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Internet-Schwarzmarkt : Schlag gegen Drogenhandel im Internet

Einfach, schnell und illegal: Der Online-Handel mit Drogen ähnelt dem Schuhkauf im Internet. Der Polizei konnte nun die Internetforen knacken. Bild: dpa

Nach dem die illegale Internet-Plattform „Silk Road“ hochgenommen wurde, decken nun hessische Sicherheitsbehörden weitere Rauschgift-Portale auf. Auch die Käufer der Drogen sind identifizierbar.

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          Der Handel mit Drogen im Internet nimmt aus Sicht der Sicherheitsbehörden eine immer größere Rolle ein. Erst vor wenigen Tagen ist die Plattform Silk Road bekannt geworden. Die amerikanische Bundespolizei FBI hatte den Betreiber vergangene Woche festgenommen, weil auf seinem Portal Drogen im großen Stil im sogenannten Darknet angeboten wurden – also in jenem Teil des weltweiten Netzes, in dem sich Benutzer angeblich unentdeckt bewegen können.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun ist auch hessischen Behörden ein Schlag gegen europäische Betreiber solcher Plattformen gelungen. Es handelt sich womöglich um eines der größten Ermittlungsverfahren, das die hessischen Behörden in der Drogenkriminalität jemals geführt haben.

          17 Staaten ermittelten zusammen

          In einer konzertierten Aktion von Landeskriminalamt und Zollfahndungsamt unter der Federführung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt haben die Behörden etwa ein halbes Jahr lang gegen Betreiber und Nutzer des Internet-Schwarzmarkts ermittelt. LKA-Präsidentin Sabine Thurau sagte, man habe nun „den Fuß in der Tür“. „Wer glaubt, man könne über verschlüsselte Internetseiten mit Drogen handeln oder anderweitige Straftaten begehen, der irrt.“

          Ermittelt haben die Behörden unter dem Decknamen „Operation Onymous“. Hauptbeschuldigter ist ein 26 Jahre alter Mann aus Ungarn, der inzwischen festgenommen wurde. Er soll die Plattform „Hydra“ betrieben haben, auf der ebenfalls Drogen wie Kokain, Cannabisprodukte und Methamphetamine angeboten wurden. Darüber hinaus gibt es nach Angaben der Ermittler weitere Beschuldigte in ganz Europa. Im Zuge der Ermittlungen wurden 13 Objekte durchsucht, unter anderem zwei Rechenzentren sowie jeweils eine Wohnung in Ungarn und Schottland. Zudem wurden fünf Server sichergestellt, über die die Handelsplattformen im verschlüsselten Netzwerk betrieben wurden. Außer der Plattform „Hydra“ sind weitere mit den Namen „Topics Square“, „White Rabbit“ und „Doxbin“ enttarnt worden. In die Ermittlungen eingebunden waren insgesamt 17 Staaten sowie auch die europäischen Sicherheits- und Justizbehörden Europol und Eurojust.

          Operation „Onymos“ : Online-Drogenhandel aufgeflogen

          Entlarvender Postweg

          Nach den Worten von Oberstaatsanwalt Rainer Franosch, der die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft leitet, stehen die Ermittlungen noch am Anfang. Etwa ein Dutzend Verfahren seien schon anhängig. Nun müssten die beschlagnahmten Daten ausgewertet werden. Daraus ergäben sich weitere Erkenntnisse über die Nutzer, das werde weitere Verfahren nach sich ziehen. Sowohl Franosch als auch Thurau betonten, dass das Ziel, die vermeintliche Anonymität bei Straftaten im Netz zu erschüttern, erreicht worden sei. „Jeder, der sich im Zusammenhang mit illegalem Drogenhandel im Internet strafbar macht, muss mit einer konsequenten Strafverfolgung rechnen“, so Franosch. „Die Anonymität ist nicht so sicher, wie man glaubt.“

          Das ist wohl auch deshalb so, weil die Bestellung zwar im Internet getätigt wird, „quasi bequem vom Sofa aus per Smartphone“, wie Thurau sagte, aber die Lieferung per Post erfolgt. Nach den Worten von Markus Tönsgerlemann, Leiter des für Hessen zuständigen Zollfahndungsamtes, besteht dann die Chance, auch als Zollbehörde tätig zu werden, etwa über das für die Luftfracht zuständige Postzentrum am Flughafen.

          Bitcoin bei Netz-Kriminellen beliebt

          Aufgebaut waren die jeweiligen Portale wie andere, harmlose Internetseiten des Versandhandels. Die Drogen wurden auf Fotos präsentiert und kurz beschrieben. Es gab sogar eine „Bewertungsfunktion“: fünf Sterne für „guten Stoff“ und schnelle Lieferung, ein Stern für minderwertige Ware. Die Drogen wurden in der Regel aus dem Ausland verschickt.

          Bezahlt wurde mit der virtuellen Geldeinheit Bitcoin. Thurau sagte, diese Zahlungsmethode spiele in der Internetkriminalität eine große Rolle, denn es ermögliche den Nutzern, weitgehend anonym im Internet zu bestellen.

          Überhaupt sei ein wesentlicher Teil der Ermittlungen durch die im hessischen LKA angesiedelte Abteilung für Cyber-Kriminalität vorangetrieben worden. Es sei ein „enormer technischer Aufwand“ betrieben worden, um schließlich in verschlüsselte Bereiche des Internets zum Zwecke der Strafverfolgung eindringen zu können.

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