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„Pessimistischer Optimismus“ : Mainzer fühlen sich sicher – und sind es auch

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Geben Narren ein sicheres Gefühl: Polizisten beim Rosenmontagsumzug in Mainz. Bild: dpa

Das publizistische Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz stellt das Ergebnis einer Umfrage vor. Allerdings hat die Erhebung ein Manko.

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          Der Mainzer an sich pflegt offenbar einen sehr pragmatischen Umgang mit Bedrohungen von außen. Zwar schätzen 44 Prozent der Bürger die Terrorgefahr bei Großveranstaltungen wie Rosenmontag, Johannisnacht und Weihnachtsmarkt als besonders hoch ein – für sehr oder ziemlich wahrscheinlich, Opfer eines entsprechenden Anschlags zu werden, halten es aber nur 5,9 Prozent. „Man könnte von einem pessimistischen Optimismus sprechen“, sagt Gregor Daschmann. Der Publizistikprofessor der Johannes-Gutenberg-Universität stellte gestern die Ergebnisse der Mainzer Sicherheitsumfrage vor, die sein Institut in Kooperation mit Stadt und Polizei vorgenommen hat.

          Die Auswertung von knapp 2200 Fragebögen ergab als Quintessenz: Die Mainzer fühlen sich in ihrer Stadt sehr sicher, deutlich sicherer als dies in anderen deutschen Großstädten der Fall ist – und dieses subjektive Gefühl korrespondiert mit den objektiven Daten der Polizei. In Rheinland-Pfalz weise die Landeshauptstadt die niedrigste Kriminalitätsrate aller Oberzentren aus, zog Polizeipräsident Reiner Hamm den Vergleich mit Trier, Kaiserslautern, Ludwigshafen und Koblenz.

          Eine Einschränkung, bedauerte Daschmann, müsse er allerdings machen: Die Daten seien zwar repräsentativ, allerdings nur für die deutsche Wohnbevölkerung. Der Anteil ausländischer Teilnehmer an der Befragung sei zu gering gewesen, um daraus verwertbare Erkenntnisse abzuleiten. „Das ist kein Mainzer Phänomen“, erläuterte er. Menschen ohne deutschen Pass oder mit nichtdeutscher Muttersprache nähmen selten an solchen Befragungen teil. Unter anderem aus Skepsis oder weil sie glaubten, sie seien von der Thematik nicht betroffen.

          Subjektive und objektive Einschätzungen gleich

          Ausgesprochen positive Werte ergaben die Fragen nach der jeweiligen Wohngegend. Abgesehen davon, dass mehr als 78 Prozent der Befragten gern in ihrem Quartier leben, halten 90 Prozent dieses Viertel beziehungsweise den Stadtteil auch für sicher. Tagsüber jedenfalls. Bei Dunkelheit glauben das nur noch knapp 62 Prozent. „Mit realer Gefahr hat das nichts zu tun“, erläuterte Daschmann. „Menschen fühlen sich generell unsicherer, wenn es dunkel ist.“

          Auch dass 36 Prozent der Meinung sind, in ihrer Gegend kontrollierten Behörden und/oder die Polizei in ausreichendem Maße, müsse man nicht überbewerten: Wo es nichts zu tun gebe, sei die Anwesenheit der Polizei nun mal nicht erforderlich. Die ist eher in Hauptbahnhofsnähe oder anderen Innenstadtgebieten mit hohem Menschenaufkommen erforderlich. „Auch hier decken sich subjektive und objektive Einschätzung“, bestätigte Polizeichef Hamm.

          Dass Polizeipräsenz sich beruhigend auswirken kann, aber nicht muss, zeigen die Antworten auf die Frage nach Sicherheitsvorkehrungen bei Großveranstaltungen. Uniformierte Beamte vor Ort vermitteln demnach 57 Prozent der Bürger ein Sicherheitsgefühl; es ist der mit Abstand höchste Wert aller möglichen Angaben.

          Zufahrtswege mit Betonblöcken oder Müllfahrzeugen zu blockieren beruhigte immerhin noch 43 Prozent – zu Unrecht, übrigens. Aber zum Zeitpunkt der Umfrage hatte sich in Mainz noch nicht herumgesprochen, dass solche Sperren kontraproduktiv sind, weshalb der Mainzer Weihnachtsmarkt in diesem Jahr mittels neuer Barrieren geschützt wird.

          Nachjustieren, wenn nötig

          Mit Maschinenpistolen ausgestattete Polizisten sichtbar zu plazieren führt bei 22 Prozent der Bürger dazu, sich sicherer zu fühlen. Daschmann wundert das nicht: „Man kennt das ja vom Flughafen. Wenn man da in der Schlange steht, bekommt man beim Anblick schwerbewaffneter Beamter eher ein mulmiges Gefühl.“

          Der Stadt dienten die Ergebnisse der ersten Sicherheitsumfrage nach 15 Jahren als Ansporn, „dass es nicht nur so bleibt, sondern dass wir immer nachjustieren, wenn es nötig ist“, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD).

          Auch bei Kriminalitätsformen wie Cybermobbing müsse man aufmerksam bleiben und gegensteuern. Eine Aufgabe, der sich der Kommunale Präventivrat stelle, der sich um alle Themen von Jugendschutz bis Seniorensicherheit kümmere – also quasi von Internet bis Enkeltrick.

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