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Stellenabbau geplant : Siemens setzt auf Erlangen statt Offenbach

Ein Dampfturbinenrotor von Siemens Bild: dpa

Siemens in Offenbach steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Konzern lässt zwar offen, ob nach einer geplanten Bündelung der Kräfte in Erlangen auch am Main ein Team der Energiesparte verbleibt. Betriebsräte wissen aber offenbar mehr.

          Der Siemens-Standort Offenbach steht vor einer ungewissen Zukunft. Ob er geschlossen wird oder nicht, ist weiter offen. Der Münchener Konzern will die zur seiner Energie-Sparte gehörenden Filialen Erlangen, Offenbach und Wien bündeln. Geht es nach dem Unternehmen, wird dies in Erlangen der Fall sein. Dies sagte der Chef der Energie-Sparte, Willi Meixner, heute in einer Telefonkonferenz. Ob dieser Plan das Aus für den Standort Offenbach bedeutet, ließ Siemens-Personalvorstand Janina Kugel aber auch auf Nachfrage dieser Zeitung offen. „Die Verhandlungen werden es zeigen“, antwortete sie auf die Frage, ob letztlich doch ein Team in Offenbach verbleiben können. Unklar bleibt auch, wie viele Stellen dort abgebaut werden sollen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Gegenüber den Betriebsräten haben sie gesagt, der Standort Offenbach soll geschlossen werden“, teilte die IG-Metall-Sekretärin Marita Weber jedoch mit. Einzelheiten erhofft sich Weber von der Betriebsversammlung in Offenbach an diesem Freitag. Betriebsratsvorsitzende Matthias Tiessen hebt hervor: „Wir haben Ideen und Vorschläge und sind zu konstruktiven Verhandlungen bereit.“ In der Stadt arbeiten laut Kugel 687 Frauen und Männer für die Division Power & Gas. Der Betrieb beschäftigt sich mit Vertrieb, Abwicklung und Service schlüsselfertiger Kraftwerksanlagen, Komponenten und Leittechnik.

          Siemens: Werke nicht ausgelastet

          Kugel und Meixner haben den Arbeitnehmervertretern ihren Plan zum Umbau dieser Sparte vorgestellt. Demnach will Siemens weltweit etwa 6100 Arbeitsplätze abbauen. Als Grund nannte Kugel eine tiefgreifende Veränderung im Markt zu Lasten von Gas- und Dampfkraftwerken. Die Werke seien nicht ausgelastet. In Deutschland und Europa sei der Markt für Gasturbinen kaum noch vorhanden. Kugel meinte gleichwohl, auch Gasturbinen würden im Energiemix auch in Zukunft neben erneuerbaren Quellen einen Beitrag leisten.

          Vor diesem Hintergrund rechnet die IG Metall mit dem Aus für den Standort am Main „Die Befürchtungen zu Kahlschlagplänen im Kraftwerksbereich sind eingetroffen“, heißt es in einer Mitteilung von Weber. Siemens habe mit den Plänen „eine rote Linie überschritten“. Und weiter: Gegen diese Politik der sozialen Kälte und gesellschaftlichen Verantwortungslosigkeit werden wir uns mit aller Kraft wehren. Die seit fast zehn Jahren geltende Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung schließt betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen aus. Wir fordern, dass die Vereinbarung weiterhin gilt.“

          Auch Al-Wazir will für Offenbach kämpfen

          Auch Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) will nach Angaben seines Sprecher für den Standort Offenbach kämpfen. Al-Wazir wohnt dort. „Zusammenlegung heißt ja nicht zwingend, dass es am Ende Erlangen wird. Wir sind überzeugt, dass die zentrale Lage von Offenbach im Rhein-Main-Gebiet ein echter Standortvorteil ist“, meint der Minister. Siemens in Offenbach sei ein bedeutender Teil des Industriestandorts Rhein-Main.

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