https://www.faz.net/-gzg-8bil0

Das Verbraucherthema : Mit Bus und Bahn ins Skigebiet

Es ist nicht alles echt, was weiß ist: Auch die Berge in Arosa in der Schweiz sind auf Kunstschnee angewiesen. Bild: dpa

Hessische Skifahrer kommen jetzt auch mit dem Fernbus auf die Piste. Aber das dauert. Die Bahn ist schneller und nicht immer teurer. Ein Preisvergleich vor den Feiertagen.

          Flix auf die Piste, so werben Mein Fernbus und Flixbus, die beiden Fernbus-Pioniere, die sich vor einem Jahr zusammengeschlossen haben und klarer Marktführer sind. Alles in allem 37 Ski-Orte im Allgäu und in Österreich steuern die Flixbus-Busse seit dieser Woche von Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt und Bensheim aus an. An fünf Tagen in der Woche, mittwochs bis sonntags, wurde ein regelmäßiger Linienverkehr eingerichtet.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Busse fahren über Nacht. Alle Verbindungen gehen über den zentralen Omnibusbahnhof in München, von wo aus es, in der Regel mit Partnerunternehmen, frühmorgens weitergeht in die Skigebiete von St. Anton und Kitzbühel, Brixen oder Ellmau. Mit Beginn 23. Dezember werden Sonthofen und Oberstdorf im Allgäu auch direkt von Hessen und Rheinland-Pfalz aus angefahren.

          Günstigere Preise müssen mit längeren Fahrzeiten erkauft werden

          Alternativ können Skifahrer auch eine Fernbus-Fahrt bis München buchen - der Postbus hat eine für 19 Euro ab Frankfurt im Angebot - und am Hauptbahnhof auf den Regionalzug umsteigen. Die Bahn bringt Skifahrer mit dem Ski-Ticket günstig nach Garmisch-Patenkirchen oder direkt zur Zugspitzbahn. Der Skipass ist für 46 oder 52 Euro im Preis des Kombitickets inbegriffen (www.bahn.de/garmischer-ski-ticket).

          Nachts im Bus schlafen und direkt auf die Piste - so stellen sich die Busunternehmer den Ausflug vor. Möglich machen es Haltestellen direkt an den Bergbahnen. Busse sind flexibler als Züge, wenngleich auch viele Bahnhöfe günstig liegen. Skipässe gibt es im Flixbus zu kaufen. Das Paar Ski reist gratis mit. Das klingt gut. Das Angebot dürfte bei jungen Leuten gut ankommen, denen lange Reisezeiten und wenig Schlaf nichts ausmachen.

          Der Vergleich von Verbindungen mit der Bahn und dem Fernbus in vier Skigebiete zeigt jedoch, dass die günstigeren Preise mit viel Geduld bei den Fahrzeiten erkauft werden müssen. Auch fallen die Preisunterschiede nicht so groß aus, wie manch einer vielleicht erwartet hätte - zumindest ist das eine Woche vor Beginn der Feiertage der Fall. Die günstigsten Tickets erwischen in der Regel die Frühbucher. Das zeigt auch die Tabelle auf dieser Seite. Die Verbindungen in der Woche nach Silvester sind durchweg günstiger als in der Woche davor. Und wer jetzt etwa nach eine Oberstdorf-Verbindung für das Fastnachtswochende Anfang Februar schaut, kann die Hinfahrt mit dem Bus bereits für 23 Euro buchen, mit der Bahn sogar für 21,75 Euro.

          Seit der Fernbus-Offensive ist die Bahn mächtig unter Druck

          Drei Mal liegt bei unserem Preisvergleich der Fernbus vorn. Für das Ziel Oberstdorf hat die Bahn das bessere Angebot, selbst dann, wenn Flixbus-Reisende über Nacht fahren und dafür fünf bis zehn Euro weniger zahlen als für die Tagesfahrt. Zudem dauert die Fahrt drei- bis viereinhalb Stunden länger als mit der Bahn. Bei der Berechnung der Bahnpreise wurde eine Bahncard 25 zugrunde gelegt, weil sich damit Sparpreise noch einmal um 25 Prozent reduzieren. Die Anschaffungskosten - der Normalpreis liegt bei 62 Euro (2. Klasse) - haben Bahnfahrer damit schnell wieder drin.

          In Zukunft dürfte es noch spannender werden zwischen dem Schienen- und Busverkehr. Seit der Fernbus-Offensive ist die Bahn mächtig unter Druck. Das Fernbus-Angebot wächst rasant, die Busse jagen dem Schienenriesen viele Kunden ab. Für 2015 weist der Konzern voraussichtlich erstmals seit vielen Jahren einen Verlust aus. Auch mit dem eigenen Busunternehmen IC Bus und Berlin Linienbus kann die Bahn bisher nicht vom Fernbus-Hype profitieren.

          Der günstige Sprit macht Bus und Bahn einen Strich durch die Rechnung

          Wie zu lesen ist, will die Bahn ihr Fernbus-Angebot jetzt deutlich ausbauen. Schluss ist demnächst jedoch mit dem Verkauf billiger Bahn-Fahrkarten über Preisvergleichsportale für Fernbusse und über die Seite des Reiseveranstalters L’Tur. Wie das Branchenmagazin „Touristik aktuell“ berichtet, wird die Bahn den Vertrieb vom nächsten Jahr an einstellen. Die Entscheidung dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Bahn seit der jüngsten Fahrpreisänderung günstige Tickets bis kurz vor Abfahrt eines Zuges zur Verfügung stellt. Aktuell finden Verbraucher auf Portalen wie Busliniensuche.de noch Spartickets der Bahn. So auch ein 29-Euro-Schnäppchen nach Oberstdorf. Günstige Angebote gibt es aber auch auf der regulären Bahnseite. Die Konkurrenz belebt offenbar das Geschäft. Profiteure sind die Verbraucher.

          Aktuell dürfte die Nachfrage jedoch unter dem warmen Wetter leiden. In den Bergen fehlt der Schnee. Die Kanonen arbeiten auf Hochtouren. Doch ist nicht gesagt, dass der Kunstschnee bei den derzeitigen Temperaturen auch liegen bleibt. Bleibt die Hoffnung, dass der Winter noch kommt. Die Fernbus-Pisten-Touren werden jedenfalls bis zum 3. April angeboten (www.flixbus.de/winter).

          Und noch eine Entwicklung könnte für Bus und Bahn das Geschäft mit den Skifahrern erschweren. Sprit an der Tankstelle ist so günstig wie lange nicht. Ein Liter Diesel lag in dieser Woche im Durchschnitt bei knapp über einem Euro, der Liter Benzin Super E10 bei 1,273 Euro. Wunderbare Zeiten also für Autofahrer. Und die Schneeketten können sie vorerst auch im Kofferraum lassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Haltet uns nicht länger hin“ fordern Demonstranten vor der Sitzung des Klimakabinetts in Berlin.

          Klimakabinett : Warmlaufen für den Tag der Entscheidung

          Weil erst in zwei Monaten feststehen soll, wie Deutschland seine Klimaziele einhalten will, vertagt die Regierung Beschlüsse. Bei einem Thema sperrt sich der Wirtschaftsminister besonders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.