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Rettungstaucher : Goldbarren und Wasserleichen

  • -Aktualisiert am

Da schau her: Zu den Fundsachen, die Rettungstaucher entdecken, gehören Kuriositäten wie diese Paintball-Variante eines Sturmgewehrs. Bild: Marcus Kaufhold

Üben, üben, üben: Für die Rettungstaucher der Feuerwehr ist Training die halbe Miete. Der schlammige Main bietet wenig Sicht, viel Schiffsverkehr und seltsame Funde.

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          Stefan Predikant, Spitzname „Stevie“, hat es sich am Flörsheimer Mainufer gemütlich gemacht. Im Neoprenanzug, die schweren Sauerstoffflaschen auf dem Rücken, sitzt er auf einem aufblasbaren Sack. Der 39 Jahre alte Bankfachmann für Vermögensberatung lässt versonnen einen Lolli im Mund kreisen und hört sich die regelmäßigen Atemzüge an, die aus einem kleinen, schwarzen Kasten etwas blechern tönen.

          Heike Lattka
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Wenn jetzt die Atemgeräusche stocken oder wenn die Leine, mit der ein Kollege den Kontakt zu dem Mann im Fluss hält, einmal heftig gezogen wird, dann wäre es mit dem Idyll vorbei. Die Lutscher, die zwischen Zähnen und Backen geklemmt sind, weil dies unter den 17 Männern und zwei Frauen der Regieeinheit Rettungstaucher im Katastrophenschutz des Main-Taunus-Kreises beim Üben so Tradition ist, würden vermutlich in hohen Bogen auf die Wiese fliegen.

          Der kurioseste Fund war ein Karabiner

          Doch Taucher Marco Hentze taucht unversehrt auf - in den Händen ein, so wirkt es vom Ufer zumindest, Maschinengewehr, von dem Schlamm und Algenreste in langen Schlieren herunterhängen. Die Vermutung, dass die Truppe für den Fotografen das Kriegsgerät vorab in den Main geworfen haben könnte, erweist sich schnell als unbegründet: Die Rettungstaucher informieren per Handy die Polizei für eine Begutachtung. Die Waffe könnte ein Sturmgewehr oder eine harmlose Soft-Air-Pistole gleichermaßen sein, was eine genaue Überprüfung durch die Fachleute erfordert.

          Es dauert nicht lange, da wirft Hentze, im normalen Leben Chemikant, auch ein iPhone ans Ufer, und nicht wenig später folgt ein Laptop, das so wirkt, als wäre es gestern noch im Einsatz gewesen. Die Bemerkung, „ist ja eine echte Goldgrube, der Main“, wird von Predikant mit einem Kopfnicken quittiert: „Ja, ja, Gold hatte ich auch schon einmal.“ Tatsächlich sei er getaucht und in vier bis fünf Meter Tiefe auf einen Beutel gestoßen, der von einer am Ufer befestigten Angelleine bis in die Mitte des Mains reichte. In dem Sack befanden sich Goldbarren. Das neue Fahrzeug der Rettungstaucher sei allerdings nicht durch den wertvollen Fund finanziert worden - er habe den gefüllten Beutel brav bei der Polizei abgegeben und nie wieder etwas von der Sache gehört. Der kurioseste Fund aber sei ein Karabiner aus dem Ersten Weltkrieg gewesen: Kaum zu glauben, was in dem bis zu fünf Meter tiefen Fluss so alles im Schlamm vergraben liege, berichtet der Taucher.

          130 Tauchgänge im Jahr sind nötig für Rettungstaucher

          Was wie eine harmlose Schatzsucherei im Main wirkt, hat aber einen ernsten Hintergrund: „Rettungstaucher müssen üben, üben, üben“, sagt Predikant. In vier bis fünf Meter Tiefe sei der Taucher allein, sehe gerade einmal 30 Zentimeter weit. Immer wenn ein Frachter die Tauchstelle zu nahe passiere, werde er herumgewirbelt, müsse sein Messer in den Flussgrund rammen, um Halt zu finden. Und es drohe auch immer die Gefahr, dass sich einer der Kollegen in einer Angelleine oder in dem im Main abgeladenen Müll verheddere und Hilfe brauche. „Taucher in Not“ laute dann das Signal, dass zum sofortigen Einsatz eines zweiten Tauchers rufe.

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