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Skulptur vor der DZ Bank : Die „fliegende Krawatte“ wird wetterfest gemacht

  • -Aktualisiert am

Sorgfalt in jeder Falte: Arbeiten an der „fliegenden Krawatte“. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Restaurierung der Skulptur „Inverted Collar and Tie“ vor der DZ Bank stellt besondere Anforderungen an die Restauratoren.

          Ulrich Lang legt Wert auf die korrekte Bezeichnung seines Schaffens. Das ist sein gutes Recht. So sagt Lang irgendwann, als der Fragesteller zum wiederholten Male von Restauration spricht: „In einer Restauration bekommen Sie was zum Essen.“ Richtig heißt es natürlich Restaurierung. Und diese erbringt der Restaurator in behutsamster Handarbeit. „Eigentlich soll niemand merken, dass wir überhaupt da waren“, sagt Lang.

          Sein aktueller Auftrag, die Skulptur „Inverted Collar and Tie“ des Pop-Art-Künstlerehepaares Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen vor dem Westend Tower der DZ Bank, begann mit dem Albtraum eines jeden Restaurators. „Als der Eigentümer uns beauftragte, hatte sich schon der Hausmeister mit einem Hochdruckreiniger am Kunstwerk zu schaffen gemacht“, erzählt Lang. Aber „kärchern“ sei definitiv nicht der richtige Weg, um der zwölf Meter hohen Skulptur den alten Glanz wieder zurückzugeben. „Mit dem Dampfstrahler machen Sie da bloß noch mehr kaputt.“ Dabei lautet die erste Grundregel des Restaurierens: „Dem Kunstwerk darf keine Veränderung zugefügt werden.“

          Flecken und Risse am Kunstwerk

          Anfang vergangener Woche ließen Lang und seine Kollegen ein Gerüst aufstellen, welches sie nun jeden Morgen erklimmen. Doch bereits diese Konstruktion stellte sie vor einige Probleme: „Wir hatten Schwierigkeiten, eine Firma zu finden, die das übernehmen konnte“, erzählt Lang. Zwei Unternehmen sei die ungewöhnliche Form der Skulptur, an die sich das Gerüst anpassen muss, zu kompliziert gewesen. Jetzt, da es aber endlich steht, sollen die Arbeiten schnell gehen: Wenn am Sonntag die Marathonläufer auf der Mainzer Landstraße an der Skulptur vorbeihetzen, muss alles fertig sein.

          An dem Kunstwerk hatten sich Flecken und Risse gebildet. Um diese zu beseitigen, „reinigen wir die Skulptur zunächst, schrubben dann mit einer Alkohollösung den Schutzlack ab und füllen die Risse mit einer besonderen Spachtelmasse aus“, erklärt Lang. Im Grunde sei die Arbeit eine konservatorische Maßnahme. Wenn die Risse beseitigt sind, werden Lang und seine Kollegen eine Wachsschicht auftragen, die im Sommer Temperaturen von bis zu 50 Grad und im Winter von minus 20 Grad aushalten muss. „Das soll ja nun die nächsten zehn Jahre halten“, sagt Lang. Die besonderen Maße der „large scale sculpture“ hatten schon die beiden Künstler bei der Anfertigung im Jahre 1994 vor so manches Problem gestellt. So berichtet der 84 Jahre alte Claes Oldenburg: „Meine Frau wollte etwas, das so aussieht, als würde es gleich umfallen.“ Und so erschufen die beiden die erste Skulptur der Welt aus Fiberglas. Ein anderes Material kam nicht in Frage, weil die Statik eine besondere Flexibilität des Materials erforderte. „Ein anderer Baustoff hätte der Belastung nicht standgehalten“, erklärt Oldenburg. Auch Lang ist sich sicher: „Wenn das Ding aus Beton bestünde, wäre es schon längst zersprungen.“

          Oldenburg wusste nichts von der Restaurierung der „Tie“, lässt aber wissen: „Das ist völlig in Ordnung. Wenn sie nichts machen würden, hätte ich mich beschwert.“ Der ironische Umgang mit der Arbeitskleidung der Banker lässt ihn noch heute lachen: „Sie müssen die Krawatte anziehen, wenn sie das Gebäude betreten, und können sie erst ausziehen, wenn sie es verlassen - sie kann aber auch wegfliegen.“ In diesem Satz steckt wohl alles, was man über die Skulptur wissen muss.

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