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Kommentar : Für eine sichere Innenstadt

  • -Aktualisiert am

Tatort: Am 11. Juni 2017 wird in der Wiesbadener Innenstadt ein Mann bei einer Messerstecherei getötet. Bild: dpa

Die Ängste vieler Wiesbadener Bürger vor Kriminalität in der Fußgängerzone sind berechtigt. Stadt und Polizei haben gerade noch rechtzeitig reagiert und eine Fülle von Maßnahmen vereinbart, die Anerkennung verdienen.

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          Sexuelle Übergriffe in Taxis, waffentragende und streitsüchtige Intensivtäter in der Stadtmitte, ängstliche Bürger in der Fußgängerzone: So kann es nicht weitergehen in einer Landeshauptstadt, die auch als touristisches Ziel attraktiv ist und die nach der Eröffnung des neuen Kongresszentrums wieder zunehmend von Tagungsgästen und Seminarteilnehmern besucht werden wird. Dass die Ängste vieler Wiesbadener Bürger berechtigt sind, zeigen einige schwere Kriminalfälle in jüngerer Zeit ebenso wie die polizeilichen Statistiken.

          Wenn es in einer deutschen Großstadt offenbar immer mehr Menschen für richtig oder gar notwendig halten, sich mit Waffen in die Innenstadt zu begeben, dann läuft etwas gravierend falsch. Ganz egal, ob die Waffe aus fragwürdigen Motiven oder aus Gründen des Selbstschutzes getragen wird. In einer freien Gesellschaft dürfen solche Fehlentwicklungen nicht toleriert werden, wenn diese Freiheit nicht Stück für Stück verlorengehen soll.

          Versenkbare Poller sind unausweichlich

          In Wiesbaden haben Stadt und Polizei gerade noch rechtzeitig reagiert und eine Fülle von Maßnahmen vereinbart, die Anerkennung verdienen. Die Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, an denen fast täglich Straftaten geschehen, ist ein angemessener Schritt, zumal sie nicht exzessiv ausgeweitet wird. Wenn die Polizei bei Übertretungen des Gesetzes nicht weg-, sondern genau hinsehen soll, dann muss sie sich dabei auch Kameras bedienen dürfen.

          Versenkbare Poller sind nach den erschütternden Erfahrungen von Nizza, Berlin und Münster wohl unausweichlich, um große Menschenmengen in Innenstädten wirksam vor Amokläufen zu schützen. Zu hoffen bleibt, das sie möglichst schnell die klobigen Betonwürfel ersetzen, die jeden Innenstadtbesucher allzu sehr an Gefahren für Leib und Leben erinnern.

          Auch das konsequente Vorgehen gegen Intensivtäter wird hoffentlich nicht ohne Wirkung bleiben. Mit polizeilichen Mitteln allerdings können nicht alle Probleme einer City gelöst werden. Je belebter eine Fußgängerzone auch am späten Abend ist, desto weniger Platz bleibt für lichtscheues Gesindel. Voraussetzungen sind ein Gefühl der Sicherheit, aber auch ein Ambiente des Wohlfühlens. Dazu gehören neben erträglichen Parkgebühren attraktive Geschäfte und gemütliche Kneipen, die einen ausgedehnten Bummel lohnen. Auch dafür muss die Stadt ein ideenreiches Konzept entwickeln.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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