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Mutmaßlicher Serienmörder Seel : Ermittlungen in der Nebelkammer

Fingerabdrücke könnten ihn überführen: Manfred Seel Bild: dpa

Hat Manfred Seel auch Tristan Brübach ermordet? Diese Frage soll nun eine Klarinette des toten Verdächtigen beantworten. Die Untersuchung jedoch ist aufwendig.

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          Die Klarinette wird gut geschützt. Seit Tagen schon liegt sie im Labor des Hessischen Landeskriminalamts (LKA) unter den „Asservaten mit besonderer Priorität“. Sollte es stimmen, was über sie gesagt wird, nämlich dass sie früher einmal dem mutmaßlichen Serienmörder Manfred Seel gehört hat, dann käme dem Instrument tatsächlich eine Schlüsselrolle zu.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ermittler sagen, das sei genau das Puzzleteil, das ihnen noch gefehlt habe. Wenn es gelänge, die Fingerabdrücke auf dem Instrument zu sichern und sie dem Verdächtigen zuzuordnen, dann hätten sie erstmals ein vollständiges Fingerspurenbild des Verdächtigen - und somit womöglich auch die Verbindung zum Mord an Tristan Brübach. An einem Heft des Schülers wurde damals ein blutiger Fingerabdruck gefunden, der bis heute nicht zugeordnet werden konnte und der aus Sicht der Ermittler aller Wahrscheinlichkeit nach vom Täter stammt. Sollte einer der Fingerabdrücke Seels zu dem Abdruck auf dem Heft passen, wäre das ein Indiz für die Vermutung, dass Seel außer den weiblichen Mordopfern auch Tristan Brübach getötet hat.

          Wo brauchbare Spuren zu finden?

          Die Untersuchung der Klarinette ist allerdings aufwendig. Bis zu einigen Tagen könne es dauern, bis ein Ergebnis feststehe, heißt es im LKA. Am Beginn einer solchen Suche steht zuallererst der Gedanke: An welchen Stellen könnten sich überhaupt brauchbare Spuren befinden? „Dann erst beginnt die Untersuchung im Labor“, sagt ein Sprecher.

          Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, immer davon abhängig, um welche Art von Oberfläche es sich handelt. Kriminaltechniker unterscheiden zwischen „saugenden“ (wie Papier) und „nicht saugenden“ Oberflächen, zu denen Kunststoff gehört. Wichtig ist es, die Methode zu finden, die den Fingerabdruck an einem Gegenstand am besten sichtbar macht, ohne die empfindliche Spur zu zerstören.

          Harte Gegenstände werden in der Regel in einer speziellen Kammer mit Cyanacrylat, einer Art flüssigem Sekundenkleber, bedampft. Dadurch lagern sich Moleküle an den Fingerspuren ab und machen sie sichtbar. Allein die Bestäubung kann mehrere Tage dauern. Um die Kontraste zu verstärken, werden oft leuchtende Farbstoffe eingesetzt. Dann werden die Abdrücke fotografiert und digitalisiert, damit sie später am Bildschirm von Daktyloskopen begutachtet werden können.

          Im Fall der Klarinette sind vor allem aber die Griffe interessant. Dort erhoffen sich die Ermittler besonders gut erhaltene Fingerspuren. Die sind bei jedem Menschen einmalig. Die Daktyloskopie weist jedem Abdruck zwölf Merkmale zu, sogenannte Minutien. Diese Merkmale brauche man, damit ein Abdruck als vollwertig gelte und später vor Gericht als Beweis verwertbar sei, sagt der LKA-Sprecher. Werden etwa nur acht Merkmale oder sogar weniger gefunden, verliert der Abdruck stark an Beweiskraft. Es sei denn, eines der Merkmale ist besonders aussagekräftig.

          Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Abdruck eine Narbe aufweist. Schwierig sind deshalb Teilabdrücke. So wie auf dem Heft von Tristan Brübach. Dennoch sind die Ermittler zuversichtlich, denn auch wenn zwischen den Wirbeln und Linien nicht alle Merkmale zu finden sind, so gibt der Vergleich zwischen dem Abdruck auf dem Heft und den Fingerspuren auf der Klarinette zumindest eine Ahnung, ob Seel als Täter in Frage kommt.

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