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Silicon Valley Bank : Hausbank der Hightechbranche

Spiegelbildlich: Christian Hoppe will mit der Silicon Valley Bank in Deutschland ähnlich erfolgreich sein wie in Amerika. Bild: Helmut Fricke

Die Silicon Valley Bank kommt nach Frankfurt, und die Gründerszene jubelt. Denn das Institut aus Kalifornien will eine Lücke schließen, die Start-ups große Schwierigkeiten macht.

          Der Weinschrank ist noch leer, aber darum macht sich Christian Hoppe keine Sorgen. „Es gibt 300 Weingüter an der Küste Kaliforniens“, sagt er mit einem genüsslichen Lächeln, als seien die ersten Flaschen bereits zu ihm auf den Weg. Noch weht durch das Frankfurter Büro der Silicon Valley Bank der Duft des Neuen, die Handwerker scheinen vor ein paar Minuten noch hier gewesen zu sein. Erst vor wenigen Wochen hat die Bank aus der kalifornischen Technologie-Hochburg Silicon Valley ihr Frankfurter Büro eröffnet, von wo aus das Unternehmen den deutschen Markt bearbeiten will. Zuvor blieb in dem Stockwerk kaum ein Stein auf dem anderen, damit alles zur Kultur des amerikanischen Unternehmens passt.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun steht Managing Director Hoppe in einem frisch renovierten, aber noch leeren Flügel des Büros, schaut auf schicke Lampen, große Flachbildschirme – und den leeren Kühlschrank. Erst zehn Mitarbeiter des Hauses sind hier am Werk, doch das soll sich ändern. „Wir haben noch viel Platz, aber wir haben auch noch viel vor.“

          Gut vernehmbares Raunen in Gründerszene

          Als die Silicon Valley Bank bekanntgab, sich in Frankfurt niederlassen zu wollen, ging durch die Gründerszene der Region, und auch durch andere Start-up-Zentren wie Berlin und Hamburg, ein gut vernehmbares Raunen. Das Institut gilt als Hausbank der Hightechbranche in den Vereinigten Staaten, das mit dem Erfolg dort geborener und heute milliardenschwerer Konzerne mitgewachsen ist und seit einigen Jahren den Blick über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinauswirft. 30.000 Start-ups hat die Bank seit ihrer Gründung 1983 mit Kapital versorgt – weltweit.

          Das Unternehmen stößt in eine Lücke, über die sich junge, deutsche Wachstumsunternehmen immer wieder beklagen: Ihnen fehlt das Geld, um nach dem ersten Schritt – der Gründung des Unternehmens und der Marktreife eines Produkts – den zweiten zu machen. Für die frühe Gründungsphase („Early Stage“) gibt es kleine Darlehen wie auch Förderprogramme. Doch gerade Technologie-Start-ups müssen danach, in der Expansionsphase („Later stage“) schnell eine gewisse Größe aufbauen, weil sie sonst nach dem Motto „The winner takes it all“ abgehängt werden können. Deutsche Banken jedoch scheuen häufig genau diese Investitionen in Betriebe, die zwar schon ein Geschäftsmodell und ein Team haben, aber trotzdem vor einer noch ungewissen Zukunft stehen. Das Risiko ist ihnen schlichtweg zu hoch.

          Geld für schnelles Wachstum

          Für viele Gründer bleiben klassische Investoren die einzige Möglichkeit, um frisches Geld für schnelles Wachstum zu bekommen, wofür sie aber in der Regel Anteile abgeben müssen. Diese händeringend gesuchten Kapitalgeber, die Venture Capital verleihen, sind in Deutschland eher rar gesät. Die Silicon Valley Bank setzt dagegen vor allem auf festverzinsliche Darlehen für junge Unternehmen, die zum Teil noch nicht mal Gewinne schreiben und deshalb häufig bei ihren Hausbanken abblitzen. Deshalb sagt Hoppe auch: „Wir sind keine Konkurrenten zu den großen Bankhäusern in Deutschland.“

          Managing Director Hoppe: „Wir sind keine Konkurrenten zu den großen Bankhäusern in Deutschland.“

          Die Eintrittshürde für Start-ups bei der Bank liegt bei einer Million Euro. Kreditsicherheiten verlangt das Haus kaum, stattdessen nimmt man die in Frage kommenden Firmen sehr genau unter die Lupe: Hoppe und seine Kollegen schauen das Gründerteam, die Gesellschafterstruktur und das Geschäftsmodell an, bevor sie eine Entscheidung treffen. „Wir gehen bei der Auswahl der Start-ups sehr selektiv vor, nicht mit der Gießkanne.“

          Großes Netzwerk am Finanzplatz Frankfurt

          Das Konzept des Instituts sieht vor, nach der Rückzahlung des Darlehens die Beziehungen zu den dann meist schon etablierten Unternehmen zu erhalten. Den Weltkonzern Cisco, der zuletzt einen Jahresumsatz in Höhe von 42 Milliarden Dollar erwirtschaftete, hat das Haus einst in der Startphase mit Kapital versorgt und ist dem Konzern bis heute als Hausbank verbunden. Ähnliches wünscht sich Hoppe mit Blick auf den deutschen Markt – wissend, dass diese Entwicklung viel Zeit brauchen wird.

          Dafür will Hoppe sein Netzwerk am Finanzplatz nutzen, und das dürfte nicht gerade klein sein. 2013 war er an der Gründung des Main Incubator beteiligt, der als eine Art Fintech-Brutstätte der Commerzbank gilt; zuletzt war er dort als Geschäftsführer tätig. Jetzt weist er darauf hin, dass für seinen neuen Arbeitgeber die Stadt Frankfurt bei der Wahl des Standorts in Deutschland immer erste Wahl gewesen sei, wenngleich die Gründerszene in Berlin deutlich aktiver und größer ist. Hoppe hat hierzu eine klare Meinung: „Eine Bank im deutschen Markt sollte in Frankfurt sitzen.“ Bisher jedoch wurde Deutschland vom Londoner Büro gesteuert, wo die Bank 220 Mitarbeiter beschäftigt.

          Konzentration auf mutige Gründer

          Hoppe findet, seine Zielgruppe nehme in Deutschland gerade eine gute Entwicklung, die Zahl potentieller Kunden sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Als Grund hat der Manager ausgemacht, dass die Menschen in einer prosperierenden Wirtschaft in der Nähe der Vollbeschäftigung seltener aus der Not heraus gründeten, sondern auf der Grundlage echter Überzeugung.

          Langfristig wollen die Amerikaner neben Start-ups auch den Mittelstand finanzieren, wo der Konkurrenzkampf um zahlungskräftige Wachstumsunternehmen größer sein dürfte als im Segment junger Gründer. Doch bis dahin konzentriert sich die Bank aus dem Valley weiter auf mutige Gründer. Hoppe will dafür Kontakte spielen lassen, zum Beispiel zum Frankfurter Gründerzentrum Tech Quartier, wo zahlreiche Start-ups gemeinsam an neuen Geschäftsmodellen arbeiten.

          Den Wein für den schicken Kühlschrank bekommt Hoppe dort allerdings nicht. Den muss er von seiner nächsten Reise zur Konzernzentrale im Silicon Valley mitbringen.

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