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Basketball : „Wir können jetzt befreit aufspielen“

  • -Aktualisiert am

Applaus, Applaus: Den Schwung aus dem Europe Cup will Johannes Voigtmann ins deutsche Viertelfinale mitnehmen. Bild: Jan Huebner

Ihrem Teamgeist haben die Skyliners den Sieg im Europe Cup zu verdanken. Und für Johannes Voigtmann steht fest - so soll es im Playoff-Viertelfinale auch gegen Berlin weitergehen.

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          Sie haben den ersten Titel in Ihrer Karriere gewonnen. Konnten Sie den Erfolg richtig feiern?

          Die Nacht war relativ kurz. Auch wenn in Chalon-sur-Saône nicht so viel los war. Dort haben die Kneipen und Bars relativ früh zugemacht. Wir haben dann im Hotel weitergefeiert. Jetzt schalten wir alle mal für kurze Zeit ab und lassen ein bisschen die Sau raus.

          Wann waren Sie im Bett?

          Das weiß ich gar nicht mehr so genau.

          Ihr Hotelbett war sowieso viel zu klein für Ihre Körperlänge (2,11 Meter).

          Das war mir in diesem Fall völlig egal. Ich hatte ja meine Medaille um den Hals.

          Ihr sonst so beherrschter Trainer Gordon Herbert spritzte in der Kabine mit Champagner herum. Ist er zum Feierbiest geworden?

          Er ist ein kräftiges Feierbiest. Nein, nein, wir haben gespürt, dass ihm eine große Last von den Schultern gefallen ist.

          Wie groß ist sein Anteil am Titel?

          Er ist riesig. Mit seinem Stab hat er es geschafft, ein richtig gutes Team zu formen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dass es so gut laufen würde, war nicht abzusehen. Für Talente ist Frankfurt ein Topausbildungsverein.

          Im Finale gegen Varese aus Italien standen Sie sechs Sekunden vor Spielende beim Stand von 65:62 an der Freiwurflinie. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

          Ich wusste, dass das spielentscheidend sein würde. Dass ich einen machen musste. Mein erster Wurf war dann leider ein bisschen zu lang. Doch der zweite klappte zum Glück. Es war der wichtigste Freiwurf in meiner Karriere.

          Wie nervös waren Sie?

          Natürlich war der Druck größer. Und natürlich ist man ein bisschen angespannter. Aber ich habe versucht, die Bedeutung der Situation wegzudenken. Und wir haben ja alle schon tausend Mal Freiwürfe geworfen.

          In beiden Spielen gegen Krasnojarsk (Russland) und Varese haben sich die Skyliners schwergetan. Im Angriff wollten die Würfe lange nicht fallen. Aber als es darauf ankam, war die Mannschaft plötzlich da.

          Ehrlich gesagt: Im Turnier haben wir offensiv sechs katastrophale Viertel gespielt. Gegen Varese dann mit zehn Punkten Rückstand in das Schlussviertel zu gehen, das war eine große Drucksituation. Aber wir sind einfach ein richtig gutes Team geworden. Wir halten zusammen - egal, welchen Verlauf das Spiel nimmt, und kämpfen bedingungslos füreinander. Und wenn man immer daran glaubt, dann läuft es auch irgendwann. Wir haben ganz viel Herz und Leidenschaft an den Tag gelegt. Unsere gute Verteidigung hat uns ein bisschen den Druck von der Schulter genommen. Quantez Robertson und Jordan Theodore haben dann ganz wichtige Würfe getroffen.

          Verlässt man sich darauf, dass irgendeiner die Verantwortung übernimmt?

          Alle haben gespürt, dass etwas passieren muss. Denn sonst wäre es zu spät gewesen. Zum richtigen Zeitpunkt landeten bei uns dann auch die schweren Würfe im Korb. Wir haben die Italiener genervt und verunsichert.

          Muss nun die deutsche Meisterschaft das Ziel sein?

          Darüber reden wir jetzt nicht. Für einen Moment genießen wir diesen Erfolg, bevor es am kommenden Samstag mit den Playoffs im Viertelfinale gegen Berlin weitergeht.

          Aber der Titel bringt die Mannschaft weiter voran, oder?

          Ein bisschen Druck ist von unseren Schultern herunter. Wir haben unsere Vorgabe im Fiba Europe Cup erfüllt. Jetzt können wir befreit aufspielen.

          Wird der Titel die Konkurrenz beeindrucken?

          Dieser internationale Titel ist für ganz Basketball-Deutschland gut. Er bringt unsere Sportart voran. Von 19 Spielen haben wir nur eins verloren. Das haben die Klubs registriert. Aber sie werden nicht sagen: Frankfurt hat den Übercup gewonnen, wir geben auf. Berlin wird motiviert sein. Und darauf müssen wir vorbereitet sein.

          Robertson, der im Finale mit 15 Punkten Topscorer war, wurde zum wertvollsten Spieler gewählt. Droht er abzuheben?

          Mit Sicherheit, ja. Im Ernst: Das war absolut verdient. Gleichzeitig wissen wir aber, dass der eigentliche MVP des Turniers unsere Verteidigung war.

          Inwieweit steigert der Titel Ihren Marktwert und den der Mannschaft?

          Das interessiert mich null.

          Könnte Sie der Erfolg mit den Skyliners dazu bewegen, noch eine Saison in Frankfurt zu spielen?

          Alles, was dazu zu sagen ist, werde ich nach der Saison mitteilen.

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