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Bestwert bei Corona-Genesenen : Serie dreistelliger neuer Covid-Fälle reißt in Hessen nicht ab

Kulturwandel: Biontech will eine Impfstoff-Fabrik von Novartis in Marburg kaufen – hier ein Foto aus der Qualitätskontrolle dieses Standorts Bild: dapd

Im Juni gab es zum Teil über Nacht in Hessen gar keine bestätigte Covid-19-Neuinfektionen, mittlerweile sind nur zweistellige Anstiege die Ausnahme. Gleichwohl stagniert die Zahl der Corona-Opfer.

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          Mit Zahlen ist das immer so eine Sache: Sie müssen im Zweifel interpretiert werden. So ist das auch mit den täglichen Daten zum Infektionsgeschehen in Hessen und anderswo in Deutschland. Über Nacht haben die hessischen Gesundheitsämter 6,7 Prozent der neuen bestätigen Covid-19-Fälle im Bund gemeldet. Das klingt auf den ersten Blick gut. Denn Hessen stellt knapp acht Prozent der Gesamtbevölkerung. Insofern ist der Anstieg prozentual geringer, als der Bevölkerungsanteil es erwarten ließe.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Andererseits handelt es sich wieder um eine dreistellige Zahl. 149 neue Fälle weist das Robert-Koch-Institut für Hessen aus. Sie bestätigen die Serie der vergangenen Wochen, in denen zweistellige Anstiege die Ausnahme waren. Zum Vergleich: Im Juni gab es zum Teil null bestätigte Neuinfektionen. Allerdings werden seitdem auch mehr Proben genommen und Tests ausgewertet.

          Im Tagesverlauf ist ein Ausbruch unter Amateur-Fußballern in und um Gelnhausen bekannt geworden: 1000 Kontaktpersonen befinden sich in häuslicher Isolierung.

          Rund 100 weitere Genesene

          Erfreulich: Laut Robert-Koch-Institut ist kein weiterer Todesfall zu beklagen, nachdem tags zuvor zwei weitere Corona-Opfer verzeichnet worden waren. Offiziell bleibt es mithin bei 542 Todesfällen in Zusammenhang mit der Pandemie. Gleichzeitig geht das kurz RKI genannte Bundesinstitut von 100 weiteren Genesenen aus.

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          Demnach haben rund 15.400 Personen ihre Infektion überstanden. Folglich steigt das rechnerische Verhältnis von Genesenen zu Todesfällen weiter. Es hat den Bestwert von 28,5 erreicht.

          Laut Sozialministerium behandelten die hessischen Kliniken zuletzt 29 Infizierte intensivmedizinisch; alles in allem liegen demnach 251 Covid-Patienten in heimischen Krankenhäusern. Im Uniklinikum von Frankfurt ist die Zahl „niedrig“, wie ein Sprecher der F.A.Z. sagte, dem Vernehmen nach einstellig. Gleiches galt auch im Uniklinikum Gießen und Marburg. „Derzeit gibt es 717 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern“, heißt es im Ministerium. Insgesamt seien 6052 Klinikbetten unbelegt, 325 weniger als vor einer Woche. Die Zahlen werden laut Ministerium wöchentlich aktualisiert.

          Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek erklärt die geringe Zahl von Covid-Kranken in Kliniken mit dem Umstand, dass anders als im Frühjahr vor allem jüngere Menschen infiziert sind. Sie warnt davor, von einem ausstehenden Impfstoff zu viel zu erwarten. Und hebt hervor: „Ich möchte die Erkrankung nicht haben.“

          Hängepartie in Marburg

          Ein Dutzend der 149 neuen Fälle hat das Frankfurter Gesundheitsamt gemeldet. Insgesamt kommt die Mainmetropole seit März auf 3018 Infektionen und Hessen auf 17.233. Die für den Bestand von Lockerungen wichtige Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist bestätigten Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern, steht für die Stadt nun eine 16,6 zu Buche; der kritische Wert beträgt 50. Der Kreis Groß-Gerau weist die höchste Inzidenz in Hessen auf. 25,5 erfordert nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik) erhöhte Aufmerksamkeit. Wiesbaden, das gerade wieder Großveranstaltungen erlaubt hat, aber Besuche in Kliniken weiter untersagt, kommt auf 16,5.

          Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen nach wie vor auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen zu testen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg an diesem Donnerstag der F.A.Z.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

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