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„Sister Act“ in Niedernhausen : Freudengesänge unter der Discokugel

Wie einst Whoopie: Aisata Blackman als Deloris van Cartier nebst Agnes Hilpert als Mutter Oberin Bild: Marcus Kaufhold

Klosterwelt auf dem Kopf: Im Rhein-Main-Theater in Niedernhausen ist in den nächsten Wochen das Musical „Sister Act“ zu sehen.

          2 Min.

          In den Katalog „Gutes aus Klöstern“ fänden die Gesänge des Chores des Ordens zur Heiligen Jungfrau gewiss keine Aufnahme. Die musikalischen Darbietungen der Ordensschwestern schreien nämlich im Wortsinn zum Himmel. Wie vorteilhaft daher, dass in Gestalt von Mary Clarence eine neue Schwester zum Orden stößt, der Sangestalent gegeben ist. Sie könnte doch den schlingernden Chor auf den rechten musikalischen Pfad bringen, was sie mit nicht ganz orthodoxen Mitteln auch bald versucht.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerdings ist Mary Clarence gar keine Nonne und hat bisher auch kein unbedingt gottgefälliges Leben geführt. In Wahrheit heißt sie Doris Carter, nennt sich aber Deloris van Cartier. Unter diesem Namen hofft sie auf eine Bühnenkarriere, die sie bisher aber nur in den Nachtclub des Ganoven Curtis Jackson geführt hat. Der macht ihr Versprechungen, ist aber eigentlich nur an einer Liebschaft mit ihr interessiert. Als Curtis einen vermeintlichen Polizeispitzel erschießt und Deloris das Verbrechen zufällig beobachtet, hat sie ein großes Problem. Weil Curtis die unliebsame Zeugin beseitigen lassen will, flüchtet Deloris zur Polizei, wo ihr einstiger Schulkamerad Eddie Fritzinger gerade Wache schiebt. Der kommt auf die glorreiche Idee, Deloris dort zu verstecken, wo niemand sie vermuten würde - in einem katholischen Kloster. Dort fangen die Turbulenzen allerdings erst an, wenn die lebenslustige und bisweilen schamlose Sängerin die strenge Klosterwelt auf den Kopf stellt.

          Einige Änderungen im Vergleich zum Film

          Von diesem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Welten erzählte 1992 die erfolgreiche Filmkomödie „Sister Act“ mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle, und davon erzählt natürlich auch die Musicalversion der Geschichte, die 2006 erstmals im kalifornischen Pasadena aufgeführt wurde und in ihrer deutschsprachigen Version im Dezember 2010 Premiere in Hamburg hatte. Regie führte damals Carline Brouwer, deren Inszenierung nun auch beim mehrwöchigen Gastspiel von „Sister Act“ im Rhein-Main-Theater in Niedernhausen gezeigt wird.

          Auch wenn das Musical auf dem Film basiert, gibt es einige Änderungen. So spielt die Geschichte nicht im Reno des Jahres 1991, sondern in Philadelphia und überdies auch zu einer anderen Zeit, nämlich um den Jahreswechsel 1977/1978. Es war die beste Zeit der Discomusik, der die Songs des Komponisten Alan Menken ausgiebig huldigen. Sie haben mit den Liedern des Films wie etwa „I Will Follow Him“ nichts zu tun. Menken, vielfach oscarprämiert, hat für die Bühnenversion vielmehr eine eigene Musik komponiert. Sie wird in Niedernhausen von einer achtköpfigen Band unter der Leitung von Tobias Deutschmann unten im Theatergraben recht schmissig intoniert, wenngleich dem Stück der große Ohrwurm abgeht.

          Bisweilen ungelenke Dialoge

          Dafür singen in der Musicalversion aber alle Darsteller und nicht nur wie im Film die Nonnen. Ob die stimmgewaltige Deloris (Aisata Blackman) in bester Donna-Summer-Pose, der Polizist Eddie (Gino Emnes) als schmeichelnder Soulman, der Ganove Curtis (Mischa Mang) und seine Schergen (Benjamin Eberling, Arcangelo Vigneri, Alessandro Pierotti), die zudem einen hinreißenden Auftritt als Bee-Gees-Verschnitt hinlegen - sie alle haben ihre sängerischen Momente im Rampenlicht, ebenso wie die Schwestern Mary Robert (Abla Alaoui), Mary Patrick (Maren Somberg) und Mary Lazarus (Regina Venus) und die gestrenge Mutter Oberin (Agnes Hilpert) als geplagte Hüterin der Ordnung.

          All das entschädigt für die manchmal ungelenken Dialoge und platten Scherze im deutschen Buch von Michaela Ronzoni und Werner Sobotka, die den augenzwinkernden Humor der Vorlage nicht so recht einfangen. Wenn der Nonnenchor dann aber zum Finale in Glitzerkostümen und vor einer riesigen Marienfigur, die wie eine Discokugel glänzt, über die Bühne fegt und selbst der Papst dem Treiben seinen Segen gibt, bleibt auch dem begeisterten Publikum nur ein Halleluja.

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