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Senckenberg-Museumsleiter : Dem Triceratops wieder auf die Beine geholfen

Bernd Herkner im Senckenberg-Museum vor dem Skelett seines Lieblingsdinosauriers, dem Triceratops. Bild: Wolfgang Eilmes

Bernd Herkner hat 19 Jahre lang im Senckenbergmuseum gearbeitet: zunächst in der Forschung, später zusätzlich als Leiter des Museums. Nun wechselt er an das Naturhistorische Museum in Mainz und bringt viele neue Ideen mit.

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          Wen wird er wohl mehr vermissen – seine 70 Mitarbeiter oder den Triceratops im Sauriersaal? Senckenberg, sagt Bernd Herkner, der ein Senckenberger par excellence ist, sei so etwas wie seine Familie. 19 Jahre lang hat Herkner, bis morgen noch Leiter des Senckenbergmuseums, am Institut gearbeitet. Und wie viele seiner Kollegen hat er schon als Student dort angefangen. Der Triceratops war dann der erste Auftrag, mit dem er, der Paläoanthropologe und Biomechaniker, „in die Ausstellungsarbeit gerutscht“ ist. Er hat das Skelett damals neu aufgebaut, die Schrittlänge und Körperhaltung nach den jüngsten Erkenntnissen neu gestaltet.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit 2003 ist aus dem Mann der Forschung derjenige geworden, der sich mit der Präsentation der Schätze Senckenbergs im Museum einen Namen gemacht hat. Vom 1. Juni an wird er das Naturhistorische Museum in Mainz leiten. Aber er geht nicht ganz – als Dozent bleibt er Senckenberg verbunden: „Ich liebe die Senckenberg-Schule“, sagt Herkner; lange ist er der Leiter dieser Ausbildungsstätte für technische Assistenten an Forschungsinstituten und Museen gewesen. Weil der Vorstand ein Senckenberger sein muss, hat er sie jetzt abgegeben, aber er wird dort Zoologie lehren, „mit Herzblut“, wie stets. Erst im nächsten Jahr soll ein Nachfolger Herkners Aufgaben bei Senckenberg übernehmen.

          Sein eigener Herr zu sein, selbst die Geschicke zu bestimmen, das hat ihn gereizt, trotz der großen Verbundenheit zu Senckenberg, sagt Herkner, und „trotz meines Alters“. Bis auf die zehn Jahre, die er am Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe gearbeitet hat, war der 58 Jahre alte gebürtige Frankfurter bei Senckenberg. Große Sonderausstellungen, Experimente mit bildender Kunst im Museum und das Bestreben, in der unmittelbaren Begegnung mit dem Objekt ältere und junge Besucher für die Naturkunde zu faszinieren, sind Merkmale seines Wirkens. Nun will er seine Erfahrungen im Mainzer Museum anwenden, das derzeit umgebaut wird.

          Mit Gestaltungswillen an die neue Arbeitsstelle

          Ende September wird es wiedereröffnet. „Dann ist das Museum aber noch nicht fertig“, sagt Herkner. Immerhin aber werden dann der Rundgang durch die Erdgeschichte und der Bezug zu den Erdlagerstätten in Rheinland-Pfalz fertig sein. Für die Grabungen dort, etwa im Eckfelder Maar, ist Herkner künftig verantwortlich; einen ersten Überblick über das Mainzer Grabungswesen hat er sich mittlerweile verschafft. Jetzt wird es darauf ankommen, sich einzuarbeiten und alles kennenzulernen, „damit ich gestalten kann“.

          Kooperationen mit anderen Museen und der Universität, neue Formen der Präsentation für Familien und neue Besuchergruppen – das sind nur einige von Herkners Ideen. Dass er seinen Vorgänger Michael Schmitz seit 30 Jahren kennt, macht den Einstieg leichter. Mit ihm, dem Paläontologen Friedemann Schrenk und anderen hatte Herkner einst einen Arbeitskreis zur Evolutionsforschung gegründet. Die Haltung, Naturwissenschaften, Philosophie und Kunst miteinander zu verbinden, prägt ihn seither ebenso wie der Ansatz des einstigen Senckenberg-Museumsleiters Wilhelm Schäfer, vom Objekt her zu erzählen.

          Das kann Herkner, dessen Museumslaufbahn mit den Gliedmaßen eines Triceratops begann, demnächst auch auf einer sehr großen Bühne: In derselben letzten Septemberwoche, in der er in Mainz seine neue Arbeitsstätte wiedereröffnen kann, beginnt auch die 1500 Quadratmeter große internationale Ausstellung zur Welt der Meeressaurier im Lokschuppen Rosenheim, deren Kurator Herkner ist. Und nicht nur das: Papier um Papier füllt er mit Skizzen, um den Modellbauern und Kreativen die exakten Bewegungen der einstigen Meeresbewohner nahezubringen. Virtuelle Paläontologie, das hatte er damals machen wollen, als er im Jahr 2000 zu Senckenberg zurückgekommen ist. Der Antrag auf Fördergeld für das internationale Forschungsprojekt scheiterte. So landete Herkner im Museum. Sozusagen ein Glücksfall der Evolution.

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