https://www.faz.net/-gzg-9uxgl

2020 : Das wünschen wir uns für die Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

Auf ein erfolgreiches neues Jahr: Frankfurter Universität Bild: dpa

Klarheit im Plagiatsfall, Vielfalt beim Präsidentenwahlkampf und Respekt vor der deutschen Sprache: Was wir uns für die Hochschulen der Region im neuen Jahr wünschen.

          5 Min.

          1. Die Vorwürfe gegen Cornelia Koppetsch werden aufgeklärt

          Von der Aufsteigerin des Jahres zur Abschreiberin des Jahres – so hat sich das Bild gewandelt, das sich das wissenschaftlich interessierte Publikum 2019 von Cornelia Koppetsch gemacht hat. Mit ihren Thesen zum Rechtspopulismus, die sie in ihrem Buch „Die Gesellschaft des Zorns“ vorstellte, hat die Soziologin von der TUDarmstadt viel Diskussionsstoff geliefert. Umso größer die Bestürzung, als gegen die Professorin im November Plagiatsvorwürfe laut wurden: Sowohl in ihrem aktuellen Werk als auch in einem früheren Buch soll Koppetsch andere Autoren zitiert haben, ohne die Quellen korrekt zu benennen. Inzwischen untersucht die Universität, ob der Forscherin wissenschaftliches Fehlverhalten vorzuwerfen ist. Allen wäre damit gedient, wenn die mit dem Fall befassten Experten rasch zu einem klaren Urteil kommen. Eine Hochschullehrerin, die fremde Gedanken als ihre eigenen ausgegeben hätte, wäre für ihre Studenten ein denkbar schlechtes Vorbild. Auch die plötzliche Popularität, die Koppetsch zuteil wurde – und die ihr bisweilen über den Kopf zu wachsen schien –, kann keine Entschuldigung für schlampige Arbeit sein. Fragwürdig ist aber auch die Häme mancher Kommentatoren, denen die Theorien der Wissenschaftlerin nicht passen, weil sie darin zu viel Verständnis für „Faschisten“ zu erkennen glauben. Immerhin gibt es Fachkollegen, die Koppetsch zugute halten, eigenständige, bedeutende Beiträge zum Verständnis rechtspopulistischer Tendenzen geleistet zu haben. Hoffentlich werden sie das auch nach dem Ende der Plagiats-Untersuchung noch sagen können.

          2. In Hessen wird ein guter Hochschulpakt ausgehandelt

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Modell bewährt sich seit bald 20Jahren. Mit seinen Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen handelt das Land Hessen Zielvorgaben aus und gewährt ihnen dafür finanzielle Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum. Im neuen Jahr wollen Wissenschaftsministerin und Präsidenten den nächsten Hochschulpakt unterzeichnen: Er wird festlegen, wie viel Geld bis 2025 für Forschung und Lehre zur Verfügung steht. Die Chancen auf eine baldige Einigung stehen gut: Das Gesprächsklima zwischen Unis und Ministerium stimmt, auch deshalb, weil das Land (noch) Geld zu verteilen hat. Mit einer Erhöhung des Grundbudgets um vier Prozent dürfen die Hochschulen laut schwarz-grünem Koalitionsvertrag rechnen. Angesichts der stark gestiegenen Studentenzahlen ist ein solcher Zuschlag auch dringend nötig. Zum Teil gerechtfertigt ist auch die Forderung der Gewerkschaften, mehr Vollzeit-Arbeitsplätze zu schaffen: Für Daueraufgaben braucht es Dauerstellen – für die wissenschaftliche Qualifikation hingegen nicht. Ignorieren sollten die Verhandlungspartner die Forderung der GEW, das hessische Forschungsförderprogramm Loewe abzuschaffen: Um diese zusätzliche Drittmittelquelle werden die hessischen Wissenschaftler von Kollegen in anderen Bundesländern beneidet.

          3. EBS und Frankfurt School bekommen ihre Etats in den Griff

          Zum Schaden gibt es gratis den Spott: Mit der EBS-Universität und der Frankfurt School of Finance and Management sind ausgerechnet zwei Wirtschaftshochschulen in die roten Zahlen gerutscht. Während die EBS noch unter den Nachwehen ihrer Krise und Gebühren-Ausfällen infolge des Abgangs einer größeren Studentenkohorte leidet, machen der Frankfurt School Fehlkalkulationen bei den Betriebskosten ihres Neubaus und der schrumpfende Weiterbildungsmarkt zu schaffen. Allzu große Sorgen muss man sich um beide erst einmal nicht machen. Die EBS arbeitet erfolgreich daran, ihr angekratztes Image zu polieren; die Frankfurt School ist durch den teuren neuen Campus attraktiver geworden und meldet steigende Studentenzahlen. Trotzdem müssen die Anstrengungen beider Hochschulen über den bloßen Defizitabbau hinausgehen: Für Professoren, die anderen erklären, wie Ökonomie funktioniert, ist die schwarze Null auf Dauer kein ambitioniertes Bilanzziel.

          Weitere Themen

          Von Goethe bis Ebbel Video-Seite öffnen

          Quiz zu 75 Jahre Hessen : Von Goethe bis Ebbel

          Die Hessen haben ein Lieblingsgetränk, ihr Bundesland hat eine geographische Mitte und große Namen spielen eine Rolle und das Land hat Nachbarn. Ein Quiz zum 75. Jahrestag der Gründung des Bundeslands in Deutschlands Mitte.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.