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Senckenberg Naturmuseum : Dem Dino in die Augen blicken

  • -Aktualisiert am

Der will doch nur spielen: Eine neue Animation im Senckenberg-Museum lässt Dinosaurier wieder auferstehen. Bild: Alexander Oster

Mit Virtual-Reality-Brillen können Besucher des Senckenberg Naturmuseums einen Kurztrip zu den Sauriern in die Urzeit unternehmen. Das ist anders als bei „Jurassic Park“.

          2 Min.

          Ein Urwald vor etwa 150 Millionen Jahren: Riesige Bäume wachsen in den Himmel, die Abendsonne scheint durch das Geäst. Ungewohnte Geräusche dringen ans Ohr. Langsam bewegt man den Kopf und erblickt plötzlich einen riesigen Dinosaurier, der sich schnell nähert. Ein Diplodocus. Ein Tier von immenser Größe, das bis zu 16 Tonnen wiegen kann. Der Saurier streckt seinen Kopf gefährlich nahe heran. Zum Glück ist er ein Pflanzenfresser.

          Was dem Kinobesucher bislang nur aus „Jurassic Park“ bekannt ist, kann er nun auch hautnah im Senckenberg Naturmuseum erleben. Mit Hilfe von Virtual-Reality-Brillen tauchen Besucher in die Jurazeit, um Dinosaurier in Bewegung und ihrer natürlichen Umgebung zu betrachten.

          Verstärkte Nutzung von Virtual-Reality

          Der Ausstellungsbesucher steht mit der Virtual-Reality-Brille auf dem Balkon im ersten Stock des Museums und blickt von dort aus in den Sauriersaal, in dem sich die lebensgroßen Skelette der Dinosaurier befinden. Die dreidimensionale Animation dauert etwa eine Minute und verwandelt den Saal in einen Urwald der Jurazeit. Das Museumsgebäude ist dabei als von Pflanzen überwucherte Ruine weiterhin zu erkennen.

          Die Animationen sind im Gegensatz zu „Jurassic Park“ wissenschaftlich fundiert. Bernd Herkner, der Leiter des Museums, erklärt: „Uns ist die wissenschaftlich möglichst korrekte Wiedergabe wichtig, zum Beispiel was die Fortbewegung und den Körperbau des Dinosauriers angeht.“

          Damit dies gelingt, arbeitet das Museum mit dem Fachbereich Zeitbasierte Medien der Hochschule Mainz University of Applied Sciences zusammen. Das Projekt basiert auf der Masterarbeit des Studenten Alexander Oster, der die Idee Herkner im September 2015 präsentierte. Herkner war nach eigener Aussage sofort begeistert und bezeichnet das aktuelle Projekt als den Beginn einer langfristigen, verstärkten Nutzung von Virtual-Reality-Anwendungen im Senckenberg Naturmuseum.

          Frisch aus dem Ei geschlüpft

          Konkrete Ideen für die Zukunft hat Herkner bereits. So spricht er davon, den Sauriersaal virtuell fluten und die Fischsaurier aus dem Nebensaal hereinschwimmen zu lassen. Allerdings dienen diese Anwendungen nur als Ergänzung zu den bestehenden Objekten, nicht als Konkurrenz oder gar Ersatz.

          Das Projekt, das Entwickler Oster als „digitale Zeitreise“ beschreibt, ist Teil mehrerer großer Veränderungen im Museum im Rahmen des derzeitigen Umbaus, der 2020 beendet werden soll. Vom 16. Dezember an wird die Dinosaurier-Animation den Besuchern gegen einen geringen Kostenbeitrag zur Verfügung stehen.

          Wer bis dahin nicht warten möchte, kann von heute an bis zum 11. Dezember eine weitere Virtual-Reality-Anwendung im Museum testen. Der in Frankfurt ansässige Spieleentwickler Crytek GmbH zeigt den Besuchern täglich von 11 bis 16 Uhr die etwa dreiminütige Demo-Version „Back to Dinosaur Land“, die zwar nicht auf wissenschaftlicher Grundlage entstand, dafür deutlich furchterregender ist. Dem Besucher wird eine virtuelle Höhle aus der Sicht eines kleinen Sauriers gezeigt, der frisch aus dem Ei geschlüpft ist und von der eigenen Mutter auf sehr laute und ungestüme Weise begrüßt wird.

          Imposante Skelette der Saurier

          Bei dieser Anwendung erhält der Nutzer zusätzlich Kopfhörer und taucht somit noch tiefer in die virtuelle Welt der Urzeit ein. Die Demo-Version erschien bereits im April 2015 und basiert auf „Robinson: The Journey“, einem Virtual-Reality-Spiel für die Playstation.

          Auch wenn Crytek dieses Spiel dem Museum zunächst nur für einen Monat zur Verfügung stellt, können sich beide Seiten eine weitere Zusammenarbeit durchaus vorstellen.

          Dadurch könnten die imposanten Skelette der Saurier im Senckenberg Naturmuseum für längere Zeit am Leben bleiben und so die Besucher weiterhin in Angst und Schrecken versetzen.

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