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Ausgrabungen vor Publikum : Dinos buddeln im großen Stil

Knochenmann: Philipe Havlik im Frankfurter Senckenberg-Museum Bild: Wolfgang Eilmes

Senckenberg hat eine Fossilienfundstelle nach Frankfurt gebracht, um an ihr vor Zuschauern zu arbeiten. Paläontologe Philipe Havlik spricht über Kindheitsträume und die Lust, Wissenschaft zu zeigen.

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          Was Kettensägen angeht, ist Philipe Havlik gelassen. Besser ein glatter Schnitt durch ein Dinosaurierbein als hinterher zerbröselte Einzelteile. Erst recht, wenn man derart aus dem Vollen schöpfen kann wie in der Lance-Formation im amerikanischen Bundesstaat Wyoming, wo es vor Fossilien wimmelt. Also hat Havlik zugesehen, wie aus 30 Tonnen Dinosaurier-Fundstelle 16 Quadrate aus Sediment geworden sind.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die liegen jetzt in einem korallenrosa Pavillon auf dem Außengelände des Frankfurter Senckenberg-Museums und sollen bald spektakuläre Einblicke bieten. „Edmonds Urzeitreich“ hätte schon Anfang April eröffnen sollen, eine Ausstellung, die es so noch nie gegeben hat: Eine Grabung mitten in Frankfurt, vor den Augen des Publikums.

          Keine inszenierten Grabungen

          Vor drei Jahren haben der damalige Leiter des Museums, Bernd Herkner, Havlik und der Fossiliensammler und Mäzen Burkhard Pohl eine aberwitzig anmutende Idee geboren: „Wir gehen Dinos buddeln. Und machen das, was noch nie jemand getan hat: Wir nehmen die Fundstelle mit.“ Pohl, der in dem Ort Thermopolis schon 1995 das Wyoming Dinosaur Center gegründet hat, ist den Senckenbergern seit Jahrzehnten verbunden. Er hat eine geeignete Grabungsstelle gepachtet und mit seinem eigenen Team die Grabung von Senckenberg unterstützt. Dank Pohl und weiterer Unterstützer konnte das kostspielige Projekt verwirklicht werden, an dessen Auswertung weitere Institute sowie zur Dokumentation das Wissenschaftsmagazin National Geographic beteiligt sind.

          Havlik, nach Jahren am Tübinger Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment seit 2015 in Frankfurt Kurator in der Stabsstelle Zentrale Museumsentwicklung, geht es aber nicht um ein Spektakel. „Wir zeigen, was wir tun. Die Grabung ist nicht inszeniert. Wir wollen die Gedankengänge der Leute zeigen, die daran arbeiten.“ Anders als bei vielen privaten Grabungen und in der amerikanischen Herangehensweise üblich, brauchen Havlik und seine Kollegen keine spektakulären Großfunde, ihnen geht es um ein urgeschichtliches Ökosystem. Das verrät schon der Name der interaktiven Ausstellung „Edmonds Urzeitreich“.

          Denn der Edmond, auf den sich das bezieht, ist die berühmte „Senckenberg-Mumie“ eines Edmontosaurus annectens, 1911 von Arthur von Weinberg dem Museum geschenkt und aus derselben Gegend wie jetzt das importierte Bonebed, die Fossilienfundstelle. Havlik will zeigen, wie Forscher die Funde präparieren, welche Schlüsse man aus den Fossilien und ihrer Umgebung, aus Pflanzenresten etwa, ziehen kann, vom Speiseplan des Edmontosaurus über das Klima bis hin zur noch immer ungeklärten Entstehung solcher Bonebeds. „Infotainment“ nennt Havlik das, oder auch „Gutes tun und darüber reden“. Dass sein Metier ihn fasziniert, kann er nicht verbergen, er sprüht geradezu vor Lust, sein Wissen und das, was ihn an der Paläontologie fasziniert, zu teilen.

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