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Hafenpark Frankfurt : Skater kämpfen mit uneinsichtigen Eltern

Anspruchsvoll: Die Profi-Anlage im Hafenpark hatten sich die Skater lange gewünscht. Bild: Niklas Grapatin

Kleine Kinder haben schon zwei schwere Unfälle im Frankfurter Hafenpark verursacht. Die Skater-Szene der Stadt läuft Sturm.

          Fast ist Rüdiger Sielaff so weit, sich Kontrollen durch das Ordnungsamt zu wünschen. Dabei entspricht der Ruf nach der Obrigkeit eigentlich nicht dem Stil der Skater-Szene. Doch der erfahrene Skater war am Samstag dabei, als in der Anlage im Hafenpark eine Jugendliche verunglückte. Ein Kleinkind auf einem Roller war ihr in die Quere gekommen. „Die Situation wirkte absolut lebensbedrohlich“, sagt Sielaff. Die Teenagerin sei auf den Kopf gestürzt, habe bewusstlos, von Krämpfen geschüttelt auf dem Beton gelegen. Er selbst leistete Erste Hilfe. Vom Unfallverursacher und seiner Aufsichtsperson keine Spur.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Mein Anliegen ist ein Appell an die Vernunft der Eltern, ihre kleinen, zwangsläufig unerfahrenen Kinder dort nicht einfach fahren zu lassen“, sagt Sielaff. Offiziell ist es ohnehin für Kinder unter acht Jahren verboten, sich in der Skater-Anlage zu bewegen. Denn sie gilt als anspruchsvoll und ist mit ihren Ramps, Pipes und Curbs von der Stadt eigens für routinierte Fahrer errichtet worden. „Das ist eigentlich eine Profi-Anlage“, sagt Sielaff, der selbst seit Jahren im Frankfurter Concrete Skate-Verein organisiert ist.

          Mindestalter von acht Jahren empfohlen

          Ärger um die Nutzung des Skaterparks, der seit 2012 fertig ist, gibt es schon länger. Doch in den vergangenen Monaten hat sich der Konflikt insbesondere zwischen Eltern mit kleineren Kindern und den Skatern verschärft. „Es gab schon handgreifliche Auseinandersetzungen“, sagt Sielaff. Die meisten Eltern zeigten sich absolut uneinsichtig. Ihm selbst sei schon von einem Dreikäsehoch gesagt worden, er dürfe dort fahren, da ja seine Eltern Steuern zahlten.

          Das zuständige Grünflächenamt weiß um die Situation im Hafenpark – und steht auf Seiten der Skater. Im vergangenen Sommer sind deshalb schon Schilder aufgestellt worden. Mit Piktogrammen wird seitdem darauf hingewiesen, dass Laufräder, Roller, Fahrräder im Skaterpark ebenso verboten sind wie Drogen und Hunde. Neu ist damals auch das Nutzungsalter von mindestens acht Jahren angegeben worden. Das sei eine Empfehlung der EU gewesen, hatte Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann zur Begründung angeführt.

          Skaterpark ist kein Kinderspielplatz

          Doch die Situation hat sich seitdem nicht entspannt. Im Dezember ist es zu einer ersten Kollision zwischen einem Kleinkind und einem Skater gekommen, bei dem der Erwachsene sich schwer verletzte, als er dem Roller-Kind auswich.

          Anfang Januar hat das Grünflächenamt dann Verbotsschilder aufgestellt, auf denen es eindeutig heißt, dass die Benutzung der Anlage für Kinder unter acht Jahren verboten ist. Zuwiderhandlungen würden als Ordnungswidrigkeit geahndet. Doch offenbar haben selbst diese Hinweise keine Wirkung gehabt, wie der Unfall vom Wochenende zeigt. Im Grünflächenamt hat man nun umgehend einen Gesprächstermin mit dem Ordnungsamt vereinbart. Es gibt auch Überlegungen, ob man baulich etwas ändern muss. Gedacht wird etwa an einen Zaun, um Kleinkinder von der Anlage fernzuhalten.

          „Es ist doch richtig gefährlich für kleine Kinder“, empört sich eine Mitarbeiterin des Grünflächenamts, selbst Mutter eines vierjährigen Kindes. Sie versteht Eltern nicht, die ihre Sprösslinge sogar unbeaufsichtigt fahren lassen. Schließlich gibt es im Skaterpark, der nicht aus vorgefertigten Elementen besteht, sondern eigens für den Hafenpark aus Beton gegossen wurde, eine Bowl, eine tiefe, steilwandige Schüssel, in der es 3,70 Meter hinabgeht. Es gebe im Hafenpark an anderer Stelle zwei Kinderspielplätze, ergänzt sie, die Skateranlage sei zum Toben nicht vorgesehen. Es sollen dort sogar schon Kindergeburtstage ausgerichtet worden sein.

          „13 Jahre lang auf Skatepark gewartet“

          Im Grünflächenamt verweist man darauf, dass es in der Stadt andernorts sehr wohl Skateranlagen gebe, die auch für Anfänger geeignet seien, etwa im Heinrich-Kraft-Park in Fechenheim, unter der Friedensbrücke in der Nähe des Westhafens, auf dem Schwarzen Platz in der Nordweststadt und auch im Niddapark in der Nähe des großen Spielplatzes. Dort gebe es eine familientaugliche „Street-Anlage“.

          Nur zu gut erinnert man sich im Amt daran, wie die Skater, die heute im Hafenpark sind, jahrelang um einen richtigen, professionellen Skaterpark gekämpft haben. Als dann das Gelände am Fuß der Europäischen Zentralbank, direkt neben einer Eisenbahnbrücke überraschend zu einer Grünanlage werden sollte, waren sich Grünflächenamt und Skater schnell einig, dass dies die Gelegenheit für eine große Profi-Anlage sei.

          „Wir haben 13 Jahre lang auf einen Skatepark gewartet, und jetzt haben wir einen Kinderspielplatz“, kritisierte kürzlich schon Daniel Beck, einer der engagiertesten Skater der Stadt, der auch stets den Kontakt zum Grünflächenamt hält. Sielaff sagt, den Skatern, Inlinern und BMX-Fahrern gelinge es sehr gut, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Aber mit kleinen Kindern auf Laufrädern könne es einfach nicht funktionieren.

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