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Holland als Vorbild : Seniorenteller mit Sternchen

  • -Aktualisiert am

Phantasielos: Ein Seniorenteller ist häufig nicht einfallsreicher als Schulessen (Symbolbild) Bild: dpa

Die Stadt Frankfurt will das gastronomische Angebot für Ältere verbessern - wie das geht, machen die Holländer vor.

          2 Min.

          Fleisch, Kartoffeln, Gemüse. Alles schön weich kochen und auf einem dieser dreigeteilten Porzellanteller anrichten: Fertig ist das Seniorenessen. Ganz so einfach ist es nicht. Jedenfalls nicht mehr. Denn offenbar haben die Senioren von heute anspruchsvollere Gaumen als frühere Generationen. Das Frankfurter Sozialdezernat hat festgestellt, dass die Besucherzahlen der Senioren-Restaurants zurückgehen. Dafür nutzten mehr und mehr hungrige Ältere die Angebote etwa in größeren Supermärkten, in Metzgereien und - vermutlich Vegetarier - in Gartencentern. Um das zu ändern, will die Stadt nun Anreize für bessere Seniorenteller schaffen.

          Erreichen möchte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld den Qualitätssprung mit einer Auszeichnung für besonders gute Angebote, einer Art Guide-Michelin-Stern für seniorenfreundliche Lokale. In einem Bericht aus dem Haus der CDU-Politikerin heißt es, dass mit dem richtigen Konzept das Interesse vieler Küchen geweckt werden könnte.

          30.000 Euro für den Anfang nötig

          Die Idee kommt nicht ganz überraschend. Auf einer Reise nach Den Haag hatten sich die Sozialdezernentin und einige Stadtverordnete im vergangenen Jahr angeschaut, was die Hauptstadt des Frikandel-Landes für Senioren tut. Den Haag tut einiges, unter anderem hat es ein Programm entwickelt, um die Qualität von Senioren-Restaurants zu bewerten. Wer die Kriterien am besten erfüllt, bekommt eine Auszeichnung, den „Gouden Bordjes“, zu Deutsch: Goldenen Teller.

          Die Organisatoren berichteten davon, wie die Aussicht auf das Prädikat, das es auch in Silber und Bronze gibt, Küchenchefs und Gastronomen anspornt und wie sich die Qualität verbessert hat. Die Frankfurter Delegation hörte gut zu, speiste aufmerksam und nahm die Idee mit über die Grenze. Kurz darauf und noch vor der vergangenen Kommunalwahl flatterte dem Sozialdezernat eine Anregung von Grünen und CDU ins Haus: Könnte man so etwas nicht auch in Frankfurt hinbekommen?

          Nun hat das Dezernat auf die vermutlich nicht vollkommen unerwartete Anfrage reagiert. Der entsprechende Bericht liest sich denn auch so, als wäre ihm ein „Wir haben da schon einmal was vorbereitet“ vorangestellt. Ja, eine Aktion wie der „Goldene Teller“ ist auch hier denkbar. Das Dezernat hat durchgerechnet, dass das Programm am Anfang 30.000 Euro kosten würde, hinzu kämen jedes Jahr 5000 Euro, womöglich könnten sich die getesteten Restaurants an den Kosten beteiligen.

          Potentielle Bewerber gibt es genug. Die „Seniorenzeitschrift“ - das städtische Zentralorgan für alle Bürger jenseits der Jugendlichkeit - listet acht Senioren-Restaurants auf, dazu vier Anbieter von Essen auf Rädern. Die Stadt hat aber noch viele andere Restaurants ausgemacht, die sich beteiligen könnten, wenn die Auszeichnung erst einmal auf dem Markt wäre.

          Eine wichtige Rolle spielen in dem Konzept die ehrenamtlichen Testesser. In Den Haag tafeln geschulte Prüfer möglichst unerkannt in den Restaurants und untersuchen 50 Punkte: Gibt es eine gute Auswahl, wird direkt in der Einrichtung gekocht, nehmen die Köche Rücksicht auf religiöse Vorlieben?

          Diese ehrenamtlichen Gourmets zu finden und auf ihre delikate Aufgabe vorzubereiten wäre auch in Frankfurt eine Kernaufgabe für die Organisatoren. Die Jury müsste entsprechende Schulungen bekommen und sich streng objektiv an die Maßstäbe halten. Ins Gartencenter können die älteren Damen und Herren ja danach immer noch gehen.

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