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Seniorenticket für 365 Euro : Als Alternative zum Auto

Werbung im Zug: Landrat Ulrich Krebs (am Mikrofon) begleitet Senioren nach Usingen. Bild: Maximilian von Lachner

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund wirbt zum Verkaufsstart für das Seniorenticket. Doch manchmal hakt es an sieben Minuten.

          3 Min.

          Die Fahrt war nicht sehr lang und am Ziel wartete ein zweites Frühstück im Bahnhof: Mit 40 älteren Menschen aus dem Hochtaunuskreis sind Landrat Ulrich Krebs (CDU) als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) und RMV-Geschäftsführer André Kavai von Grävenwiesbach nach Usingen gefahren, um für den Verkauf des Seniorentickets zu werben. Die Jahreskarte für Personen, die mindestens 65 Jahre alt sind, kann seit dieser Woche erworben werden. Damit fahren darf man allerdings erst vom 1. Januar an. Sie kostet 365 Euro und gilt in ganz Hessen sowie in Mainz.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Ellen Nöll aus dem Usinger Stadtteil Eschbach ist sehr am Seniorenticket interessiert. „Es kommt nur zu spät“, sagt sie. Denn jetzt sei sie im Ruhestand und fahre nicht mehr ganz so oft nach Frankfurt. Aber immer noch häufig genug, dass sich die Ausgabe für sie lohne. Einen kleinen Haken hat sie entdeckt, der mit dem Fahrplan zu tun hat. „Um 8.53 Uhr fährt ein Zug in Usingen ab“, sagt sie – das Seniorenticket gilt werktags aber erst von 9 Uhr an. „Damit kann ich erst eine ganze Stunde später fahren.“ Die Fahrtzeit von einer Stunde komme ja noch hinzu, merkt Ingeborg Dörr aus Usingen an. Trotzdem würde sie gerade für Fahrten in die Frankfurter Innenstadt vom Auto auf die Taunusbahn umsteigen. „Und wenn erst die S5 durchfährt, das wäre super.“

          Für wen lohnt sich welches Ticket?

          Der Verkehrsverband Hochtaunus plant, die Taunusbahnstrecke zu elektrifizieren und so die S-Bahnlinie bis nach Usingen zu verlängern. Hannelore Niederhäuser wohnt in Hundstadt und kann zwar für Fahrten in die Nachbarschaft auch künftig nicht auf das Auto verzichten. Nach Frankfurt aber findet sie den Zug attraktiv. Was in diesem Fall kein Problem darstellt: Auch wenn der Grävenwiesbacher Ortsteil kaum 900 Einwohner hat, liegt er an der Taunusbahnstrecke und hat einen Bahnhof.

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          Wer nicht an die Zeitvorgaben gebunden sein will, kann das Seniorenticket Hessen Komfort nehmen. Es ist zwar mit 625 Euro im Jahr deutlich teurer. Dafür gilt es rund um die Uhr, man kann ohne Zuschlag die erste Klasse nutzen und darf abends von 19 Uhr an und am Wochenende einen Erwachsenen und beliebig viele Kinder unter 15 Jahren mitnehmen. Für Werner Knörr aus Grävenwiesbach kommt allerdings schon das normale Seniorenticket nicht in Frage. „Ich müsste mehr als 20 Mal nach Frankfurt fahren, damit es sich lohnt.“ Das mache er aber nur sporadisch, deshalb sei für ihn der Einzelpreis von 17,20 Euro für die Hin- und Rückfahrt günstiger.

          Auch Marianne Gärtner hat genau gerechnet und sich vorerst gegen das Seniorenticket entschieden. Was daran liegt, dass sie eine Bahncard 25 besitzt. Damit kosten Einzelfahrten 25 Prozent weniger. Im Vergleich zu anderen Regionen wie München und Bonn findet sie den RMV „extrem teuer“.

          Gleise der Taunusbahn waren bereits abgebaut

          Landrat Krebs erklärt, warum er für die Informationsfahrt gerade den nördlichen Rand des Kreises gewählt hat. „Hier fährt die Taunusbahn, sie ist das Rückgrat des Nahverkehrs im Usinger Land schlechthin.“ Grävenwiesbach wiederum bilde ein Scharnier zwischen Bad Homburg und Weilburg, ergänzt Kavai. Zur Stadt an der Lahn müssen Fahrgäste den Bus nehmen, während der Hochtaunuskreis vor 30 Jahren die Taunusbahnstrecke nach Bad Homburg gekauft und damit gerettet hat. „Im Hasselborner Tunnel waren die Gleise schon abgebaut“, erinnert sich der Grävenwiesbacher Erste Beigeordnete Heinz Radu (FWG).

          Heute nutzen mehr als 10.000 Fahrgäste am Tag die Taunusbahn. Nach Angaben des RMV sind im Hochtaunuskreis täglich etwa 54.000 Fahrgäste mit Bus und Bahn unterwegs, vor allem Pendler und Schüler. Fast ebenso viele Bewohner des Landkreises sind älter als 65 Jahre. Auf sie hofft Geschäftsführer Kavai als künftige Nahverkehrskunden, zumal die bisherigen 65-plus-Jahreskarten immer beliebter geworden seien, die nun vom Seniorenticket abgelöst werden.

          Eines der ersten bekommt Klaus Heil aus Oberursel, der es am Montag in einer Verlosung während der Informationsveranstaltung gewonnen hat. „Ich hätte es mir auf jeden Fall gekauft“, sagt Heil, der sich als Vorsitzender der Frankfurter Theatergemeinde engagiert. Deshalb sei er ohnehin oft zu Kulturveranstaltungen in Frankfurt, seine Frau komme aus Limburg, nach Fulda und Kassel wollten sie ohnehin mal fahren und eine Tour nach Rüdesheim sei doch auch schön: Mit Heil ereilte das Los den Idealtypus des Seniorenticket-Nutzers.

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