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Seligenstadt : Wo Karl der Große seine Tochter wiederfand

  • -Aktualisiert am

Einhards Werk: Blick auf die Basilika mit dem ehemaligen Kloster. Bild: Rainer Wohlfahrt

Als Einhardstadt fühlt sich Seligenstadt schon seit vielen Jahren. Nun möchte die Kommune den Zusatz auch ganz offiziell im Namen führen und hofft auf einen Minister.

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          Einhard schaut zu. Was immer sich auf dem Seligenstädter Marktplatz mit seinen alten Fachwerkhäusern zuträgt, der Berater und Biograph Karls des Großen hat alles im Blick. Zumindest symbolisch: Der Kopf, der aus einer Luke am Erkergiebel des Einhardhauses auf das Geschehen heruntersieht, soll Einhard darstellen. Er wurde um das Jahr 770 geboren und starb 840 in Obermulinheim, dem heutigen Seligenstadt. Im Einhardhaus ist die Tourist-Info zu finden, die Stadtführungen veranstaltet und Besuchern Hinweise für den Aufenthalt in der Stadt gibt.

          Oben am Erker steht: „Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter wieder fand.“ Den Satz soll Karl der Große ausgerufen haben. Einhard hatte sich nämlich in Imma (Emma), die Tochter des Kaisers, verliebt, was diesem nicht gefiel. Der Legende zufolge wurden beide vom Hof in Aachen verbannt und kamen in das kleine Dorf Obermulinheim. Nach Jahren verirrte sich Kaiser Karl bei der Jagd im Wildbann Dreieich und gelangte ebenfalls dorthin. Als er seine Tochter wiedererkannte, soll seine Freude groß gewesen und der Satz gefallen sein, der der Stadt ihren heutigen Namen gegeben habe. Verbürgt ist die Geschichte nicht; bis heute wird sie in Seligenstadt aber gerne erzählt. Das Einhardhaus entstand erst wesentlich später, gegen Ende des 16. Jahrhunderts.

          Wunsch nach offizieller Bindung

          Mit dem Attribut Einhardstadt schmückt sich Seligenstadt schon seit langem, allerdings nur inoffiziell. Nun soll daraus eine feste Bindung werden: Die Stadt will beim Innenministerium beantragen, den offiziellen Zusatz Einhardstadt verliehen zu bekommen. Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) stellte das Vorhaben gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Präsidiums der Einhard-Stiftung, dem früheren CDU-Landtagsabgeordneten Aloys Lenz, sowie der Vorsitzenden der Einhard-Gesellschaft, der früheren Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP), und ihrem Stellvertreter Thomas Laube vor. Beide Institutionen haben ihren Sitz in Seligenstadt. Das Präsidium der Einhard-Stiftung und der Vorstand der Einhard-Gesellschaft sprachen sich schon für den Vorstoß aus. Der Seligenstädter Magistrat und die Stadtverordneten befassten sich damit noch nicht. Die bisherigen Gespräche mit den Fraktionen seien jedoch sehr positiv verlaufen, sagte Bastian. Vorgesehen ist, bis zum Frühjahr einen aussagekräftigen Antrag zu erarbeiten, der beim Innenministerium eingereicht werden soll, sobald die städtischen Gremien zugestimmt haben. Henzler sprach sich dafür aus, möglichst schnell in Wiesbaden vorstellig zu werden: Man wisse nicht, wer in der künftigen Landesregierung Innenminister werde.

          Die Hessische Gemeindeordnung ermöglicht es, besondere Bezeichnungen zu führen, „die auf der geschichtlichen Vergangenheit, der Eigenart oder der Bedeutung der Gemeinde beruhen“. Darüber entscheidet der Innenminister. Lenz, der aus dem Main-Kinzig-Kreis kommt, wirkte schon daran mit, dass Hanau sich Brüder-Grimm-Stadt nennen darf. Auch Steinau trägt diesen Zusatz im Stadtnamen. Gelnhausen tritt als Barbarossastadt, Darmstadt als Wissenschaftsstadt auf. In Seligenstadt wird der Begriff Einhardstadt nach den Worten von Laube wohl schon seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts verwendet. In der Geschichtsforschung sei Einhard, der manchmal Eginhard genannt wird, bis heute sehr präsent. An der Universität Tübingen würden seine Texte für die Lateinprüfungen verwendet. Und selbst in Paris gebe es eine „Rue Eginhard“. Auch dort, im Zentrum der französischen Hauptstadt, bleibt Einhard Karl dem Großen treu: In direkter Nachbarschaft verläuft die „Rue Charlemagne“.

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