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Škoda und Seat : Das ungleiche Geschwisterpaar

Familienbande: Škoda und Seat gehören zwar beide zu VW, verstehen sich aber als Konkurrenten. Bild: Cunitz, Sebastian

In Weiterstadt sitzt in Gestalt von Škoda der erfolgreichste Auto-Importeur hierzulande. Im selben Gebäude unterhält auch die Schwester Seat, die es am Markt schwerer hat, die Deutschland-Zentrale. Die ungleichen VW-Töchter sind auch auf der IAA Nachbarn.

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          Im Fußball lassen die Spanier den Tschechen keine Chance. Auf dem Automarkt sieht es anders aus: Dort sieht Seat von Škoda seit geraumer Zeit nur die Rücklichter. Zumindest gemessen an den Verkaufszahlen in Hessen und andernorts in Deutschland. Allerdings eint die beiden Marken dreierlei: Beide zählen zum Volkswagen-Konzern, sie verzeichnen stetig steigende Absatzzahlen hierzulande, und beide deutschen Landesgesellschaften sitzen in Weiterstadt. Im Mai 2011 haben Seat und Škoda gemeinsam einen Neubau bezogen. Seat saß zuvor in Rüsselsheim und Mörfelden-Waldorf, während Škoda die Deutschland-Zentrale schon seit dem Markteintritt im Jahr 1991 dort unterhielt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Weiterstadt teilen sich beide ein Gebäude in Form eines U. „Das war eine strategische Entscheidung des Konzerns“, sagt eine Seat-Sprecherin dazu. Eine Zentrale spart Kosten, da sich beide Marken die Informationstechnik und die Buchhaltung teilen. Jede Händlerbestellung eines Autos von Seat und Škoda läuft über die Doppel-Zentrale. „Im Wettbewerb stehen wir so oder so miteinander“, heißt es. Dessen ungeachtet wollen beide unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.

          Marktanteil von Škoda steigt leicht

          Wer sich die nackten Daten vornimmt, kommt zu dem Ergebnis: Škoda ist in etwa doppelt so alt und in Deutschland zudem doppelt so groß wie die Schwester von der Iberischen Halbinsel. Die Marke mit dem in strahlendem Grün gehaltenen geflügelten Pfeil beschäftigt in Weiterstadt derzeit 300 Mitarbeiter, Seat 176. Über Deutschlands Straßen rollen rund 1,3Millionen im Inland zugelassene Škoda-Autos, die Spanier bringen es auf mehr als 787.000. Im vergangenen Jahr konnte sich die deutsche Vertretung der tschechischen VW-Tochter über 147000 Neuzulassungen freuen, während Seat auf gut 68.000 kam.

          Der Marktanteil von Škoda liegt derzeit bei etwas mehr als fünf Prozent, nachdem er im vergangenen Jahr noch 4,7 Prozent betragen hatte. Der überschaubare Aufschlag hat eine große Wirkung. Die Tschechen dürfen sich mittlerweile nicht nur Importmarke Nummer eins in Deutschland nennen, sondern auch Importeur Nummer eins. Haben sie doch in diesem Jahr schon mehr Wagen an den Mann und die Frau gebracht als der Zweitplatzierte Renault einschließlich seiner rumänischen Marke Dacia.

          Durchgestylt bis auf den Blinker

          Seat sieht sich immerhin unter den besten zehn, wie eine Sprecherin sagt. Und die Tendenz nach oben soll anhalten: „Wir wollen weiter wachsen.“ Eine genaue Prognose gibt sie nicht. „Die neuen Modelle müssen erst mal auf die Straße gebracht werden“, sagt sie zur Begründung und verweist auf die Aufgaben der Seat-Partner draußen im Land. Auf die Hilfe eines populären Werbepartners muss Seat dabei verzichten: Fußball-Trainer Jürgen Klopp ist zwischenzeitlich zu Opel gewechselt, der Rüsselsheimer Autobauer ist Premiumpartner von Klopps Verein Borussia Dortmund. Seat blickt gern auf die Kooperation mit ihm zurück: „Er hat der Bekanntheit der Marke geholfen.“

          Während der IAA hat der mit dem VW Golf und dem Škoda-Erfolgsauto Octavia verwandte Seat Leon ST, ein Mittelklasse-Kombi, Premiere gefeiert. Kritiker bescheinigen dem Neuling zum Beispiel, er sei durchgestylt bis auf den Blinker. Dieses Lob dürfte dem 1950 gegründeten Autobauer gut gefallen, denn die Marke sieht sich laut Sprecherin selbst als „designorientiert“ und jugendlich – in Barcelona unterhält sie ihr Designcenter. Nicht von ungefähr hat Seat sein Werbemotto von „Auto Emocion“ auf das Kunstwort „Enjoyneering“ umgestellt.

          Ein Cabrio fehlt

          Die Tschechen geben sich weniger verspielt. „Simply clever“ lautet ihr Motto. Wer seinen Käufern suggeriert, sie seien klug, der spricht weniger das Gefühl an als den Kopf. „Wir haben eher rationale Käufer“, sagt denn auch ein Sprecher. Die 1895 ins Leben gerufene Marke Škoda stehe seit jeher für grundsolide Autos ohne Schnickschnack. Dabei sei Škoda aber nicht „der günstige VW“ – obschon wie auch bei Seat Volkswagen-Technik in den Wagen verbaut wird. Denn Herzstücke liefern die Tschechen schon selbst. Die Motoren und Getriebe werden in der Heimat nahe des Stammsitzes Mladá Boleslav nordöstlich von Prag entwickelt. Doch auch in Designfragen denken die nüchternen Tschechen weiter. Dies kann jeder Besucher in Halle3 noch bis diesen Sonntag auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt sehen.

          Die überarbeiteten Modelle Fabia und Octavia wirken deutlich sportlicher als zuvor. In diese Reihe fügt sich der neue Rapid Spaceback ein, ein Kombi der unteren Mittelklasse. Mit dem neuen Erscheinungsbild will die Marke ein jüngeres Publikum ansprechen. Angesichts des Zuspruchs in Halle3, in der auch Seat ausstellt, scheint dies zu gelingen. Mittlerweile deckt Škoda vom Stadtauto Citigo über den kleinen Familien-Van Roomster bis hin zum „Tschechen-Passat“ Superb fast die gesamte Bandbreite ab, die auf den Straßen allgemein zu sehen ist. Der Octavia und der Fabia sind hierzulande, gemessen an den Verkäufen, die Importautos eins und zwei.

          Ein Cabriolet fehlt allerdings, und das ist kein Zufall: Nischenautos will Škoda als sogenannter Volumenhersteller, der sich auf Augenhöhe etwa mit Ford sieht, nicht herstellen. „Wir brauchen Volumen, um die Entwicklungskosten wieder einzuspielen“, heißt es zur Begründung.

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