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Sicca-Nahrungsmittel GmbH : Mahlzeiten aus Langen für Hochwasserhelfer

Die Mischung macht‘s: Herstellung von Trockenprodukten bei Sicco Bild: Wohlfahrt, Rainer

Die Sicca-Nahrungsmittel GmbH versorgt Menschenmengen mit Nahrung, so auch die Hochwasser-Helfer. 1000 Produkte sind am Lager.

          Der Anruf kam am Freitag vergangener Woche um 19 Uhr. In weiten Teilen Deutschlands herrschte Hochwasser; nicht nur die Helfer hatten Hunger und wünschten sich eine warme Mahlzeit. In Magdeburg war für die „Gulaschkanonen“ jedoch kein Nachschub mehr zu bekommen. Von dort meldete sich die Freiwillige Feuerwehr telefonisch bei der Firma Sicca-Nahrungsmittel GmbH in Langen und bestellte Verpflegung gleich für 6000 Personen: Das Unternehmen, seit 2009 an der Paul-Ehrlich-Straße ansässig, hat unter anderem Einsatz- und Katastrophen-Verpflegung im Angebot und stellt in Notfällen einen 24-Stunden-Service sicher.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Gudrun Naumann, Inhaberin und Geschäftsführerin von Sicca, Betriebsleiter Abdullah Babbili und sein 14 Jahre alter Sohn, der gerade ein Praktikum absolvierte, begannen zu vorgerückter Stunde, Nudeln, Gemüse und Gewürz-Kräuter-Bindung als Trockenmischung zuzubereiten und abzupacken. Am Samstagmorgen um 3 Uhr seien 120 Plastikgefäße mit jeweils 3,3 Kilogramm Nudelgemüsetopf „Food 50“ gefüllt gewesen, erinnert sich Babbili. Zwei DRK-Helfer holten die insgesamt fast 400 Kilogramm schwere Bestellung mit Blaulicht noch in der Nacht ab. Aus 3,3 Kilogramm „Food 50“ und 22 Liter kochendem Wasser lässt sich eine schmackhafte vegetarische Mahlzeit für 50 Personen zubereiten. Bei Bedarf kann gegartes Fleisch zugegeben werden.

          „Darauf bin ich stolz“

          Am Montag ging der nächste Hochwasser-Auftrag bei Sicca ein: Das Rote Kreuz aus dem Rheinland bestellte „Food 50“ für 10000 Menschen; auch diese Nahrungsmittel waren für Magdeburg gedacht und sollten noch am gleichen Abend abgeholt werden. Für das kleine Unternehmen bedeutete dies einen Wettlauf gegen die Zeit: Man habe die gesamte sonstige Produktion gestoppt, um zuerst diese Bestellung zu erledigen, sagte Babbili. Diesmal waren 200 Boxen zu je 3,3 Kilogramm zu füllen. Am Montag um 20 Uhr gingen 660 Kilogramm Nudelgemüsetopf für die Feldküchen im Magdeburger Hochwassergebiet auf die Reise. Für das DRK ist Sicca kein Unbekannter: So hatte das bayerische Rote Kreuz das Unternehmen ausgewählt, um seine Einsatzfahrzeuge mit „Food 50“ zu bestücken. „Darauf bin ich stolz“, sagte Naumann. Schon manches Mal sei sie nachts von der Polizei an ihrer Wohnung abgeholt worden und habe dann am Firmensitz „Sachen herausgegeben“.

          Auch beim Evangelischen Kirchentag, der 2001 in Frankfurt stattfand, war Sicca gefragt: Für dreimal 60000 Personen habe man damals Mahlzeiten geliefert und die Ausgabe organisiert. 1949 hatte Naumanns Vater Rudolf Schmied das Unternehmen, das früher im Dreieicher Stadtteil Buchschlag ansässig war, gegründet. Nach dem Tod des Vaters übernahm Naumann die Leitung. Als die Räume in Buchschlag gekündigt wurden, ging das Unternehmen vor vier Jahren auf die Suche nach einem neuen Domizil und wurde in Langen fündig. Wegen des Umzugs habe man sich damals verkleinern müssen, sagte Naumann; seither gehe es „wieder aufwärts“. Acht Menschen werden in Langen beschäftigt; weitere zwölf Mitarbeiter sind im Außendienst tätig. Mehr als 400 verschiedene Rohstoffe wie gemahlene Muskatnuss, Pfeffer, Thymian oder Petersilie hält Sicca im Lager vor. Blaue Plastikfässer tragen Aufschriften wie „Rotwein natürlich“, „Pfirsich Aroma“, „Kaffee Aroma“ oder „Prosecco natürlich“. Hergestellt werden Eintopfgerichte, Risottos, Gewürzmischungen, Suppen, Saucen, Süßspeisen und Müslimischungen - insgesamt etwa 1000 verschiedene Produkte. Zu den Kunden gehören Werksküchen der Industrie, Krankenhäuser, Altenheime, Jugendherbergen, Justizvollzugsanstalten und Hilfsorganisationen.

          Nur 50 Gramm für 100 Kilo

          Naumann, 72 Jahre alt, denkt noch nicht ans Aufhören: „Arbeit hält fit.“ Sie mache die Rezepte selbst und wisse genau, was die Produkte enthielten. Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder sonstige Zusatzstoffe bleiben außen vor, wie Babbili ausdrücklich hervorhebt. Alle eingesetzten Produkte seien zurückzuverfolgen; das Unternehmen ließ sich nach der Norm FSSC 22000 zertifizieren. Sicca sei ein „richtiger Manufakturbetrieb“, so Naumann. Man könne sehr schnell auf Kundenwünsche reagieren. Angelieferte Rohstoffe wie Lorbeerblätter, rosa Pfeffer oder gemahlene Nelken werden sorgfältig kontrolliert.

          Zutaten, die für Gewürzmischungen mit Namen wie „Oriental“, „Geheimnis des Südens“ oder „Dipp à la Provence“ nötig sind, werden exakt vorgewogen. Babbili, der aus Syrien stammt und seit zweieinhalb Jahren bei Sicca tätig ist, wies darauf hin, bei manchen Rezepturen seien auf 100 Kilogramm Gesamtgewicht nur 50 oder 100 Gramm eines bestimmten Gewürzes beizugeben. Im Turbulentmischer treffen die Bestandteile aufeinander. Dabei ist eine Trommel für salzige Produkte, eine zweite für süße Produkte reserviert. Besonders stolz ist Naumann auf die Sicca-Aufbaunahrung für ältere Menschen, die als Basispulver Speisen beigemischt werden kann. Eines möchte Naumann gerne ändern: Eine Firma wie Nestlé sei überall bekannt. Der Name Sicca müsse noch bekannter werden.

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