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Sinkkasten : Aus für eine Frankfurter Legende

  • -Aktualisiert am

Am 1. Januar schließt die Tür. Bild: Wonge Bergmann

Vor 40 Jahren wurde der Musikclub Sinkkasten gegründet. Das Jubiläumsjahr endet mit einer verlorenen Schlacht: An Silvester gehen die Lichter aus.

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          Ausgerechnet der Lieblingssessel. Vielleicht hatte jemand Turnübungen darauf veranstaltet. Oder die Armlehne war schlicht altersschwach geworden. Jedenfalls war sie abgebrochen und damit plötzlich die Frage da, ob der Sessel nun auf den Sperrmüll gebracht oder doch weiterhin im Café des Frankfurter Traditionsclubs Sinkkasten herumstehen sollte. Diese kleine Begebenheit ist fast genau ein Jahr her und symbolisiert den vergeblichen Kampf um ein legendäres Musiklokal, das vermutlich auch deshalb zum Jahresende schließen muss, weil ihm die eigene Geschichte immer wieder im Weg stand wie ein altes Möbelstück.

          Im Frühjahr dieses Jahres konnte der Sinkkasten Arts Club sein vierzigjähriges Bestehen feiern, doch wurde dieses Jubiläum eher beiläufig erwähnt als groß zelebriert. Die finanzielle Lage war da längst bedrohlich geworden. Am 26. Mai musste der Club schließlich beim Amtsgericht Frankfurt einen Insolvenzantrag stellen.

          Eines der berühmtesten Jazzlokale

          Damit war, trotz aller Rettungsbemühungen, das Ende eines Veranstaltungslokals eingeläutet, das schon länger nur noch von seiner Geltung als von seiner tatsächlichen Bedeutung gelebt hat. 1971 von Detlef Christoph als Jazzclub gegründet und ursprünglich in einem Kellergewölbe an der Mainstraße beheimatet, wo es auch die namengebenden Sinkkästen, Sickerbehältnisse von Abwasseranlagen, gab, blühte der Club vor allem in den ersten Jahren nach seinem Umzug in die heutigen Räumlichkeiten in der Brönnerstraße auf. Hatte es in den siebziger Jahren sogar durchaus ernst gemeinte Vorschläge gegeben, den Sinkkasten in der damals im Wiederaufbau befindlichen Alten Oper unterzubringen, setzte der Club an der Brönnerstraße eine andere, nicht minder wichtige Traditionslinie in der musikalischen Geschichte Frankfurts fort.

          In diesen Räumen war in den fünfziger und sechziger Jahren mit dem „Storyville“ eines der berühmtesten Jazzlokale Deutschlands untergebracht und dann von August 1970 bis Juli 1971 der so sagenumwobene wie berüchtigte Musikclub „Zoom“. Dieser von Volker „Cooky“ Dahl geleitete Club ist nicht nur von Jörg Fauser in „Rohstoff“ literarisch verewigt worden, sondern auch wegen des dort wohl sehr freizügig gehandhabten Umgangs mit „Rohstoff“ in die Geschichte eingegangen. Die Schließung des „Zoom“ wurde im Juni 1971 vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel verfügt.

          Wer in den vergangenen 20 Jahren musikalischen Trends auf der Spur sein wollte, fand kaum in den Sinkkasten

          Mit solchen halluzinogenen Eskapaden machte der Sinkkasten nicht von sich reden. Vielmehr lockte der Club mit seinem musikalischen Programm die Massen, die manchmal bis auf die Zeil für Eintrittskarten anstanden. Ob Jazz, Blues, Rock, Pop, Kabarett, etablierter Künstler oder Newcomer, der Sinkkasten bot eine Bühne für alles und alle. Weil der Laden brummte, die Disco-Veranstaltungen viele Gästen lockten und die Stadt außerdem viele Jahre lang einen Mietkostenzuschuss in Höhe von 125000 Mark gewährte, fiel wohl niemandem so recht auf, dass der Club ganz allmählich verstaubte.

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