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Mainzer Fastnacht : Tolle Tage mit mulmigem Gefühl

Aufnahme läuft: Die Mainzer Polizei setzt bei der Fastnacht verstärkt auf Körperkameras. Bild: dpa

Videoüberwachung, mobile Einsatzgruppen und 110: In Mainz wurde das Sicherheitskonzept für die anstehende Fastnacht vorgestellt. Unter anderem sollen Körperkameras den Polizisten mehr Respekt verschaffen.

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          Wissend, dass niemand den Bürgern hundertprozentige Sicherheit gewährleisten könne, soll in Rheinland-Pfalz alles dafür getan werden, „dass wir schöne, friedliche und sichere Karnevalstage erleben“. Mit dieser Ankündigung sind Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) in Mainz in die Offensive gegangen. Gemeinsam präsentierten sie ein von der Polizei aktualisiertes Sicherheitskonzept für Großveranstaltungen, vor allem für die am 8. Februar geplanten Rosenmontagszüge. Es sei eine Reaktion auf die Übergriffe gegen Frauen in der Silvesternacht. Obwohl viele Menschen angesichts der Ereignisse in Köln, aber auch aus Angst vor Terroranschlägen ein „eher mulmiges Gefühl“ hätten, bleibe Rheinland-Pfalz „das Land der Lebensfreude“.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Weil Flüchtlinge etwa aus Syrien nicht wissen könnten, was es mit der Fastnacht auf sich habe, sollen die Bewohner der Gemeinschaftsunterkünfte unter anderem mit Hilfe von Flugblättern darüber aufgeklärt werden, was an den „tollen Tagen“ erlaubt sei und was nicht. Darüber hinaus will die Polizei mit möglichst vielen mobilen Eingreifgruppen an Brennpunkten präsent sein, um Straftaten zu verhindern, die in den vergangenen Jahren überwiegend von gewaltbereiten Jugendbanden und stark alkoholisierten Schlägern begangen worden seien.

          Schutzräume für hilfesuchende Frauen

          Die unter anderem in Mainz auf Probe eingeführten Körperkameras, von denen laut Lewentz weitere angeschafft werden sollen, sind nach Ansicht des Polizeidirektors Achim Zahn ein probates Mittel für die Einsatzkräfte, um sich in aufgeheizten Situationen Respekt zu verschaffen. Mehr Videoüberwachung, also zusätzliche Bilder etwa von Bahnhofsvorplätzen und der Zugstrecke, soll der Einsatzleitung helfen, die Lage besser zu beurteilen.

          Die Polizei erreiche man in Notfällen, unabhängig von Medien wie Twitter und Facebook, immer noch am einfachsten unter der bewährten Telefonnummer 110, auch wenn dies manchem „antiquiert“ erscheine. Eigens für hilfesuchende Frauen, die sich im Gedränge bedroht fühlten, will man die über die Innenstadt verteilten Sanitätszelte zu Schutzräumen erklären - und auch als solche erkennbar machen.

          Genaue Angaben darüber, wie viele Polizisten in Rheinland-Pfalz zwischen Altweiberfastnacht und Aschermittwoch im Einsatz sein werden, wollte Lewentz nicht machen. Allerdings sei „die Wahrscheinlichkeit hoch“, dass man die Polizeipräsenz am Rosenmontag in Mainz im Vergleich zu den Vorjahren verstärke. Außerdem gelte es, mit der Polizei angrenzender Bundesländer, mit der Bundespolizei und gerade im Kampf gegen Alkoholexzesse mit den Kommunen zusammenzuarbeiten.

          In Mainz soll man „angstfrei“ feiern

          Dreyer, die gestern eine „Null-Toleranz-Strategie“ beim Umgang mit Straftätern ankündigte, machte deutlich, dass bei sexuellen Übergriffen, wie sie an Silvester in Köln massenhaft geschehen seien, „nicht die Frauen die Verantwortung tragen, sondern allein die Täter“. Das Geschehen in der Domstadt, wo nach den bisherigen Erkenntnissen vor allem junge Männer aus nordafrikanischen und arabischen Ländern Jagd auf Frauen machten, sei „das Schlimmste, was passieren konnte“, meinte Dreyer, die aber davor warnte, „Flüchtlinge deshalb unter Generalverdacht zu stellen“.

          Selbst der aktuelle Terroranschlag in der türkischen Metropole Istanbul, in der am Dienstag mindestens zehn deutsche Touristen getötet und viele weitere verletzt wurden, darf nach Ansicht des Mainzer Oberbürgermeisters Michael Ebling (SPD) nicht dazu führen, „dass wir uns jetzt dadurch beeindrucken lassen in der Art und Weise, wie wir unser Leben leben und auch feiern“. Die Botschaft an die üblicherweise rund 500 000 Besucher des Mainzer Rosenmontagszugs laute vielmehr: „dass wir feiern wollen und dass man das in unserer Stadt angstfrei tun kann“.

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