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Sexarbeiter in Corona-Zeiten : Wenn das Rotlicht aus ist

Geschlossene Gesellschaft: Die Laufhäuser und Tanzbars im Bahnhofsviertel sind dicht. Das bringt viele Prostituierte in eine schlimme Lage. Bild: Helmut Fricke

Wer im Frankfurter Bahnhofsviertel sein Geld mit Sex verdient, hat es schon in normalen Zeiten schwer. Doch jetzt legt das Coronavirus alles lahm. Wie soll jemand die Krise überleben, dessen Kapital sein Körper ist?

          5 Min.

          Es ist auf eine seltsame Art ruhig im Bahnhofsviertel in diesen Tagen. Vieles ist anders, jetzt wo die Sorge um Covid-19 vor nichts Halt macht. Nicht mal vor den Straßenzügen Frankfurts, in denen die Welt normalerweise anderen Regeln folgt. Hier, wo es sonst immer blinkt, leuchtet und glitzert, wo man sich zu den unmöglichsten Zeiten Sex kaufen kann und alles bekommt, was Körper und Seele in andere Sphären bringt, sind die Türen genauso geschlossen wie sonst überall im Land. Aber für viele, die hinter diesen Türen sonst jeden Tag ihr Geld verdienen, haben die Schließungen harte Folgen. Die Frauen aus den Laufhäusern, den FKK-Clubs und den Massage-Salons führen ohnehin oft Leben unter prekären Bedingungen. Ähnlich wie viele der Jungs und jungen Männer, die auf den Straßen, in den Kneipen und im Internet Kontakte zu ihren Freiern knüpfen. Jetzt ist ihnen endgültig der Boden unter den Füßen weggezogen. Die Krise macht sichtbar, mit welchen Realitäten sie auch in normalen Zeiten zu tun haben. Die sind nicht schön – und jetzt umso brutaler.

          Anna-Sophia Lang
          (anla.), Rhein-Main-Zeitung

          Die meisten der Frauen kommen inzwischen aus Rumänien und Bulgarien. Der Großteil sind sogenannte Armutsprostituierte. Fragt man bei den Organisationen nach, bei denen sie sich Unterstützung holen können, hört man, dass die Grenzen zwischen Freiwilligkeit und Zwang fließend sind. Gewalt und Not sind zwar nicht so häufig Thema, wie gesellschaftlich gemeinhin angenommen wird. Nicht jede Frau wird von einem Zuhälter zur Arbeit geprügelt, nicht jeder wird ihr ganzes Geld abgenommen, nicht jede wird unter falschem Vorwand nach Deutschland gebracht. Viele, sagen Street-Workerinnen, entscheiden sich am Heimatort, sexuelle Handlungen für Geld anbieten zu wollen. Viele sind auch in festen Beziehungen oder verheiratet mit Männern, die an ihrer Arbeit mitverdienen. Die Modelle sind vielfältig. Aber es stecken trotz allem oft Ausbeutungsstrukturen dahinter, die sich jetzt in der Krise umso mehr rächen.

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