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Problempark in Offenbach : Wenn Randale die Anwohner vertreibt

Teilzeitschönheit: Im Senefelderpark in Offenbach sollen Anwohner eigentlich entspannen. Nach Sonnenuntergang stehen die Chancen dafür schlecht. Bild: Maximilian von Lachner

Klagen über gewalttätige Jugendliche und Dealer am Senefelderplatz in Offenbach häufen sich. Die Corona-Einschränkungen verschärfen die Lage zusätzlich.

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          Dort hat einmal das Werk 1 des Druckmaschinenherstellers MAN Roland gestanden. 1871 in Frankfurt gegründet, ist das Unternehmen schon ein Jahr später nach Offenbach gezogen an die heutige Christian-Pleß-Straße, die damals noch Sedanstraße hieß. Inzwischen stehen auf dem alten Werksgelände mitten in Offenbach ansehnliche Häuser. Sie wurden gebaut, nachdem 2004 die Produktion am Standort Senefelderstraße eingestellt worden war und die Industriebrache zur Wohnbebauung genutzt werden sollte.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die Häuser umschließen an drei Seiten eine Freifläche mit Wasserspielen, grünen Hügeln, Sportgeräten und Sandkasten. Auf einer Flanke schließen die Roland-Passage und ein Lebensmittelmarkt an. Eigentlich gar nicht einmal unattraktiv. Bei Tag und auf den ersten Blick vermutet man jedenfalls nicht, dass der sogenannte Senefelderpark für Anrainer inzwischen zum großen Ärgernis geworden ist. Der Grund: Abends und nachts treffen sich auf dem Gelände immer wieder Gruppen meist jüngerer Menschen, die sich lautstark vergnügen oder auch verprügeln und so bedrohlich auf Anwohner wirken, dass sich diese inzwischen kaum mehr aus dem Haus und in den Park trauen, wie Gia J. berichtet, die in einem der Häuser wohnt.

          Polizei erzielt nur eine kurze Wirkung

          „Ich gehe abends möglichst gar nicht mehr mit meinen Hunden durch den Park“, sagt die junge Frau. Es sei zwar eigentlich sehr angenehm, in den Häusern zu wohnen, sie seien auch innen sehr schön gestaltet, und das ganze Ensemble gefalle ihr auch sehr gut. Sie sei aber trotzdem inzwischen auf der Suche nach einer neuen Wohnung, weil es ihr am Senefelderpark einfach zu gefährlich werde. Gerade vor wenigen Tagen habe eine Gruppe Jugendlicher einen offenbar gestohlenen Motorroller erst versucht zu starten und dann durch die Gegend geworfen. Sie habe die Polizei gerufen, aber das erziele – wenn überhaupt – nur kurz eine gewisse Wirkung.

          Dass die betreffenden Personen unmittelbar aus den Häusern am Senefelderpark stammen, glaubt sie nicht. „Aber schauen sie sich einmal die Häuser in den Nachbarstraßen an. Da kommen die Leute her, die hier randalieren“, ist sie sich sicher. Das Karrée der schönen Häuser ist umringt von oft unsanierten Altbauten. Etwa an der Gustav-Adolf-Straße und darum herum können schon einmal umgekippte Mülltonnen in Einfahrten liegen, signalisieren eingeschlagene Scheiben oder mit Schmutz verschmierte Fenster und graubraune Gardinen neben abgestorbenen Topfpflanzen, dass dort etwas im Argen liegt.

          Drogendeals und Alkoholexzesse

          An der Christian-Pleß-Straße findet sich aber auch die Hassia-Fabrik, wo früher einmal Schuhe gefertigt wurden und heute verschiedene Manufakturen, Agenturen und ein Tanzstudio ihr neues Domizil gefunden haben. Die Umgebung ist also keineswegs durchweg trist.

          Ungeachtet dessen ist auch von anderen Anwohnern zu hören, dass sie sich besonders in den Abendstunden gerade auf dem Freigelände unsicher fühlen oder es inzwischen ganz meiden. Um möglichem Ärger aus dem Weg zu gehen, wollen die meisten angesprochenen Personen auch ihren Namen lieber nicht in Internet und Zeitung lesen. So auch der Mitarbeiter eines Hausmeisterservices. Er berichtet davon, dass die Passage und das Parkdeck bekannt seien als Drogenumschlagplatz. Und auf dem Parkgelände fänden sich immer wieder Spuren der Zerstörung und nächtlicher Alkoholexzesse.

          Corona-Krise verschärft die Situation

          Sozialdezernentin Sabine Groß (Die Grünen) bestreitet nicht, dass die Stadt im Quartier etwas unternehmen muss, weil sich die Situation im und um den Senefelderpark herum zugespitzt hat. Man ist auch schon tätig geworden, hat eine halbe Stelle für einen Sozialarbeiter geschaffen und diese inzwischen auf eine Dreiviertelstelle erweitert, wie Groß weiter berichtet. Doch der schon eingestellte Mitarbeiter habe aus persönlichen Gründen bald wieder gekündigt. Als man die Stelle neu habe ausschreiben wollen, sei die Covid-19-Pandemie ausgebrochen und habe alle Planungen über den Haufen geworden. Die Situation habe sich dadurch noch verschärft, dass nahezu alle Freizeit- und Sportangebote durch das Virus mit einem Mal nicht mehr vorhanden gewesen seien. Ungeachtet dessen planen Groß und die Ämter, deren Arbeit sie als Dezernentin verantwortet, weitere Angebote von Kultur bis Körperertüchtigung im Wohnviertel zu etablieren, um die Situation zu entschärfen und den jungen Leuten Perspektiven zu eröffnen.

          Gleichzeitig ist Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) entschlossen, den polizeilichen Kontrolldruck im Viertel zu erhöhen. Etwa in der Roland-Passage ist seinen Angaben zufolge die Stadtpolizei ohnehin regelmäßig auf Streife. Seit Jahresbeginn seien dort rund 80 Kontrollen angesetzt gewesen. In 29 Fällen hat demnach die Stadtpolizei einschreiten müssen, weil Jugendliche randalierten, 16 Mal mussten Verkehrsdelikte geahndet werden, in acht Fällen mussten die Ordnungskräfte wegen Ruhestörungen einschreiten, in sieben Fällen lag ein Verstoß gegen die Covid-19-Regeln vor, und in fünf Fällen mussten die Stadtpolizisten zur Gefahrenabwehr eingreifen.

          Im Sommer ist erfahrungsgemäß mit einer Zunahme solcher Einsätze der Stadtpolizei zu rechnen, wie es weiter aus dem Offenbacher Ordnungsamt heißt. In jedem Fall soll die Kontrolldichte im Senefelderviertel erhöht werden. Das soll in einem ersten Schritt mit Hilfe des Freiwilligen Polizeidienstes geschehen, dessen Einsatz in enger Abstimmung mit dem zuständigen Polizeirevier geplant werde.

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