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Senckenberg-Halle : Ausstellungsort für Weltkulturen

Platz wird für allerhand gebraucht: Blick in einen Ausstellungsraum des Museums für Weltkulturen. Bild: Bernd Kammerer

Die Wolfgang-Steubing-Halle, die das Raumangebot des Frankfurter Senckenbergmuseums ergänzt, soll von 2014 an dem Weltkulturen-Museum als provisorischer Ausstellungsort dienen.

          Die tausend Quadratmeter umfassende, zehn Meter hohe zweigeschossige Wolfgang-Steubing-Halle, die seit 2008 das Raumangebot des Frankfurter Senckenbergmuseums ergänzt, soll von 2014 an dem Weltkulturen-Museum als provisorischer Ausstellungsort dienen. Dies hat Clémentine Deliss, Direktorin der ethnologischen Institution, gestern auf Anfrage bestätigt. Zwischen ihr und Volker Mosbrugger, dem Direktor des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg, gebe es derzeit Gespräche darüber.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Mosbrugger hatte vor einiger Zeit bei einer Unterredung mit Deliss die Idee geäußert, die Halle künftig für das Weltkulturen-Museum zu nutzen und somit in der Stadt zu belassen. Dem Vernehmen nach gibt es auch andernorts starkes Interesse an dem großen, transportablen Ausstellungscontainer, in dem gegenwärtig die Ausstellung „Was tun?“ über die menschliche Arbeit zu besichtigen ist. Wegen des Erweiterungsvorhabens des naturkundlichen Museums muss für das in verschiedenen grünlichen Farbtönen schimmernde Wellblechgebäude eine neue Verwendung gefunden werden. Die Bauarbeiten am Senckenbergmuseum beginnen voraussichtlich im Frühsommer 2014. Die Halle wurde von dem Frankfurter Geschäftsmann und Mäzen Wolfgang Steubing gestiftet und gehört dem Senckenberg-Institut. Sie ist als flexibles Gebäude konstruiert, das sich innerhalb kurzer Zeit komplett von einem Ort an einen anderen versetzen lässt.

          Noch kein konkreter Standort

          „Wir sprechen jetzt über verschiedene Optionen“, sagte Mosbrugger gestern auf Anfrage. Bei der Wahl eines Standorts gebe es zahlreiche „strukturelle, konzeptionelle und auch ganz pragmatische Aspekte“ zu beachten. Bisher sei das Ganze „nichts als eine Idee“. Eine Idee allerdings, die nicht nur er, sondern auch seine Kollegin Deliss äußerst interessant fänden.

          Die Museumsdirektorin sagte, ihr Haus habe eine Verpflichtung, die Sammlung zugänglich zu machen. Sie werde alles daran setzen, den kulturellen Auftrag der Vermittlung zu erfüllen, den ein Museum, wie das von ihr geleitete, habe. Insofern sei die Aussicht, die Wolfgang-Steubing-Halle nutzen zu können, sehr vielversprechend. Dort hätten etwa das große Kula-Boot von den Trobriand-Inseln und andere überdimensionale Objekte genügend Platz. Die Halle erlaube es auch, „Hightech-Medien“ zu verwenden, führte Deliss weiter aus. Eine temporäre Ausstellungshalle mit einer so großen Fläche sei geeignet, verstärkt das Interesse auf Frankfurts ethnologische Sammlung zu lenken. Noch habe sie den Plan nicht aufgegeben, für die Kollektion einen dauerhaften Neubau zu errichten. Eine temporäre Ausstellungshalle könne ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein, weil die Bürger dort seit langer Zeit wieder einen umfassenden Einblick in die Sammlungsbestände nehmen und sich von der Notwendigkeit einer permanenten Lösung überzeugen könnten.

          Über konkrete Standorte könne man sich derzeit noch nicht äußern, sagten Deliss und Mosbrugger übereinstimmend. Der Platz hinter den Villen am Schaumainkai, wo das Museum seit langem provisorisch untergebracht ist, reicht nach Einschätzung von Deliss jedoch nicht aus. Auch über die Kosten könne man zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen. Es sei jedoch vorstellbar, dass sich die Stadt, das Senckenbergmuseum und Stiftungen daran beteiligten. Mit Senckenberg seien gemeinsame Projekte möglich, etwa zum Thema „Handel“, führte die Museumsleiterin aus.

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