern.

          Aber auch das Daka-Darlehen wird nach Darstellung des Vize-Geschäftsführers nicht gleich jedem offeriert, der wegen Geldproblemen Hilfe sucht. „Zuerst wird immer geprüft: Geht was mit Bafög?“ Auch wenn die staatliche Ausbildungsförderung oft nicht genüge, sei sie doch immer noch der „primäre Finanzierungsweg“. Außerdem lohne es sich zu prüfen, ob der Student für ein Stipendium in Frage komme. Manche Schwierigkeiten ließen sich auch durch psychosoziale Beratung überwinden. Erst wenn all das nicht ausreiche oder wenn keine Aussicht auf Unterstützung bestehe, empfehle es sich, über ein Studiendarlehen nachzudenken.

          Um den Daka-Kredit zu bekommen, muss der Student darlegen, dass er das Geld für seinen Lebensunterhalt braucht. Schwieriger, als dies glaubhaft zu machen, ist es für etliche Antragsteller, den vom Studentenwerk geforderten Bürgen zu benennen. Als solcher kommt laut Tiebel nur in Frage, wer einen Wohnsitz in Deutschland hat. Das kann gerade für ausländische Studenten zum Problem werden, weil sie keine Verwandten in der Heimat als Ersatzschuldner für den Fall des Zahlungsausfalls angeben können. Nach Tiebels Worten findet sich aber auch in solchen Fällen oft eine Lösung: Manchmal seien sogar Professoren bereit, für ihre Studenten zu bürgen.

          Der Kredit

          Informationen zum Daka-Darlehen gibt es unter www.studentenwerkfrankfurt.de, Stichwort „Bafög und Finanzierung“. Die Untersuchung des Centrums für Hochschulentwicklung ist im Internet unter „CHE-Studienkredittest 2018“ zu finden.

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