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Gefahren für Gemeinden : „Juden haben sich hier nie sicher gefühlt“

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Unter Polizeischutz: Obwohl es zu den Grundwerten unserer Gesellschaft gehört, seinen Glauben offen und öffentlich ausleben zu dürfen. Bild: EPA

Die Polizei sichert jüdische Einrichtungen im Rhein-Main-Gebiet bisher umfangreich. Trotzdem fordert der Rat der Religionen in Frankfurt angesichts der aktuellen Geschehnisse mehr Schutz für Gemeinden.

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          Nach dem offenbar rechtsextremistischen Anschlag in Halle mit zwei Toten und mehreren Verletzten hat die Polizei auch den Schutz diverser Moscheen im Blick. Wie ein Sprecher der Frankfurter Polizei am Donnerstag sagte, gelten muslimische Einrichtungen seit Jahren als mögliche Ziele politisch motivierter Anschlägen, gerade von Rechtsextremisten. Der Schwerpunkt liege aktuell jedoch auf den Synagogen. Wie berichtet, wurden unmittelbar nach der Tat in Sachsen-Anhalt die Sicherheitsvorkehrungen an allen jüdischen Einrichtungen im Rhein-Main-Gebiet verschärft.

          Einen besseren Schutz für Einrichtungen aller Religionsgemeinden und eine „entschiedene Aufklärung rechtsextremer Strukturen“ forderte am Donnerstag der Rat der Religionen in Frankfurt. Es gehöre „zu den Grundwerten unserer Gesellschaft, dass Menschen ihren Glauben und ihre Überzeugungen offen und öffentlich frei bezeugen können“.

          Zügige Reaktion der Polizei

          Die jüdische Gemeinde in Mainz hat die Opfer in ihre Gebete mit eingeschlossen, wie der Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky sagte. Im Oktober stünden weitere wichtige jüdische Feiertage bevor. An den dazugehörigen Gottesdiensten und Veranstaltungen wolle man festhalten. Allerdings sei mit der Polizei vereinbart worden, dass diese eine „noch viel stärkere Präsenz“ rund um das Gemeindezentrum in der Neustadt zeigten. „Juden und Jüdinnen haben sich in Deutschland nie sicher gefühlt“, so der Rabbiner. Es gebe bis heute „kein normales jüdisches Leben in Deutschland“.

          Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinden in Darmstadt, hat sich positiv zu den Sicherheitsvorkehrungen für Synagogen und jüdische Einrichtungen geäußert. Er habe den Eindruck, „dass von der Polizei alles getan wird, um uns ein gutes Gefühl zu geben“. Die Synagoge in Darmstadt werde bis auf Weiteres rund um die Uhr von Polizisten gesichert und nicht mehr nur Polizeischutz bei Veranstaltungen gewährt. Auch von anderen Gemeinden habe er gehört, dass die Polizei zügig reagiert habe. „Wir sind nicht in Aufruhr und fühlen uns gut aufgehoben“, sagte Neumann. Gleichwohl müsse man nach den Ereignissen in Halle über einen verbesserten Schutz Jüdischer Gemeinden nachdenken. Darüber wolle der Landesverband mit der Landesregierung sprechen.

          Mehr Schutz für Gemeinde und Synagoge

          Bei den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Bad Homburg habe die unfassbare Tat von Halle das Sicherheitsgefühl verändert, sagte Rabbi Ber Rabinowitz. Viele hätten jetzt Angst, die Synagoge zu besuchen. Mehr Sicherheit und Schutz für die Gemeinde und die Synagoge wünscht sich auch Illiyav Arthur vom Vorstand des Vereins der Freunde und Förderer der jüdischen Kultur und Religion Bad Homburg. Bei einem Treffen im Rathaus versicherten Oberbürgermeister Alexander Hetjes und Bürgermeister Meinhard Matern (CDU) der Gemeinde dabei ihre Unterstützung.

          Hetjes sagte, außer Beileidsbekundungen brauche es jetzt vor allem Zivilcourage bei Entscheidungsträgern und der Zivilbevölkerung. Solidarität mit den Bürgern jüdischen Glaubens müsse eine Selbstverständlichkeit werden, erklärte außer Hetjes und Matern auch Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor. Der Oberbürgermeister kündigte an, ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen Antisemitismus und Diskriminierung schmieden zu wollen. Dazu zählten gemeinsame Projekte mit den weiterführenden Schulen für ein starkes Miteinander.

          „Wir fühlen uns sicher“, sagte am Donnerstag eine Mitarbeiterin der jüdischen Gemeinde in Offenbach. Das sei vor allem der Polizeipräsenz vor der Synagoge geschuldet. Wenn etwa der Kindergarten öffne sei die Streife schon da und wache mindestens bis zur Schließung gegen 16.30 Uhr. Außerdem wachten die Polizisten an allen jüdischen Feiertagen vor der Synagoge und während aller sonstigen Gottesdienste. Zudem engagierten sich Gemeindemitglieder ehrenamtlich als Sicherheitskräfte.

          Das Bündnis „Main-Taunus – deine Stimme gegen rechts“ lädt die Bevölkerung für Freitag. 11. Oktober um 17 Uhr zu einer Mahnwache auf dem Hofheimer Tivertonplatz ein.

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