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Rhein-Main-Theater : Nonnen statt Nationalheldin

  • -Aktualisiert am

Trachtentanz: Das Musical „Sister Act“, das derzeit in Berlin aufgeführt wird, soll von März an in Niedernhausen zu sehen sein. Bild: evenpress/stage honorarfrei als Pressefoto

Berühmte Nonnen im Anmarsch: Nach dem Scheitern des Musicals „Jeanne d’Arc“ soll von März an „Sister Act“ in Niedernhausen zu sehen sein. Aber nur wenige Wochen lang.

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          Ein Dreivierteljahr ist es her, dass „Jeanne d’Arc“ im Niedernhausener Rhein-Main-Theater noch vor der Premiere scheiterte. Nun schickt sich ein neuer Anbieter an, 2017 dort ein anderes Musical auf die Bühne zu bringen. Von März an soll „Sister Act“ zu sehen sein, wie gestern das Unternehmen Stage Entertainment bestätigte. Derzeit zeigt der Musical-Anbieter das auf dem Film mit Whoopi Goldberg basierende Musical in Berlin.

          Erzählt wird die Geschichte der Nachtclubsängerin Deloris von Cartier, die Zeugin eines Mordes wird und zu ihrer Sicherheit von der Polizei in einem Nonnenkloster versteckt wird. Sie übernimmt die Leitung des Chores und sorgt für neuen Schwung. Premiere von „Sister Act“ ist am Sonntag, 5. März, um 18 Uhr. Danach läuft das Musical bis zum 30. April 2017 täglich außer montags. Die günstigsten Karten gibt es für 39,90 Euro. Der Vorverkauf habe am Donnerstag begonnen, hieß es.

          Konzerte, Shows und Kabarett

          Mit mehr als sechs Millionen Besuchern ist „Sister Act“ laut Stage Entertainment die erfolgreichste Eigenproduktion des Unternehmens. Die deutsche Uraufführung fand 2010 in Hamburg statt. Die Musik für das Musical stammt aus der Feder von Alan Menken. In Niedernhausen werden Aisata Blackman als Deloris von Cartier und Agnes Hilpert in der Rolle der Mutter Oberin auf der Bühne stehen.

          Was Musicals angeht, war dem Niedernhausener Rhein-Main-Theater nicht immer Fortune beschieden. Das Haus war in den neunziger Jahren eigens für die Aufführung von „Sunset Boulevard“ erbaut worden. Im Jahr 1995 hob sich erstmals der Vorhang für das Musical von Andrew Lloyd Webber, drei Jahre später war nach insgesamt 992 Vorstellungen Schluss. Das autobiographische Musical „Patrick - the Story“ schaffte es dagegen 1999 nicht einmal bis zur Premiere, hatte dafür aber ein Nachspiel vor Gericht. Seit der Jahrtausendwende nutzte dann der Veranstalter Depro das Haus mit rund 1570 Sitzplätzen für Konzerte, Shows und Kabarett.

          „Musical der Extraklasse“

          Das vorerst letzte Musical-Kapitel im Rhein-Main-Theater schlug dann vor gut einem Jahr Florian Willmanns auf. Der branchenfremde Unternehmer aus Bitburg wollte mit seiner neu gegründeten RME Rhein-Main-Entertainment GmbH in Niedernhausen „Jeanne d’Arc“ auf die Bühne bringen. Deshalb sollte Depro weichen, worum es einen juristischen Streit gab.

          Unklare Besitzverhältnisse: Das Rhein-Main-Theater in Niedernhausen wird seit Juni nicht mehr bespielt.

          Doch das Musical über das Leben und Wirken der Johanna von Orléans scheiterte Wochen vor der für Juni 2016 geplanten Premiere, weil RME finanzielle Schwierigkeiten hatte und Insolvenz anmelden musste. Dessen ungeachtet zog sich Depro nach der Kündigung Ende Mai wie geplant aus dem Haus zurück. Seitdem gab es nur vereinzelt Veranstaltungen.

          „Ich freue mich über die gute Nachricht, dass es im Rhein-Main-Theater weitergeht“, sagte Bürgermeister Joachim Reimann (CDU). „Sister Act“ sei ein „großer Name“ in der Musical-Szene. Laut der Geschäftsführerin von Stage Entertainment Deutschland, Uschi Neuss, könne sich die Region auf ein „Musical der Extraklasse“ freuen. „Der Charme unseres Nonnenchores ist unwiderstehlich.“ Ob es weitere Musicals in Niedernhausen geben werde, sei davon abhängig, wie „Sister Act“ laufe, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage.

          Käufer nicht genannt

          Unklar ist, wer derzeit Eigentümer des Rhein-Main-Theaters ist. Willmanns hatte die Anteile an dem Haus von der Feria Bau KG übernommen. Im Juni sagte deren Geschäftsführer Peter Buck dem „Wiesbadener Tagblatt“, dass man über eine mögliche Rückabwicklung im Gespräch sei.

          Am Donnerstag teilte die Fränkel AG mit Sitz in Friedrichshafen mit, dass sie die Tochtergesellschaft Feria Bau samt dem Rhein-Main-Theater veräußert habe; den Käufer nannte das Unternehmen nicht. Dem Vernehmen nach war aber ein Theaterbetreiber aus dem Ruhrgebiet am Kauf der Niedernhausener Veranstaltungsstätte interessiert.

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