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Mathildenhöhe Darmstadt : Siebtes hessisches Welterbe wird wahrscheinlicher

  • -Aktualisiert am

Auf vorderem Rang: Das Ausstellungsgebäude mit dem Hochzeitsturm auf der Darmstädter Mathildenhöhe könnte unter den Schutz der Unesco kommen. Bild: Schmitt, Tobias

Auf der deutschen Bewerberliste steht jetzt die Darmstädter Mathildenhöhe. Die Kultusministerkonferenz wählte das Jugendstilensemble mit weiteren sechs Bewerbern aus. Die Entscheidung fällt 2019.

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          „Völlig phantastisch“ - mit diesen Worten hat Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) auf die Entscheidung der Kultusministerkonferenz reagiert, Darmstadt mit dem Jugendstilensemble Mathildenhöhe auf die offizielle Bewerberliste Deutschlands zum Unesco-Weltkulturerbe zu nehmen. „Für uns ist das eine große Chance, aber auch eine große Herausforderung“, sagte Partsch. Bis zum Jahr 2019, wenn Darmstadt sich in Paris der Welterbe-Kommission vorstellen dürfe, sei nun ein anspruchsvoller Weg zu gehen. Darauf sei die Stadt allerdings vorbereitet. Auch Hessens Minister für Kunst und Wissenschaft, Boris Rhein (CDU), zeigt sich erfreut. Die Entscheidung unterstreiche einmal mehr die kulturhistorische Bedeutung Hessens. Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe habe das Potential, die siebte Welterbestätte in Hessen zu werden.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Der Konferenz der Kultusminister lagen insgesamt 31 Anträge aus den Bundesländern zur Aufnahme auf die sogenannte Tentativliste vor. Sieben wurden daraus ausgewählt. Neben der Mathildenhöhe gehören dazu unter anderem die sogenannten Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz (siehe Bericht auf dieser Seite), die Alte Synagoge und Mikwe in Erfurt und die alpine und voralpine Wiesen- und Moorlandschaft im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Wie die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Sylvia Löhrmann, mitteilte, ist bei der Fortschreibung der Liste auf ein neues Verfahren gesetzt worden. Es habe sich an den Kriterien einer Icomos-Studie orientiert, in der jene „Lücken“ beschrieben seien, die Fachleute in der bestehenden Kulturerbe-Liste ausmachten. Mittelalterliche Burgen und Schlösser oder Fachwerkstädte kommen zum Beispiel darin schon häufig vor. Zu berücksichtigen war außerdem, dass Deutschland mit 38 Welterbestätten schon zu jenen fünf Staaten mit den meisten Eintragungen auf der Welterbeliste zählt.

          Zehn Millionen Euro für Generalsanierung

          Generell galt als zentrales Kriterium der Nachweis, dass es sich bei den Vorschlägen um Stätten von „außergewöhnlichem universellem Wert“ handelt. Der Schweizer Kunst- und Architekturhistoriker Werner Oechslin hatte 2012 in einem Gutachten genau dies der Mathildenhöhe bescheinigt. In seiner Expertise charakterisierte er das um 1900 aus Bauten der Darmstädter Künstlerkolonie entstandenen Ensemble als einzigartig, authentisch und unversehrt. Er beschrieb die Mathildenhöhe außerdem als ein „lebendiges Gebilde“ und als einen Ort, an dem die schöpferischen Umbrüche von 1900 fortlebten. Es handele sich daher um einen „Weltentwurf der Moderne“, der noch heute in den bestehenden Einrichtungen wie dem Museum Künstlerkolonie, dem Designhaus oder dem Fachbereich Gestaltung der Hochschule weiterlebe.

          Für die Entscheidung der Kultusministerkonferenz hatte es ausgereicht, Oechslins Gutachten sowie eine Rahmenkonzeption für die Mathildenhöhe vorzulegen. Die Stadt hatte außerdem jenen Fachbeirat, der alle Welterbe-Kandidaten besuchte, ausgiebig über die bisher unternommenen Anstrengungen informiert, Darmstadts Musenhügel zu erhalten und weiterzuentwickeln. Dafür berufen wurde nicht nur ein „Koordinator Mathildenhöhe“. Es wurden auch eine städtische Stabsstelle eingerichtet sowie eine Magistratskommission einberufen, an der die Vertreter der verschiedenen Kultureinrichtungen teilnehmen. Überdies hatten die Stadtverordneten zehn Millionen Euro zur Generalsanierung des Ausstellungsgebäude zu Verfügung gestellt, zusätzliche Gelder flossen in die Sanierung der Hoetger-Plastiken im Platanenhain oder in die Sanierung des Mosaikbeckens vor der Russische Kapelle. Bis 2019 müssen nun weitere wissenschaftliche Untersuchungen folgen sowie ein Managementplan.

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