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Automobilausstellung : So haben die Frankfurter sich um die IAA beworben

Was wird aus der IAA? Dieses Jahr kamen deutlich weniger Besucher auf die Automesse. Bild: Lucas Bäuml

Nach ihrem Auftritt bei den Autoherstellern geben sich die Frankfurter optimistisch. Sie hatten auch einiges zu bieten. Den bekanntesten Fürsprecher hatten aber andere.

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          Die hessische IAA-Delegation war sicher nicht ausgeschlafen. Bis nach Mitternacht hatten sie in der hessischen Landesvertretung nahe dem Brandenburger Tor in Berlin ihren gut einstündigen Aufritt geprobt, zum insgesamt dritten Mal. Doch schon um 8 Uhr wurden sie im Büro des Verbands der Automobilindustrie hinter der Friedrichstraße erwartet.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als die Repräsentanten nach Präsentation und anschließender halbstündiger Fragerunde durch waren, gaben die Teilnehmer sich optimistisch. „Wir waren gut drauf“, erzählte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) später. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) befand: „Die Mühe hat sich gelohnt. Der Zündfunke ist übergesprungen.“ Und der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) meinte: „Wir waren wirklich gut.“

          Berlin kommt mit Klinsmann

          Allerdings waren vergleichbare Aussagen auch von den Wirtschaftsdezernernen und Messechefs der anderen sechs Bewerberstädte nach ihren jeweiligen Auftritten zu hören. Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Stuttgart und München rechnen sich ebenfalls Chancen aus, fortan die Internationale Automobilausstellung auszurichten. Die hatte in Frankfurt auch mit einem Rekordtief bei 560 000 Besuchern noch immer mehr Tickets verkauft als jede andere Publikumsmesse in Deutschland. 5000 Arbeitsplätze könnten durch sie in Berlin entstehen, glaubt etwa die dortige Landesregierung.

          Die Bundeshauptstadt hatte von allen Delegationen den bekanntesten Fürsprecher vorzuweisen: Jürgen Klinsmann, früherer deutscher Fußball-Nationalspieler und heute Trainer von Hertha BSC. Er sei der einzige gewesen, den man dem Herstellerverband nicht hätte vorstellen müssen, scherzten die Berliner später. Dass für den Fußballstar Platz war, ergab sich allerdings aus einem wenig werbewirksamen Makel: Wirtschaftssenatorin Ramona Pop verweigerte die Teilnahme an dem Bewerbungsgespräch, weil ihre Partei, die in Berlin mitregierenden Grünen, die Automesse strikt ablehnen.

          Geht Neubeginn am alten Standort?

          Von solcher Zerrissenheit soll bei den Hessen nichts zu spüren gewesen sein. Oberbürgermeister Feldmann verwies darauf, dass die Repräsentanten aus drei Parteien kämen. „Wir haben ein sehr geschlossenes Bild abgegeben.“

          Entscheidend ist für die Hersteller unter anderem, wie es in den Städten gelingt, dass die Schau auch außerhalb der Messehallen besser wahrgenommen wird– die Auftritte kosten die Unternehmen schnell zweistellige Millionenbeträge, namhafte Marken hatten darum zuletzt abgesagt. Fraglich ist aber auch, wie wichtig es den Herstellern ist, für die IAA ein Zeichen des Wandels zu setzen – etwa durch einen neuen Standort.

          Frankfurt, so das Argument der Hessen, sei auch für einen Neubeginn der Messe der richtige Ort, weil man am alten Standort gerade durch den Unterschied zu früheren Messen das Neue gut herausstellen könne.

          250.000 Euro für Bewerbung

          Wirtschaftsminister Al-Wazir erzählte, dass er die Jury – das Verbandspräsidium und die Marketingchefs der Hersteller – auf bestehende Mobilitätskonzepte in Hessen aufmerksam machte, die dem entsprächen, was sich der Herstellerverband wünsche. Messe-Chef Uwe Behm wies darauf hin, dass sich das Messegelände in Zentrumsnähe befinde – im Gegensatz zu anderen Bewerberstädten. Für zentrale Veranstaltungen und Teststrecken haben die Frankfurter die Hauptwache, das Mainufer und das Stadion ins Gespräch gebracht.

          250.000 Euro hat sich die Stadt ihre Bewerbung, die von der Marketingagentur Atelier Markgraph umgesetzt wurde, kosten lassen. Ob das gereicht hat, wird sich bis Ende Januar zeigen. Dann will der Verband eine erste Vorauswahl von wohl drei Städten treffen, mit denen er in detailliertere Verhandlungen gehen will. Irgendwann im März soll die endgültige Entscheidung fallen.

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